Die Beteiligten hatten Meinungsverschiedenheiten über die Geschehnisse des vergangenen Silvesterabends. Foto: Gambarini

Nachdem eine Silvesterparty in Erzingen außer Kontrolle graten ist, stehen nun ein 26-jähriger Balinger und sein 22-jähriger Bruder vor Gericht. Die Brüder wurden beide für gefährliche Körperverletzung verurteilt.

Zwölf Zeugen, 20 Zuschauer und zehn Stunden im Gericht – dass ist das Resultat einer Silvesterparty, welche eine unerwartete Wendung nahm. „Das werden heute wohl zehn Zeugen und elf Meinungen“, sagte der Verteidiger des Angeklagten. Dieser wusste zum Auftakt der Verhandlung noch nicht wie richtig er mit seiner Prognose liegen werden sollte.

 

Die Zeugen, die sich alle auf derselben Party befanden, schilderten zwar alle eine ähnliche Geschichte, jedoch in unterschiedlichen Versionen. Keiner der Zeugen war bei allen Ereignissen vollständig involviert – bis auf einer der Gäste. Jedoch konnte sich dieser aufgrund seines Alkoholkonsums und der vergangenen Zeit seit dem Vorfall kaum noch an das Geschehen erinnern. Dieser Umstand erschwerte es der Richterinn sich ein Bild von den Geschehnissen des vergangenen Silvesterabends zu machen.

Herauszufinden was passiert ist, ist nicht leicht

Angeklagt werden zwei Brüder, auf den Vorwurf der gefährlicher Körperverletzung.

Etwa 20 Personen feierten in einer Scheune in Erzingen den Neujahresbeginn. Etwa gegen 1 Uhr des 1. Januar 2024 geriet die Party aus dem Ruder: Der 22-jährige Angeklagte schlug einem 26-jährigen Partygast aus Dürrheim ins Gesicht.

Auslöser für die Situation waren Vorwürfe zweier anwesender Mädchen, bei denen es sich um unangebrachte sexuelle Handlungen des Dürrheimer gehandelt haben soll. Um die Situation zu entschärfen, entfernte man den 26-Jährigen einige Meter von der Scheune. Kurz darauf spitzte sich die Situation erneut zu, als der Bruder des 22-jährigen Balinger den jungen Mann mutmaßlich erneut schlug.

Dieser schubste den Angreifer wohl in den Graben, wo es zu einem Schlagaustausch gekommen sein soll. Nachdem der 22-Jährige seinem Bruder zur Hilfe kam und der 26-Jährige um Hilfe schrie, versuchten andere Party-Gäste die Männer auseinander zu bringen.

Nach der Party war nichts mehr wie davor

Der ältere Bruder des Balinger schaffte es, sich zu lösen und trat dem auf dem Boden liegenden ins Gesicht.

Im Krankenhaus stellte man bei ihm ein Schädelhirntrauma, Hämatome am Kopf und mehrere Platzwunden fest. Außerdem konnte man ihm einen Blutalkoholwert von etwa 0,8 Promille nachweisen. Er trägt bis heute eine Narbe von dem Geschehen davon.

Der Geschädigte stellte einen Strafantrag gegen die zwei Brüder. Ein Geständnis zu den Vorwürfen oder eine Entschuldigung der Beteiligten blieb bis zum Tag der Verhandlung aus. Viele der Partygäste haben seither kein Wort mehr miteinander gewechselt. Der Vorfall beschäftigt alle Involvierten nachhaltig und sorgte in der Verhandlung noch fast ein Jahr später für Tränen.

Mit dem Urteil sind nicht alle Zuschauer zufrieden

Als die Richterin nach fast zehn Stunden ihr Urteil verliest, sorgte dieses für eine Menge Kopfschütteln in den Reihen der Zuschauer.

Obwohl die Verteidiger gegegen eine Verurteilung auf gefährliche Körperverletzung plädierten, lautete das Urteil gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzung. Der 22-Jährige wurde zu sieben Monaten und zwei Wochen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Zusätzlich muss er eine Geldstrafe von 1250 Euro leisten. Der 26-Jährige wurde zu acht Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt – und zu einer Strafe von 1000 Euro.