Zweimal ist die Verhandlung in Landau schon geplatzt. Nun soll der Prozess gegen die Chefin einer Firma, die Senioren-Betreuerinnen aus Osteuropa vermittelt, endlich stattfinden.
Nach zwei gescheiterten Versuchen soll ein mit Spannung erwarteter Strafprozess um die Vermittlung von Seniorenbetreuerinnen aus Osteuropa nun wirklich beginnen. Im dritten Anlauf will das Amtsgericht im pfälzischen Landau am nächsten Montag gegen die Chefin einer großen Vermittlungsfirma verhandeln. Die Anklage gegen Renata F., die das bundesweit tätige Unternehmen Seniocare24 im nahen Kandel führt, lautet auf gewerbsmäßiges Einschleusen von Ausländern. Zu dem Prozess kommt es in Folge einer bundesweiten Razzia bei mehreren Unternehmen im Jahr 2020, bei der es auch um den Verdacht der illegalen Beschäftigung und des Vorenthaltens von Arbeitsentgelt ging.
In Medienauftritten hatte die Chefin Seniocare24 als besonders seriöse Vorzeigefirma präsentiert, die sorgsam auf die Einhaltung aller Regeln achte. Angesichts der Vorwürfe verwies sie zunächst auf das „unsichere Rechtsgebiet“, man habe selbst ein Interesse an der Klärung offener Fragen. Inzwischen äußert F. sich gegenüber der Öffentlichkeit nicht mehr, ihr Verteidiger schweigt ebenfalls. Das auch in Stuttgart vertretene Unternehmen vermittelt Frauen aus Osteuropa an deutsche Seniorinnen und Senioren, um diese in deren eigener Wohnung rund um die Uhr zu betreuen. Damit bleibt ihnen der Umzug ins Pflegeheim erspart. Bei der Versorgung von alten Menschen spielt dieses Modell neben der Pflege im Heim und durch Angehörige eine wichtige Rolle.
Am ersten Tag war der Prozess geplatzt
Der Prozess hatte im April 2024 schon einmal begonnen, war aber am ersten Tag geplatzt. Einige Zeuginnen aus der Ukraine konnten nicht geladen werden. Die Staatsanwaltschaft wurde beauftragt, ihre Adressen zu ermitteln. Für Mai 2025 wurden erneut zwei Verhandlungstermine angesetzt. Kurz vorher wurden sie von Amts wegen überraschend aufgehoben. Die Verteidigung habe eine umfassende Stellungnahme eingereicht, „die weitere rechtliche Fragen aufwirft“, so die Erklärung; dazu solle nun die Staatsanwaltschaft Stellung nehmen können. Damit verdichtete sich der Eindruck, dass die Justiz mit dem Verfahren überfordert ist. Zum dritten Anlauf werden erneut Medienvertreter aus ganz Deutschland erwartet.