Wegen falscher Angaben auf dem Anhörungsformular musste sich eine Frau vor dem Amtsgericht Nagold verantworten. Foto: Köncke

Weil sie im Anhörungsformular ihren Mann und nicht den Sohn als Autofahrer angab, hat sich eine Mutter aus einer umliegenden Gemeinde strafbar gemacht. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Nagold wurde gegen Zahlung von 1000 Euro an den Kinderschutzbund eingestellt.

Wildberg/Nagold - Der Vorfall ereignete sich am 29. September vergangenen Jahres in Thüringen. Nach Angaben der Angeklagten hielten sich an diesem Tag sowohl ihr Mann als auch ein Sohn – das Ehepaar hat zwei Kinder im Alter von 22 und 19 Jahren – im Bundesland auf. In der Verhandlung beharrte die 52-Jährige darauf, ihr Mann sei am Steuer des Fahrzeuges gesessen, das bei Zella Mehlis mit überhöhter Geschwindigkeit geblitzt wurde.

Als das Beweisfoto vorgelegt wurde und die Angeklagte behauptete, das sei unscharf und beide Männer würden einen Bart tragen, redete ihr Richter Martin Link ins Gewissen. Auf dem Bild sei klar zu erkennen, dass es sich um den Junior handle.

Geldbuße von 1000 Euro

Sie solle lieber ihr Fehlverhalten zugeben und "die Hosen runterlassen". Dann könne sie verhindern, "dass es zu einer Verurteilung kommt". Daraufhin gab die Ehefrau alles zu, sie habe Konsequenzen für ihren Filius verhindern wollen. Mit der goldenen Brücke – Zahlung einer Geldbuße von 1000 Euro - war Staatsanwalt Dennis Lasch nicht einverstanden. Erst nach zweimaligem Insistieren des Richters und dem Hinweis auf mögliche Folgen habe sie sich nicht mehr herausgeredet. Deshalb müsse er auf der Fortsetzung des Verfahrens bestehen.

Der Richter redete mit Engelszungen auf den Vertreter der Anklage ein, er möge seinem Vorschlag zustimmen. Als sich kein Umdenken abzeichnete, wurde er von Link gebeten, Rücksprache mit dem Sachbearbeiter in Tübingen zu nehmen.

Lasch griff zum Handy, verließ den Raum, kehrte nach zehn Minuten zurück und erklärte sich mit dem Kompromiss einverstanden.

Mit dem Bezahlen der festgelegten Geldbuße in Höhe von 1000 Euro an den Kinderschutzbund kann sich die Verurteilte bis zum 31. August Zeit lassen.

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