Ein Bachlauf in Martinsmoos soll so hergerichtet werden, dass ursprünglich ansässige Tier- und Pflanzenarten wieder zurückkommen. Die Maßnahme wird auf städtischem Gelände umgesetzt – und kostet die Kommune nichts.
Im Nordosten Martinsmoos’ fließt ein kleiner Bach vor sich hin. Der wurde in früheren Zeiten einmal begradigt und mit Betonsohlen ausgekleidet. Das sei in der Vergangenheit mit „fast allen“ Fließgewässern passiert, erklärte Philipp Beck (UWV) im Gemeinderat. Der sitzt nicht nur im Gremium, sondern arbeitet auch noch für den Landschaftserhaltungsverband (LEV) des Kreises. Und in dieser Doppelfunktion brachte er dem Gemeinderat ein neues Projekt näher.
Die Begradigung habe mehrere Nachteile, so Beck. Denn die fehlenden Wendungen führten zu einer „wahnsinnig hohen Fließgeschwindigkeit“. Auch Flachwasserzonen fehlten. Allgemein sei kein natürliches Bachbett mehr vorhanden. Deshalb sei der Bach für Amphibien kein geeigneter Lebensraum mehr. Der Bach und sein Umfeld seien „relativ karg“.
Beck und der LEV möchten das ändern. Denn der hat sich, nach Vorgaben des Landes Baden-Württemberg, dieses Jahr den Amphibienschutz auf die Fahne geschrieben. Die Sommer der beiden vergangenen Jahre seien sehr heiß gewesen und hätten die Lebensräume weiter eingeschränkt, so Beck. Für solche Projekte hat der LEV 200 000 Euro im Jahr zu Verfügung. Und eines dieser Projekte soll eben in Martinsmoos umgesetzt werden.
Dazu gehören mehrere Teile. „Die Betonsohlen müssen raus“, so Beck. Der bisher 350 Meter lange Bachlauf solle wieder in Schlingen mäandern. Die Menschen würden hier ein bisschen nachhelfen, um dem Wasser einen „natürlichen Verlauf“ zu geben. Dazu sollten Flutmulden geschaffen und Störsteine eingesetzt werden. Außerdem möchte der LEV die Uferbereiche abflachen. Es werde aber kein kompletter Bachlauf künstlich angelegt. „Der Bach soll sich selber gestalten“, erklärte Beck.
Tümpel mit flachem Ufer
Aber das ist nicht alles. An einer Stelle neben dem Bach auf der Wiese sammele sich bei starkem Niederschlag schon jetzt immer wieder Wasser, erzählte Beck. Das wolle man nutzten und dort einen Tümpel anlegen. Auch dessen Ufer sollen flach auslaufen. Einen anderen kleinen den Teich, den Beck als „Ochsenbrunnen“ bezeichnete, gibt es dort schon. Der solle wieder hergerichtet werden – und damit zusätzlichen Lebensraum und Laichplätze für die Amphibien schaffen.
Auch Pflanzen sollen etwas davon haben
Beck hofft vor allem darauf, dass sich dort der Bergmolch, der Laubfrosch oder der Feuersalamander wohlfühlen. Die Maßnahme ist aber nicht nur für Tiere gedacht. Auch die Pflanzen sollen etwas davon haben. Orchideen oder die Trollblume würden sich in einem solchen Gebiet wohlfühlen, so Beck. Früher hätte es diese vielerorts gegeben. Durch die Begradigung der Gewässer seien auch diese Pflanzen mehr und mehr verschwunden. Und auch der Mensch hat etwas von der Maßnahme. Denn durch die Umgestaltung gibt es Überflutungsbereiche bei Starkregenereignissen. Dadurch fließt nicht so viel Wasser auf einmal in Richtung Tal. Die Flusspegel steigen langsamer. Deren Anlieger dürfte das freuen.
Mitte Oktober geht es los
Freuen dürfte sich auch die Stadt Neubulach. Denn die kostet diese Maßnahme nichts. Alles werde aus Mitteln des LEV und des Landes finanziert, so Beck. Das Projekt werde zudem auf einer städtischen Fläche umgesetzt. Beck machte keinen Hehl daraus, wie sehr er sich über das Projekt freue. Die Idee einer Renaturierung des dortigen Baches habe er schon lange. Los gehen soll es Mitte Oktober. Mitte November sei die Maßnahme umgesetzt.
Lob für „tolles Projekt“
„Tolle Zuschüsse für ein tolles Projekt“, resümierte Bürgermeisterin Petra Schupp. Der landwirtschaftliche Pächter der Fläche sei informiert und mit im Boot. Auch Andreas Kubesch (UGL) lobte das Projekt. Er fragte, ob eine Vernetzung mit anderen Biotopen geplant sei. Das werde aktuell für Neubulach geplant. Man müsse aber erst einmal schauen, ob die Maßnahme in Martinsmoos funktioniere. Vielleicht könne man ähnliche Projekte weiter oben am Bachlauf umsetzten. Allerdings handele es sich dort um Privatgelände.
Helmut Carstens (UGL) befürwortete das Projekt ebenfalls. Er fragte, ob es dort umgesetzt werde, weil es sich um städtisches Grundstück handele und das alles einfacher mache. Beck bejahte das. Die Maßnahme ende dort, wo der Bach in den Wald fließe. Aber er hoffte, dass künftig auch Privateigentümer mitmachen. „Ich hoffe, es wird so gut, dass Privateigentümer sagen: ‚Das will ich auch‘“.