Trockengelegt ist derzeit der Hechinger Eisweiher. Im kommenden Jahr soll hier ein Amphibienbiotop entstehen. Foto: Roth

Mensch und Natur in Einklang bringen soll der Eisweiher in Hechingen. Die Verwaltung hat die Pläne für das frühere Stillgewässer vorgelegt. Auch Fische sollen wieder dort leben.

Vielen Hechingern ist der Eisweiher am Martinsberg ans Herz gewachsen. Seien es Erinnerungen ans Schlittschuhfahren in der Kindheit, als Ort zur Naherholung oder jüngst als Gewässer für den Angelsport. Seit Herbst ist von dem ehemals flachen Stillgewässer nicht mehr viel übrig. Das Wasser wurde aus dem Eisweiher abgelassen, darin lebende Fische wurden umgesiedelt.

 

Hintergrund der Maßnahme: In den zunehmend niederschlagsarmen Sommermonaten fällt der Sulzbach, der den Eisweiher speist, trocken. In der Folge leidet der Weiher selbst unter Wassermangel, die jahrzehntelange Schlammablagerung verstärkt die Problematik, so dass der Wasserstand niedrig ist.

Dadurch sinkt wiederum der Sauerstoffgehalt im Wasser, was wiederholt zu massivem Fischsterben geführt hat. In der Not musste die Feuerwehr regelmäßig Wasser zuführen. Das soll künftig nicht mehr so sein.

Trockengelegt bleiben soll der Eisweiher aber nicht. In der jüngsten Sitzung des Arbeitskreises Natur, Umwelt und Klima hat Stadtförster und Klimaschutzmanager Jürgen Baumer die Pläne für das Naherholungsgebiet vorgestellt, welche von einem Planungsbüro aus Darmstadt ausgearbeitet wurden. Entstehen soll nach der Laichzeit im Frühjahr 2026 ein Amphibienbiotop, welches in mehrere Bereiche unterteilt werden soll.

Auflage von Behörden

Vorgesehen sind eine Flachwasserzone mit einer Wassertiefe von 20 bis 50 Zentimetern Wassertiefe. Abgegrenzt zu dieser sehen die Pläne einen Amphibientümpel mit Verwallung vor. Im – aus Richtung der Sportanlagen kommend – vorderen Bereich wird eine Tiefwasserzone mit 0,5 bis zwei Meter anvisiert. In dieser sollen wohlgemerkt auch wieder Fische leben, wie Jürgen Baumer erläutert.

Blick auf die Planungsskizze für den künftigen Eisweiher. Foto: Hürster

Diese Nachricht stieß auf Nachfragen der Stadträte. Der Tenor: Warum nun doch wieder Fische, wenn gerade diese für Mehraufwand gesorgt haben. „Das ist von den Behörden vorgegeben“, betonte Baumer. Zudem bringe der Sulzbach naturgemäß wieder Fische in den Weiher. Denn: Ein Überlaufbauwerk stelle auch künftig sicher, dass der Eisweiher kontinuierlich mit Wasser aus dem Bach versorgt werde.

Brutinsel für Vögel

Er versicherte, nochmals beim Regierungspräsidium nachzufragen, ob man nicht von dieser Auflage ablassen könne, stufte seine Erfolgschancen aber als gering ein. Immerhin: Die vorgesehenen Fische seien auf das Leben in sauerstoffarmen Gewässern spezialisiert.

In der Tiefwasserzone selbst wird zudem eine Brutinsel für Wasservögel angelegt. Angedacht ist, diese mit dem überschüssigen Schlamm aus dem Weiher aufzuschütten und so zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Denn: Eine Entsorgung des Schlammmaterials würde die Stadt wohl teuer zu stehen kommen. Neu installiert wird zudem ein Auslaufbauwerk, Mönch genannt, um einen geregelten Wasserabfluss zu gewährleisten.

Sitzbänke und Steg

Sulzbach sowie Eisweiher bilden so weiterhin einen wichtigen Lebensraum für wirbellose Tiere, Amphibien, Insekten und Vögel. Das Gebiet ist laut Baumer in die noch zu beschließende kommunale Biotopverbundplanung aufgenommen worden.

Auch für menschliche Besucher wird die Aufenthaltsqualität gesteigert: Sitzbänke und der wiederhergestellte Steg laden an lauen Sommerabenden zum Verweilen ein. Günstig wird die Sanierung indes nicht. Bürgermeister Philipp Hahn: „Ich mache mir da keine Illusionen und gehe von mehreren hunderttausend Euro aus.“ Baumer betonte, dass die Aufwertung des Stillgewässers förderfähig ist und die Stadt sämtliche Fördermöglichkeiten ausschöpfen werde. Eine konkrete Summe wurde nicht genannt; diese soll bei der Entscheidung im Gemeinderat – vermutlich nach den Sommerferien – bekanntgegeben werden.

Stadtrat muss zustimmen

Die Zustimmung des Stadtrats ist die Voraussetzung für die Neugestaltung des Eisweihers. Dennoch soll zeitnah schon eine Informationstafel mit den Plänen am Eisweiher aufgestellt werden. Damit sich Passanten über dessen derzeit wenig ansehnlichen Anblick nicht mehr wundern.

Historie des Eisweihers

Nutzen
Der Eisweiher in Hechingen wurde laut Sitzungsunterlage für den Arbeitskreis Natur, Umwelt und Klima wohl in den 1960er-Jahren künstlich aufgestaut. Eisweiher sind flache Stillgewässer, die in der kalten Jahreszeit und