Wahnsinn: So filmte sich einer der Kletterer auf dem Mega-Kran ungesichert – hoch über dem im Bau befindlichen Testturm in Rottweil. Das Video wurde dann auf YouTube veröffentlicht. Foto: Otto/Screenshot Youtube

Eine waghalsige Aktion am Kran der Hochbrücke in Horb weckt Erinnerungen in Rottweil: Beim Bau des Testturms enterten YouTuber ohne Sicherung den 256-Meter hohen Mega-Kran.

Immer wieder scheinen es die erhofften Klicks und Views auf Social Media zu sein, die zu riskanten –oder besser lebensgefährlichen – Aktionen verleiten. Aktuell verbreitet sich eine höchst riskante Kletteraktion auf der Baustelle der Hochbrücke Horb über Instagram.

 

Und in Rottweil hat man da unweigerlich ein „Déjà-vu“, das einem schon beim dran Denken die Haare zu Berge stehen lässt.

Es war 2015, der Testturm in Rottweil war gerade im Bau, als ein unglaubliches Video auf YouTube für Schlagzeilen sorgte: Komplett ungesichert, in Turnschuhen, die Gesichter mit Tüchern vermummt, zeigen die Kameraaufnahmen, wie zwei Unbekannten Schritt für Schritt den 256 Meter hohen Baukran hochklettern. Ganz oben klettern sie den Ausleger entlang.

Einer der beiden hält die Kamera an einem Stick von sich weg, der andere steht freihändig daneben – Posing für den Internetruhm. Unter ihnen ist der Aufzugstestturm zu sehen, der Boden verschwimmt in atemberaubender Tiefe. Nichts für schwache Nerven.

Strafverfahren läuft

Während die Internet-Gemeinde über die lebensgefährliche Kletterei der beiden Unbekannten staunte wurde bereits wegen Hausfriedensbruchs ermittelt - denn: Solch eine Aktion läuft keineswegs unter Internet-Spaß. Das gilt auch für den aktuellen Fall in Horb.

Kletteraktion mit Deutschlandflagge

Das auf Instagram kursierende Video von der Horber Hochbrücke zeigt zwei von einer Drohne gefilmte Männer. Sie stehen auf dem Aufleger des roten, 107 Meter hohen Krans der Baustelle und halten eine Deutschland-Flagge hoch.

Grave Yard Kidz waren weiter aktiv

Während hier eine politische Botschaft mitschwingt war das im Rottweiler Fall vor mehr als zehn Jahren anders. Die Macher nannten sich „Grave Yard Kidz“, stammten mutmaßlich aus Villingen-Schwenningen und „lieben es, auf ziemlich hohe Dinge zu klettern“, wie sie im Internet auf Englisch erklärt hatten.

Obwohl nach der Aktion in Rottweil einiger Ärger drohte, waren sie noch einige Male aktiv, unter anderem auf dem 161 Meter hohen Ulmer Münster (161 Meter). Den YouTube-Kanal gibt es noch immer, das Video vom Testturm ist aber nicht mehr aufrufbar.

Und auf Instagram, wo die „Grave Yard Kidz“ ebenfalls aktiv waren, sind die Bilder vom Kran des Testturms im Herbst 2015 das letzte Posting. Auf Fragen von Followern, was aus Ihnen geworden ist, gibt es keine Antwort. Im besten Fall sind sie etwas vernünftiger geworden.

Das kann man von den Akteuren in Horb noch nicht behaupten. Und dort ebenso wie einst in Rottweil warnt die Polizei eindringlich vor solchen Aktionen. Abgesehen von den strafrechtlichen Konsequenzen setze man schlicht sein Leben aufs Spiel.