Ein Verkehrsvorfall in Burladingen wurde im Amtsgericht in Hechingen verhandelt Foto: Archiv

Zwei Streithähne gerieten in einem Burladinger Ortsteil im Straßenverkehr handgreiflich aneinander. Die Wahrheitsfindung war nicht einfach.

Auf Deutschlands Straßen liegen die Nerven bei Autofahrern öfter mal blank. So war es auch an einem Tag im April vergangenen Jahres im Burladinger Stadtteil Hausen der Fall. Deshalb saßen beide Streithähne am Freitagvormittag in Hechingen im Amtsgericht. Einer der Kontrahenten legte Widerspruch gegen einen auferlegten Strafbefehl ein. Der Vorwurf: Körperverletzung und versuchte Körperverletzung. Oder war es womöglich nur eine Rangelei? Die Wahrheitsfindung gestaltete sich schwierig - mit einem Ende, dass so zu Beginn nicht abzusehen war.​

 

In der Ebinger Straße in Hausen ist zu Stoßzeiten immer viel los. Zudem stehen viele Autos von Anwohnern geparkt auf der Fahrbahn. Hier ist eine gewisse Flexibilität und Verständigung der Verkehrsteilnehmer gefordert. Diese war bei den beiden Kontrahenten nicht nur gescheitert, sondern zudem eskaliert.

Aussagen gehen auseinander

Laut Anklageschrift war ein 56-jähriger mit italienischer Staatsbürgerschaft als Mitfahrer unterwegs in der besagten Straße, seine Frau saß am Steuer, der Sohn auf der Rückbank. Nachdem die Frau die Vorfahrt des entgegenkommenden Fahrers ignorierte, kam es aus dem Auto heraus zur ersten Provokation, die dann in einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen dem Mitfahrer und dem anderen Autofahrer mündete.

Hierbei, so der Vorwurf, soll der Angeklagte mit der Faust ins Gesicht des anderen geschlagen und sein zu Boden gegangenes Opfer noch mal attackiert haben. Das Resultat: Verletzungen im Gesicht und eine Prellung der Lendenwirbelsäule. Die Frau des Opfers habe ein Foto des anderen Fahrzeugs machen wollen, diese habe der Beschuldigte ebenfalls zu attackieren versucht, heißt es.

Der italienische Staatsbürger wiederum schilderte die Auseinandersetzung etwas anders. Er sei gepackt worden und habe sich lediglich gewehrt. Er habe nur mit der flachen Hand zugeschlagen.

Und wie hat es der Geschädigte in Erinnerung? „Ich bin ein sehr friedlicher Mensch“, erzählte er. Mehrere Autos habe er durchgelassen, obwohl er Vorfahrt gehabt habe, irgendwann sei er aber dann doch losgerollt. „Dabei kam es fast zum Unfall, weil die Autofahrerin sich noch durchdrückte.“

Krude Äußerungen

Die Vorfahrtsfrage war schnell geklärt: Sie hätte dem Opfer zugestanden. Wie sich die Auseinandersetzung wirklich zugetragen hatte, stellte das Gericht allersdings vor ein Rätsel. Der Geschädigte betonte wiederholt, er verhalte sich eigentlich immer rücksichtsvoll und nie aggressiv „„Aber warum sind sie dann nicht einfach weitergefahren?“, fragte ihn Richter Bernd Koch. „Ich muss doch klarstellen, was die im anderen Auto falsch gemacht haben“, erwiderte der Mann. Dazu sei er aber gar nicht gekommen, „weil der Mann sofort auf mich losgegangen ist“.

An Schläge mit der Faust konnte sich das Opfer aber nicht mehr erinnern. Generell folgten etwas krude Aussagen: Er habe direkt gesehen, dass es sich um Ausländer handele, denen müsse er doch sagen, dass man so nicht in Deutschland fährt.

Doch war er vor Ort wirklich der besonnene „Verkehrserzieher“? Eine Zeugin, so gab es der Richter aus den Unterlagen wieder, habe ausgesagt, dass beide Kontrahenten geschrien uns sich aggressiv verhalten hätten.

Ronald McDonald-Haus in Tübingen profitiert

Nun war der gute Rat bei der Frage des Urteils teuer. Am Ende entschieden sich alle Beteiligten für eine Lösung, die vor allem einer dritten, unbeteiligten Partei zugutekommt. Das Verfahren wurde eingestellt unter der Bedingung, dass der Beschuldigte 600 Euro an das sogenannte Ronald McDonald-Haus in Tübingen zahlt. Diese Einrichtung betreut Familien mit schwer kranken Kindern.

Was lässt sich aus einer solchen Alltagssituation mitnehmen? Am Ende lohnt es sich nicht, im Straßenverkehr die Nerven zu verlieren und aufeinander loszugehen. Passiert es doch, profitiert zumindest eine gemeinnützige Einrichtung, die wohl viel mit dem Geld anzufangen weiß.