Es ist eine besondere Feierstunde in Rottweil: Justizministerin Marion Gentges führt die neue JVA-Leiterin Stefanie Hörter in ihr Amt ein. Der Bauverzug ist da freilich auch Thema.
Polizei vor dem Landgerichtsgebäude, jede Menge Uniformierte im Innern – nein, es ist diesmal kein besonderer Prozess im Schwurgerichtssaal, sondern ein freudiger Anlass: Die neue Leiterin der Justizvollzugsanstalt Rottweil, Leitende Regierungsdirektorin Stefanie Hörter, wird in ihr Amt eingeführt.
Dass sie sich damit einer ganz besonderen Herausforderung stellt, wird an diesem Vormittag mehr als deutlich. Stefanie Hörter leitet nun nicht nur die bestehende Anstalt, die sich aktuell noch auf vier Standorte – Rottweil, Oberndorf, Hechingen und Villingen-Schwenningen – in drei Landkreisen aufteilt, sondern muss auch die Inbetriebnahme der im Bau befindlichen neuen JVA mit 502 Haftplätzen vorbereiten. Über die überraschende massive Bauverzögerung von rund eineinhalb Jahren – von Ende 2027 auf 2029 – hatte unsere Redaktion Mitte Januar berichtet.
Großer Gästereigen
Eine bedeutende Personalie vollzieht sich also an diesem Tag, entsprechend groß ist der Reigen der Gäste. Oberregierungsrat Erik Gebauer begrüßt neben Ministerin Marion Gentges Vertreter des Landtags, Landräte, Vertreter der Kommunen und Gremien, der Landgerichte mit dem Rottweiler Präsidenten Floria Diekmann als Gastgeber, der Staatsanwaltschaften Rottweil und Hechingen, der Amtsgerichte, der Polizeibehörde, des Landesbetriebs Vermögen und Bau, der Anwaltsvereine, der begleitenden Vereine, die Mitarbeiter aus dem Justizvollzug sowie die Leiter anderer JVAs, die früheren Leiter der JVA Rottweil – und mit einem besonders herzlichen Willkommen die neue Leiterin Stefanie Hörter.
Neue JVA-Leiterin bringt alles mit
Dass diese für ihr herausforderndes Amt alle fachlichen und menschlichen Voraussetzungen mitbringt, daran lässt Justizministerin Marion Gentges dann keinen Zweifel. Hörter sei eine der erfahrensten Vollzugsjuristinnen des Landes. Unter anderem habe sie als stellvertretende Leiterin die JVA Heilbronn in schwieriger Zeit auf Kurs gehalten. Ihr Führungspotenzial habe sich schon früh gezeigt, dabei agiere sie stets mit klaren Blick für die wichtigsten Aufgaben des Justizvollzugs – die Resozialisierung einerseits und die sichere Unterbringung andererseits.
Probleme beim Bau im Fokus
Die Aufgabe in Rottweil sei nun vermutlich die anspruchsvollste, die der Justizvollzug des Landes aktuell zu bieten habe. Bis zur Inbetriebnahme der neuen JVA werde „leider mehr Zeit vergehen, als gedacht“, so Gentges. Das Projekt sei „ein großes“, es gebe viele terminliche Abhängigkeiten. Das Finanzministerium und die dazugehörigen Behörden „arbeiten an der Behebung der Problematiken, die zur Verzögerung geführt haben“, versicherte die Ministerin. Die Maßnahmen zur Personalgewinnung würden weiter fortgesetzt, parallel arbeite man an einem Konzept zum Einsatz des Personals in Übergangsphase.
Eine der modernsten JVAs Europas
267 Mitarbeiter – davon 154 neue – werden im neuen Großgefängnis beschäftigt sein, die neue JVA in Rottweil werde „eine der modernsten Europas“ werden, so Marion Gentges. Unter anderem mit einer Abteilung für Suchtkranke und einer für trans- und intergeschlechtliche Personen. Die Digitalisierung biete außerdem die Chance, den Fokus mehr auf die Kernarbeit, den Kontakt mit den Gefangenen, legen zu können.
Mit dem Neubau stehe der Justizvollzug in Rottweil „vor einem großen Umbruch“, so Oberbürgermeister Christian Ruf. Das Verhältnis der Stadt zu den Justizbehörden sei eng, Ruf freut sich, auch die neue JVA-Leiterin bei den Behördenleitertreffen begrüßen zu können.
Doch kein „Tag der offenen Tür“ in der JVA
Bei der Nachricht, dass die neue JVA nun eineinhalb Jahre später fertig sei, habe man in Rottweil „schon schlucken müssen“. Schließlich seien die Inhaftierten auch neue Einwohner. Aber: „Es ist nunmal so.“ Auswirkungen hat die Verzögerung auch für die Pläne zur Landesgartenschau. Bei deren Eröffnung 2028 habe man eigentlich vorgehabt, in der alten JVA einen „Tag der offenen Tür“ anzubieten. „Das ist bei laufendem Betrieb natürlich eher schlecht“, schmunzelt der OB.
Matthias Weckerle, Leitender Regierungsdirektor und Mitglied der Anstaltsleitervertretung, versichert der neuen und ihm und den Kollegen bestens bekannten JVA-Chefin: „Wir stehen alle hinter dir.“ Dass sie nun im Team sei, sei ein großer Gewinn, über den sich alle freuen.
Stefanie Hörter hat eine Überraschung
Stefanie Hörter selbst wartet dann schmunzelnd mit einer Überraschung auf: Sie blickt in die Zukunft und lässt auf dem großen Bildschirm im Saal einen fiktiven Schwarzwälder-Bote-Artikel erscheinen, der eine rundum positive Bilanz zehn Jahre nach der Einweihung der neuen JVA in Rottweil zieht. Der OB berichtet darin von der gelungenen Integration der Anstalt in der Stadt und wirtschaftlicher Zugkraft, die Mitarbeiter von effizienten und sicherheitsfördernden Arbeitsbedingungen und ein Insasse von der guten Unterstützung mit Blick auf die Haftentlassung.
Bilder aus dem Neubau
„Ich hoffe,dass sich dieser Artikel bewahrheitet. Das ist meine Motivation.“, so Hörter. Die Sicherheit und die Resozialisierung seien untrennbar miteinander verbunden. Ziel sei es, dass die Gesellschaft die Inhaftierten nach deren Entlassung wieder als vollwertiges Mitglied aufnehmen kann.
Mit Bildern aus dem Neubau mit Therapie- und Gruppenräumen, Platz für Antigewalttraining oder auch einer modernen Kantine für die Mitarbeiter zeigt sie auf, dass die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit dort bestens sind.
Gabriele Hammen und Delia Varga von der Musikschule Rottweil leiten dann mit „Hit The Road Jack“ zum Stehempfang über. Gesprächsstoff gibt es dort jede Menge. Und ob sich die Zehn-Jahres-Bilanz des fiktiven Artikels als wahr erweist, wird sich im Jahr 2039 zeigen. Sofern es beim Einweihungstermin 2029 bleibt.