Die 24-Jährige ist im Alter von 18 Jahren von daheim ausgezogen, um bei der Familie ihres Freundes zu wohnen. Foto: Pedersen

Ein 46-jähriger Mann aus Balingen wurde wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern angezeigt. Er soll vor elf Jahren die damals 13-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin versucht haben zu sexuellen Handlungen zu zwingen.

Über elf Jahre ist der Vorfall schon her, dennoch merkt man bei der Gefühlslage der Familie deutlich dass der Fall sie noch immer beschäftigt.

 

Der 46-jährige Angeklagte und seine Lebensgefährtin führen seit über 19 Jahren eine Beziehung – in diese brachte die Balingerin eine Tochter mit ein. Vor elf Jahren, im Jahr 2013, soll sich ein Vorfall ereignet haben, den die damals 13-Jährige schwer traumatisierte.

Zu sexuellen Handlungen gezwungen?

Der Angeklagte soll mit dem Mädchen im Wohnzimmer auf der Couch gelegen haben, als er sie packte und auf den Boden legte. Daraufhin zog er ihre Hose und die eigene runter und versuchte die 13-Jährige zu weiteren sexuellen Handlungen zu zwingen. Bei einem zweiten Vorfall soll der Mann, nachdem er aus der Dusche kam, in ihr Zimmer gekommen sein. Nur mit einem Handtuch bekleidet, versuchte er sie sexuellen Handlungen zu überreden, so der Vorwurf. Nachdem sie sich weigerte lies er demnach sein Handtuch fallen und versuchte sie zu zwingen.

Der Balinger steht aufgrund der Vorwürfe von sexuellem Missbrauch von Kindern unter 14 Jahren vor Gericht – er selbst distanziert sich von den Anschuldigungen. „Es stimmt kein einziges Wort“, sagt der Angeklagte. Laut ihm habe es keine Situation in dieser Art gegeben. Die jetzt 24-Jährige lebte mit ihren zwei halb Geschwistern, ihrer Mutter und dem damaligen Freund ihrer Mutter zusammen. Die Familie habe zu dieser Zeit ein harmonisches Zusammenleben geführt – Diskussionen seien ausschließlich verbal abgelaufen, bestätigt seine Lebensgefährtin. Diese ist von der Unschuld ihres Verlobten überzeugt. Der Freund der 24-Jährigen ist da anderer Meinung: Er habe vor einigen Jahren beobachtet, wie der 46-jährige Angeklagte eines der gemeinsamen Kinder bei einem Wortgefecht die Treppe runter stieß.

Unterstützung beim Weißen Ring gesucht

Nachdem sie Unterstützung beim Weißen Ring suchte, hat sich die mittlerweile 24-jährige Balingerin vor etwa zwei Jahren entschieden gegen den Verlobten ihrer Mutter Anzeige zu erstatten. „ Das ist alles krank, wir haben eine normale Familie und seit Jahren passiert ein Schock nach dem anderen“, sagt die Mutter vor Gericht, während sie mit ihren Tränen kämpfte.

Vor etwa sechs Jahren, nach ihrem 18. Geburtstag, ist die 24- Jährige zu ihrem Freund und dessen Familie gezogen. Dieser habe davor über ein Jahr mit der Familie zusammengelebt. Er beschreibt den Erziehungsstil der Familie als eher „impulsiv“.

„Damit hat alles angefangen, der hat Unruhe in unsere Familie gebracht“, sagt die Familienmutter. Danach sei die Balingerin aufmüpfiger gewesen, habe die Schule geschwänzt und eine Kaufsucht entwickelt.

Die 24-Jährige habe in einem Gespräch mit ihrem 31-jährigen Freund erklärt, warum sie sich in der Vergangenheit nie getraut habe, etwas zu sagen: „Die Angst, dass ihre Geschwister ihren Vater verlieren könnten oder vom Jugendamt geholt werden, war einfach zu groß“, sagt der 31-Jährige. Sie habe die Familie nicht zerstören wollen.

Fortsetzungstermin am 12. Dezember

„Wenn ich sie beschreiben müsste würde ich sagen schüchtern, zurückhaltend und unsicher“, erklärt die 61-jährige Mutter des Freundes. Sie habe nach eigenen Aussagen auch mit ihr über den Vorfall gesprochen. „Da hat sie bitterlich geweint, ich habe sie kaum verstanden. Doch sie hat mir erzählt, dass sie mit ihrer Mutter über den Vorfall gesprochen habe, diese habe die Situation mutmaßlich verharmlost.“

Nach sieben Stunden im Gericht, waren noch Fragezeichen im Raum: Einige Zeugen wurden noch nicht befragt. Aus diesem Grund wurde ein Fortsetzungstermin für Donnerstag, 12. Dezember, einberufen.