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American Football "Die Ungewissheit schmerzt am meisten"

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Die Vorfreude war riesig – doch ob die Black Forest Foxes in diesem Jahr tatsächlich erstmals in der Bezirksliga spielen können, ist derzeit ungewiss. Foto: Archiv-Bild: Burkhardt

Sie haben alles auf den Prüfstand gestellt – und anschließend geackert, um in ihrer ersten Saison in der Bezirksliga Baden-Württemberg gleich auftrumpfen zu können. Doch nun müssen sich die Footballer des SV Dietersweiler, die Black Forest Foxes, in Geduld üben. Je nach Entwicklung der Corona-Pandemie, könnte die Saison sogar komplett ins Wasser fallen. Ein Szenario, das sich keiner wünscht, mit dem sich Headcoach Patrick Schmieder und das gesamte Team aber trotzdem befassen muss.

Herr Schmieder, Ihre Premieren-Saison in der Bezirksliga wäre mittlerweile schon in vollem Gange. Schmerzt es, nun auf unbestimmte Zeit warten zu müssen und im Standby-Modus zu verharren?

Der Ausdruck "schmerzt" trifft es sehr gut. Unser oberstes Ziel ist es, die Gesundheit aller – des Teams, der Betreuer, unserer Helfer und natürlich auch der Fans – nicht zu gefährden. Daher sehen auch wir uns nur in Web-Meetings. Mal abgesehen von der nicht gespielten Saison bisher, schmerzt die Ungewissheit am meisten. Nicht zu wissen, wann oder ob wir überhaupt spielen dürfen und dann auch können, beängstigt und macht müde. Der Verband kommt seiner Informationspflicht, soweit er das kann, sehr gut nach. Wenn wir über den Tellerrand Baden-Württembergs hinausschauen, haben die bayrischen Footballer von ihrem Landesverband eine klare Absage der Saison 2020 erhalten. Klar, das ist ein krasses Zeichen – aber du weißt, woran du bist.

American Football lebt wie kaum ein anderer Sport von Automatismen. Schon jetzt ist viel Zeit verstrichen, in der Sie nicht trainieren konnten. Sollte es Lockerungen geben, wie schnell wären Sie überhaupt wieder spielbereit?

Mit fortschreitendem Kalenderjahr wird eine normale Saison fast unmöglich. Angenommen, wir dürften ab dem 22. Juni wieder trainieren: Wir bräuchten mindestens zwei Monate, um Abläufe und körperliche Fitness auf ein annehmbares Level zu bekommen, um nicht zuletzt auch die Spieler vor Verletzungen zu schützen.

Schauen wir ein wenig zurück. Wie zufrieden waren Sie denn mit der Vorbereitung?

Wir hatten eine sehr gute Vorbereitung, die im Oktober 2019 begann und Mitte März dann ein jähes, uns allen bekanntes Ende genommen hat. Der gesamte Trainerstab hat die abgelaufenen Saison gemeinsam aufgearbeitet. Analysen, Pro/Contra, Kaderplanung, alles stand auf dem Prüfstand. Das Ergebnis endete in einem neuen Playbook, das maßgeschneidert auf die physische Konstellation unseres Kaders zugeschnitten ist. Ebenfalls konnten wir circa 15 neue Spieler begrüßen, was eine hervorragende Wettbewerbssituation geschaffen hat. Ein Highlight war mit Sicherheit das gemeinsame Trainingswochenende mit den Freiburg Sacristians. Fast 200 Footballer auf dem Platz zu erleben, ist schon beeindruckend. Mein persönliches Highlight ist aber definitiv zu sehen, wie alles zusammenwächst. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, wo wir herkommen. Da ist in drei Jahren extrem viel geschehen. Das zu begleiten – nicht nur die Entwicklung der Spieler, sondern des gesamten Vereins –, ist beeindruckend.

Wie lange ist Ihr letztes Training denn mittlerweile her? Fahren Sie manchmal wehmütig am Platz vorbei, wenn eigentlich Training anstünde?

Unser letztes Training war am 9. März, das ist schon so lange her. Naja, ich bin jetzt nicht verzweifelt und fahre an den Platz um zu weinen. In unregelmäßigen Abständen bin ich aber an unserer Hütte. Da lagern wir ein paar Sachen, da muss man schon ab und an nach dem Rechten sehen.

Sie haben bereits gesagt, dass Sie mindestens zwei Monate bräuchten, um wieder spielbereit zu sein. Wie halten sich Ihre Jungs derzeit fit?

Die Situation ist bescheiden. Football ist ein Kontaktsport. Ohne Kontakt ist das wie wenn dem Schwimmer das Wasser fehlt… Klar, das Team hält sich weitestgehend fit. Da gibt es unterschiedliche Herangehensweisen. Leider hat nicht jeder ein eigenes Fitnessstudio im Keller, aber Übungen wie Liegestütze oder joggen gehen, das macht jeder.

Denken Sie, dass Sie und Ihr Team in diesem Kalenderjahr überhaupt noch spielen werden?

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass wir noch eine Punkterunde spielen werden. Inwieweit es gestattet wird, Freundschaftsspiele oder Scrimmages mit oder ohne Fans durchzuführen, bleibt fraglich. Wir werden aber alles versuchen, um im Jahr 2020 auf der Birre zu spielen.

Welche Konsequenzen hätte es für das Team, aber auch für den Verein und für Sie persönlich, wenn es 2020 keine Spiele gäbe?

Das wäre definitiv sehr schade. Das würde einen Kaltstart mit anschließendem von Null auf 100 in 2021 bedeuten – für das gesamte Team! Wirtschaftlich sind wir auch dank der hervorragenden Ausschussarbeit gut aufgestellt. Welche Konsequenzen es für das Team hat, können wir derzeit noch nicht abschätzen. Für mich persönlich ändert sich an meinem Entschluss nichts: Nach der Saison 2020 ist Schluss als Headcoach.

Das kommt nach den Erfolgen der vergangenen Jahre überraschend. Woher rührt Ihr Entschluss aufzuhören? Werden Sie dem Team in anderer Form erhalten bleiben?

Den Entschluss habe ich bereits im Oktober 2019 gefasst und den Trainern sowie dem Ausschuss mitgeteilt. Intern wissen das also alle Beteiligten schon lange. Ich bin beruflich viel unterwegs, teilweise mit längeren Auslandsaufenthalten, so werde ich meinem eigenen Anspruch ab und an nicht gerecht, Headcoach zu sein. Ich werde mich künftig mehr im Ausschuss einbringen. Da gibt es genügend Aufgaben, die es zu erledigen gilt, aber aktuell sind wir da zu wenige.

Themenwechsel: Wie viele andere Vereine haben auch Sie sich gesellschaftlich engagiert und mit dem "Essen für Helden" eine tolle Charity-Aktion gestartet. Wie kam es dazu?

Ins Leben gerufen hat das Mario Compos Neves und Michael Häring. André Kuch hat das maßgeblich für die Foxes vorangetrieben. Ihm gilt der Dank und auch die Anerkennung. Die Aktion kam sehr gut an. Wir konnten recht schnell einen vierstelligen Betrag zur Verfügung stellen, die Spendenresonanz war großartig. Wir hoffen, das Essen hat den Helden geschmeckt.

Gibt es denn sonst irgendetwas Positives, das Sie aus der Krise ziehen können?

Um ehrlich zu sein: nein. Es gibt Dinge, die braucht man einfach nicht. Die Krise zeigt, wie schmerzlich wir Dinge und Situationen vermissen, die wir immer als selbstverständlich angenommen haben. Das sollten wir uns für danach bewahren.

Wenn Sie drei Wünsche frei hätten, welche wären das in dieser Zeit?

Ein Impfstoff gegen Corona – damit ist alles erledigt. Die restlichen Wünsche spende ich jedem, der sie benötigt. Ich freue mich auf das was kommt – und natürlich darauf, wenn’s auf der Birre wieder rundgeht und Mathias Sauer "Touchdown Touchdown" schreit.  

Die Fragen stellte Sandra Hennig.

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