Erste Beigeordnete Dorothee Müllges (links) begrüßte die zahlreichen Gäste der Ausstellungseröffnung. Foto: Hardy Kromer

„Augen auf für Kinderrechte!“ ist die Ausstellung überschrieben, die jetzt in der Hechinger Rathausgalerie eröffnet wurde.

Dichtes Gedränge herrschte im Foyer und im Treppenhaus des Hechinger Rathauses. Annähernd 100 Besucherinnen und Besucher der Ausstellungseröffnung der Ortsgruppe von Amnesty International lieferten den Beweis dafür, dass in Hechingen die Sensibilität für Kinderrechte hoch ist.

 

Darauf verwies Dorothee Müllges in ihrer Begrüßung. Die Erste Beigeordnete erinnerte daran, dass die Stadt Hechingen die Qualitätsoffensive in ihren Kindergärten vorantreibe, den Schaukelweg inklusiv ausbaue sowie Jugend-Hearings und andere Beteiligungsprozesse für Kinder und Jugendliche durchführe.

Doch bei weitem nicht überall auf der Welt seien das Recht auf Bildung, Spiel und Freizeit, freie Meinungsäußerung und Teilhabe sowie der Schutz vor Gewalt selbstverständlich. In vielen Kriegsgebieten, so Müllges, kämpften Kinder um das nackte Überleben, litten unter Hunger und Kälte und hätten panische Angst vor der nächsten Bombennacht.

Schülerinnen der Klassen 8a und 8b des Gymnasiums Haigerloch erläuterten einige der Plakate, die sie für die Ausstellung gestaltet haben. Foto: Hardy Kromer

„Wie schaffen wir es“, fragte Müllges, „als globalisierte Gesellschaft unseren Kindern ihr Recht auf Überleben, Spielen und Lernen, Schutz vor Gewalt und Ausbeutung, eine saubere Umwelt sowie Chancengerechtigkeit zu ermöglichen?“ Mit diesen Themen haben sich rund 50 Schülerinnen und Schüler des Haigerlocher Gymnasiums im Kunstunterricht unter der Anleitung von Judith Lenz befasst.

Die von den 13-Jährigen gestalteten Plakate stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung in der Rathausgalerie. Ergänzt wird die Schau von Werken aus der Unicef-Ausstellung „Augen auf für Kinderrechte!“

Vorgestellt wurden einige Schülerarbeiten von der Lehrerin Kerstin Gotthardt und fünf Mitgliedern der Schülergruppe, die heute die Haigerlocher Klassen 8a und 8b besuchen: Linn Kumpa, Mira Fechter, Carla Müller, Julius Kurz und Alissa Maier. Gotthardt betonte, Kinderrechte seien nicht automatisch in den Menschenrechten verankert.

Erste Beigeordnete Dorothee Müllges präsentiert das Kinderrechtsplakat für den Zollernalbkreis. Foto: Hardy Kromer

Weil Kinder besonders schutzbedürftig sind, wurde 1989 eine spezifische UN-Kinderrechtskonvention völkerrechtlich bindend ausformuliert. Diese umfasst 54 Artikel, die weltweit gültige Maßstäbe für eine kindgerechte Gesellschaft beschreiben. Pfeiler dieser Kinderrechte sind Schutz, Förderung und Beteiligung.

Dennoch, beklagte Gotthardt, sei die Kinderrechtssituation weltweit schlecht. Kinder seien in Krieg, Armut und in Dürregebieten zuallererst die Leidtragenden.

Auch die Klimakrise sei eine Krise der Kinderrechte. Das Kinderhilfswerk Unicef verweise darauf, dass 99 Prozent aller Kinder mindestens einer Auswirkung des Klimawandels ausgesetzt sind. Aber auch in wohlhabenden, alternden Gesellschaften, in denen Debatten über Rente und Pflege großen Raum einnehmen, würden Kinder „schleichend ihre Lobby verlieren“.

Schülerinnen blicken auf ihre eigene Lebenswelt

Die Schülerinnen, die ihre Arbeiten vorstellten, nahmen nicht allein globale Themen in den Blick, etwa das Recht aller Kinder auf Gesundheit und eine saubere Umwelt oder auf Schutz im Krieg und auf der Flucht. Sie setzten auch in ihrer eigenen Lebenswelt an: Freizeit haben, Hobbys nachgehen können, Freunde treffen.

„Nicht überall auf der Welt ist das selbstverständlich“, stellte Mira Fechter fest. „In vielen Ländern müssen Kinder arbeiten und haben kaum oder gar keine Freizeit.“

Das Recht auf freie Meinungsäußerung und Beteiligung ist eines der Rechte, das die Gymnasiasten als Plakat gestaltet haben. Foto: Hardy Kromer

Oder das Recht auf Privatsphäre, auf das Carla Müller abhob: „Kinder und Jugendliche sollen wissen, dass sie ein Recht auf einen eigenen Rückzugsort haben, dass ihre persönlichen Dinge, Gedanken und Geheimnisse respektiert werden müssen.“

Kerstin Gotthardt appellierte an alle Erwachsenen: „Schärfen wir unsere Sinne! Unsere Kinder und Jugendlichen brauchen gerade jetzt Verstärkung und Investitionen in die Verwirklichung der Kinderrechte.“