Dirk Ostermann vom FC Ottenheim ist am kommenden Samstag zu Gast im Aktuellen Sportstudio. Bei einem legendären Ritual der ZDF-Sendung darf er sein fußballerisches Können beweisen.
Otto Waalkes traf per Hacke, „Kaiser“ Franz Beckenbauer lochte von einem Weißbierglas aus ein, Mario Basler hat sie kapputtgeschossen – die Rede ist von der berühmten Torwand im ZDF-Sportstudio. Für unzählige Profis und Prominente hieß es dort seit 1964: drei unten, drei oben! In der Sendung am nächsten Samstag wird nun zum ersten Mal ein Fußballer aus der südlichen Ortenau auf die Torwand schießen: Dirk Ostermann, 35 Jahre alt, Keeper beim Kreisliga-A-Ligisten FC Ottenheim. Ottenheim ist mit rund 2800 Einwohnern der größte Ortsteil der Gesamtgemeinde Schwanau.
Zu verdanken hat Ostermann die Einladung des ZDF seinem Last-Minute-Tor im Ligaspiel beim FV Auenheim am 6. Oktober und der Hilfe seines Vereinskollegen Sven Wahle. Der hatte ein Video des Treffers bei hartplatzhelden.de hochgeladen, der Kreisliga-Sportschau im Internet. Die Hartplatzhelden kooperieren mit dem Sportstudio und schicken alle zwei Wochen einen Kicker in die Sendung. Diesmal ist es Ostermann, dem damit etwas vergönnt sein wird, wovon die allermeisten Amateurfußballer nur träumen dürfen: Im Rampenlicht des Sportstudios stehen und an der Torwand gegen einen prominenten Studiogast antreten.
Ostermann hatte das Glück, dass sein Treffer in Auenheim von Teamkollegen und Zuschauern mit dem Handy gefilmt wurde.
Eine Verzweiflungstat bringt den Erfolg
Die Partie ist bereits in der Nachspielzeit, Ottenheim liegt 0:1 hinten. Daraufhin eilt er mit nach vorne, in den Strafraum des Gegners. Solche Verzweiflungstaten bringen meist nichts und auch diesmal scheint es nicht zu klappen: Eckball für Ottenheim, doch der Ball wird am kurzen Pfosten von einem Auenheimer ins Toraus befördert, während Ostermann am langen Pfosten vergeblich wartet.
Als Eckenschütze Nico Krause sich den Ball zum nächsten Versuch holt, ruft Ostermann ihm zu, er soll die Ecke wieder an den kurzen Pfosten befördern. Entsprechend postiert er sich diesmal dort.
Der Rest ist Ottenheimer Fußballgeschichte: Linksfuß Krause schlägt von rechts eine Bananenflanke Richtung Fünfmeterraum, wo sich Ostermann aus dem Getümmel löst und den Ball im Rückwärtslaufen wuchtig unter die Latte köpft. Der technisch anspruchsvolle Last-Minute-Treffer in der Manier eines Strafraumstürmers bringt den Ausgleich, Ostermann wird daraufhin unter einer Jubeltraube begraben.
Es war das erste Mal, dass er aus dem Spiel heraus einen Treffer erzielt, sagte er unserer Redaktion. „Es war ein cooles Gefühl, alle haben sich gefreut“, erinnert sich Ostermann an diesen einmaligen Moment seiner Karriere.
Die hat vor mehr als 30 Jahren bei dem Verein begonnen, dem er seither ohne Unterbrechung angehört: Ostermann ist Kicker des FC Ottenheim durch und durch, hat sämtliche Jugendmannschaften durchlaufen. Er habe nie den Wunsch nach einem Wechsel verspürt, denn der FCO sei ein sehr guter Verein, in dem er viele Freunde gefunden habe, erzählt er. So groß ist die Identifikation, dass der 35-Jährige nicht nur aktiver Spieler, sondern auch Sportvorstand ist.
Nun steht ihm sein erster Fernsehauftritt bevor. Er habe noch gar nicht groß darüber nachgedacht, wie es wohl sein wird im Sportstudio, sagt er unserer Redaktion. Aber natürlich freue er sich darauf. Sein Ziel: „Wenigstens einen reinmachen.“ Daheim werden viele Bekannte vor dem Fernseher mitfiebern, weiß er.
Auch die Kollegen bei der Firma Karkossa, wo Ostermann als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen tätig ist, werden ihm die Daumen drücken. Die meisten Freunde hätten ihm gesagt, er solle einfach Spaß haben, verrät er.
Viele Freunde fiebern vor dem Fernseher mit
Das Abenteuer beginnt am Samstag nach dem Abpfiff des Ottenheimer Auswärtsspiels bei der SG Nußbach/Bottenau. Ostermann wird mit dem Auto nach Mainz aufbrechen, mit an Bord sind dann seine Vereinskameraden Gregory Pickering, Thorsten Ottmann und natürlich Sven Wahle.
Der ist besonders froh, dass es mit der Einladung ins ZDF-Sportstudio geklappt hat. Nachdem er das Video mit Ostermanns Kopfball bei hartplatzhelden.de hochgeladen hatte, sei recht schnell eine positive Antwort gekommen, freut er sich. Dort würden zwar unzählige Videos mit sehenswerten Schüssen von Amateurkickern eingereicht – „aber ein Torwarttreffer ist halt noch etwas Besonderes“, konstatiert Wahle. Ostermann habe es sich verdient, auf dieser Bühne zu stehen, da er sehr viel für den FC Ottenheim tue.
Wahle, Pickering und Ottmann werden im Sportstudio auf der Tribüne Platz nehmen, während Ostermann sich vor den Kameras beim „drei unten – drei oben“ versucht. Sein prominenter Gegner soll dann Nationalspieler David Raum (RB Leipzig) sein. Die Live-Sendung beginnt am Samstag um 23 Uhr und wird von Sven Voss moderiert.
Günter Netzer war der erste mit fünf Treffern
Gegen Ende des Aktuellen Sportstudios – meist um Mitternacht herum – schießt immer mindestens ein Sportler mit einem Fußball aus sieben Metern Entfernung auf zwei Löcher mit je 55 Zentimeter Durchmesser in einer Spanplatte.
Das Ganze stellt sich oft als unlösbares Unterfangen heraus. Denn es ist noch keinem gelungen, sechsmal zu treffen. 1974 erzielte Günter Netzer als erster Schütze fünf Torwand-Treffer. Ihm folgten mit ebenfalls fünf Treffern Rudi Völler, Günter Hermann, Reinhard Saftig, Matthias Becker, Rolf Fringer, Frank Pagelsdorf, Frank Rost und Inka Grings.
Franz Beckenbauer war übrigens 56 Mal Gast im Sportstudio. Mehr als vier von sechs Versuchen traf die Lichtgestalt des deutschen Fußballs aber nie. Die Torwand im Sportstudio gibt es seit 1964 – zufälligerweise das Gründungsjahr des FC Ottenheim.