Ein Mädchen, das belästigt wird und weinend Hilfe bei Passanten sucht, und ein Täter, der kurz danach wieder an Ort und Stelle ist: Ein Vorfall in Schwenningen wirft Fragen auf.
Ein Vorfall am Vorderen See in Schwenningen sorgt in den sozialen Netzwerken für heftige Diskussionen: Im Mittelpunkt steht ein Schulmädchen, das von einem jungen Mann bedrängt wurde. Die Polizei bestätigt den Vorfall.
Ereignet hat sich dieser übereinstimmenden Informationen zufolge am vergangenen Donnerstag. Der Mann habe das Mädchen „in bedrängender Weise“ verfolgt. „Das Mädchen wurde zunehmend panisch und suchte schließlich Schutz bei einer Spaziergängerin – zum Glück hat diese sofort reagiert und dem Kind geholfen.“
Während das Kind weinte, sei der Mann zunehmend aggressiv geworden – gleich mehrere Passanten seien deshalb auf die Situation aufmerksam geworden. Man rief schließlich die Polizei zur Hilfe, um die Lage zu klären. Er sei, so heißt es in dem Beitrag, abgeführt worden – tauchte aber offenbar nur eine Viertelstunde später wieder auf.
„Wieder lautstark, wieder aggressiv“, erklärt der Autor des Beitrags. Er fragt sich, warum die „offensichtlich gefährliche Person so schnell wieder frei herumlaufen“ dürfe. Gerade am Vorderen See seien viele Schüler unterwegs.
Mehrere Vorfälle auch rund um die Schulen
Der Mann, so wird schnell deutlich, scheint bereits mehrfach auffällig geworden zu sein. Unter dem Beitrag melden sich weitere Bürger, die von Vorfällen rund um das Schulgelände am Deutenberg berichten. Es sei bereits zu Streitigkeiten gekommen, mehrfach sei sein Verhalten „angsteinflößend“ gewesen.
Polizeisprecher Daniel Brill bestätigt, dass der Mann polizeilich bekannt sei, allerdings bislang nicht wegen Gewalttaten. „Bei dem Mann ist von einem medizinischen Problem auszugehen“, erklärt Brill in Hinblick auf sein Verhalten. Im Falle der Belästigung des Mädchens habe die Polizei ein Platzverbot ausgesprochen und mit Gewahrsam bei Missachtung gedroht.
Polizei wusste nichts von Rückkehr
Warum kam es nicht dazu, obwohl er kurz darauf abermals am Vorderen See auftauchte? Brill hat eine Erklärung: „Natürlich wäre ihm das Zurückkehren, wie eben beschrieben, verboten gewesen. Uns ist jedoch nicht bekannt geworden, dass dies erfolgte. Es hat sich niemand bei der Polizei gemeldet und diesen Umstand mitgeteilt.“
Trotz des angsteinflößenden Verhaltens und der Auffälligkeiten in mehreren Zusammenhängen sieht die Polizei keinesfalls eine Gefahr, die von dem Mann ausgeht – zumindest nach „unserem Ermessen und den bisherigen Einsätzen“. Deshalb sehen die Beamten auch keine konkrete Gefährdung des Mädchens beim bisherigen Vorfall.
Beamte halten Schulweg weiter für sicher
Der Polizeisprecher betont zudem: Man müsse sich um die Kinder im öffentlichen Raum keine Sorgen machen. Weder die Beobachtungen der Beamten noch Zahlen irgendwelcher Art ließen Rückschlüsse darauf zu, dass es – auch rund um den Schulweg am Vorderen See – Probleme gebe. „Die Polizei ist stets bemüht, die gefühlte und die tatsächliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten. Nach messbaren Zahlen gelingt uns das“, so Brill.
Sollte es jedoch tatsächlich zu derartigen Vorfällen kommen, steht der Notruf der Polizei unter 110 jederzeit zur Verfügung. „Weiterhin sollte jeder Erwachsene, der sich dazu in der Lage fühlt, einem Kind in einer Notsituation zur Seite stehen“, erklärt der Polizeisprecher. Im Ernstfall helfe es, umstehende Passanten auf die Situation aufmerksam zu machen, um so Sicherheit zu gewinnen. Brill: „Die Bereitschaft zum Zeigen von Zivilcourage ist in der Bevölkerung nach wie vor hoch, sodass man hier auf Hilfe hoffen kann.“