Die Kunst seiner Zeit ist schwer zugänglich. Die Porträts von Frans Hals springen einen dagegen förmlich an, weil sie so freundlich und fröhlich sind. Das ist Kunst, die guttut.
Dass Bilder etwas über ihre Zeit aussagen können, ist bekannt. Aber Pinselstriche? Wen schert es, ob einer zu breiten statt dünnen Pinseln greift? Und was soll es mit der Gesellschaft zu tun haben, wenn die Farbe dick auf die Leinwand geklatscht wurde? Frans Hals blies in jedem Fall ein kühles Lüftchen entgegen, weil er manchmal einfach keine Lust hatte, die endlosen Spitzen der Halskrausen en détail abzupinseln. Statt sich an Stofffalten und Haarsträhnen zu verkünsteln, schummelte er die Farbe manchmal so hin, dass man eher nur ahnen als erkennen kann, was da eigentlich genau zu sehen ist.
Heute wird Frans Hals gefeiert wegen seiner kühnen, lebendigen Malweise und stehen die Menschen schon wieder Schlange vor dem Rijksmuseum in Amsterdam. Nachdem man im vergangenen Jahr mit Vermeer schon Publikum aus aller Welt angelockt hatte, wurde nun eine große Ausstellung zu Frans Hals eröffnet. Den Name kennt man meist, schwieriger wird es, ein Hauptwerk zu benennen. Was hat es noch mal auf sich mit dem Holländer? Und wann hat er gelebt?
Erwachsene von Stand dürfen auf Bildern nicht lachen
Schiebt man sich mit den Massen durchs Rijksmuseum, kann man schon ins Schlingern kommen, wann all diese Porträts entstanden sind. Die Halskrausen, die oft so groß wie Wagenräder sind, verweisen aufs 16. und 17. Jahrhundert. Aber es geht so fröhlich und freundlich zu auf diesen Bildern, dass es fast nicht sein kann, dass dieser Frans Hals schon um 1580 geboren wurde. Aber es stimmt, denn er war seiner Zeit einfach voraus und traute sich sehr viel.
Dass unsereiner oft schwer Zugang findet zu Bildern dieser Zeit, liegt auch daran, dass Erwachsene von Stand nicht lächeln durften auf Gemälden und deshalb bierernst und abweisend wirken. Bei seinen Auftragsarbeiten für die Reichen und Mächtigen hielt sich Frans Hals zwar an die guten Sitten, ansonsten widmete er sich aber Menschen niederen Standes und vor allem Kindern. Es gibt kaum Schöneres als seine Porträts zweier Jungen, die so unbeschwert herauslachen, dass die Lebensfreude aus allen Poren strömt.
Selten wirken 400 Jahre alte Bilder so frisch und lebendig
Der „Lautenspieler“ ist eines der bekanntesten Gemälde von Frans Hals. Auch hier lacht der junge Musiker so schelmisch zur Seite, dass man meint, mitten im Leben zu stehen. Oder die kleine Catharina Hooft: Sie wurde von den Eltern kostbar ausstaffiert wie ein Püppchen, das wache Gesicht mit den roten Bäckchen verrät aber, dass es ein fröhliches kleines Mädchen war. Man erlebt nicht alle Tage, dass 400 Jahre alte Bilder so frisch und präsent wirken.
In der Ausstellung hängt viel, das einfach erfreut beim schieren Hinschauen. Auch bei den klassischen Porträts nimmt sich Frans Hals im Lauf der Jahre immer mehr Freiheiten heraus und fängt die Menschen oft wie auf einem Schnappschuss ein – lebendig, freundlich und zugewandt. Würdevolle Männer setzt er seitlich auf den Stuhl und lässt sie lässig über die Rückenlehne schauen. Er zeigt Menschen, wie sie sind, nicht, wie sie wirken wollen. Auch Isaac und Beatrix wirken so sympathisch, wie man es zuvor nicht in der Kunst gesehen hat. Sie waren Freunde von Frans Hals, nur deshalb haben sie ihm zugestanden, sie bei der entspannten Pause während eines Spaziergangs zu malen.
Der Ärmel löst sich auf, das Muster tanzt
Auch wenn es finanziell nie gut stand um Frans Hals, hatte er schließlich doch Erfolg, obwohl er seine Zeitgenossen herausforderte mit seinen freien Pinselstrichen. Sie stolperten auf seinen Bildern zum Beispiel über Arme, die überhaupt keine Kontur haben, weil die Ärmel sich aufzulösen scheinen und das Muster über die Fläche tanzt.
Bei diesen versierten Schmierereien geht es keineswegs nur um Technik, sondern letztlich um gesellschaftliche Vorstellungen. Das Publikum damals erwartete die perfekte Illusion und präzise Striche – und keine lockere Malerei. Das kann man durchaus auf eine geistige Haltung übertragen: starr statt lebendig und comme il faut anstelle einer freiheitlichen Gesinnung. Diese losen Striche zwingen die Betrachter dazu, sich bewusst zu machen, dass hier nur ein Bild erzeugt wird und eben nicht Realität abgebildet ist. Statt sich verführen zu lassen, wird man mit einer Art Meta-Ebene konfrontiert.
Liebevoller Blick auf die Menschen
Vom Menschen Frans Hals weiß man wenig, aber die Bilder lassen vermuten, dass er ein freundlicher Zeitgenosse war. Dass der Funke bei seiner Kunst noch heute sofort überspringt, liegt an seinem liebevollen Blick. Als er die vermutlich geistig behinderte „Malle Babbe“ um 1630 malte, tat er das ohne jede Überheblichkeit. Sie war in der gleichen Einrichtung untergebracht wie sein behinderter Sohn.
Männer und Menschen seiner Zeit
Gruppenbildnisse
Im 17. Jahrhundert waren Porträts für Künstler die wichtigste Einnahmequelle, und Frans Hals malte wie seine Kollegen viele wohlhabende Bürger. Aber auch Männergruppen hielten ihn über Wasser – weil sich Schützengilden oder Militärkompanien gern zusammen malen ließen. Bei Frans Hals kann man aber oft ahnen, dass es bei den eitlen Herren eher feuchtfröhlich als würdig zuging.
Ausstellung
Bis 9. Juni täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. adr