Vor allem die große Astschere kommt bei den Arbeiten zugunsten des Auerwilds zum Einsatz Foto: Hans-Jürgen Kommert

Engagement für den Charaktervogel des Schwarzwalds zeigten Freiwillige nun am Rohrhardsberg. Was sie da in mühevoller Handarbeit freiräumten? Start- und Landebahnen für das Auerwild.

Anpacken für das hoch gefährdete Auerhuhn hieß es am Wochenende am Rohrhardsberg. Eingeladen hatte der Naturpark Südschwarzwald; 17 Freiwillige folgten dem Aufruf – viele davon „Wiederholungstäter“.

 

Unter Anleitung des Forsts, vertreten durch Johannes von Stemm und Revierleiter Peter Kleiser, machten sie sich auf, um dem seltenen Vogel den Landeplatz zu bereiten.

Das Auerhuhn sei sehr scheu und stelle große Anforderungen an seine Umgebung, erklärte Organisatorin Christine Peter. In Mitteleuropa sei es nur noch selten und dabei in alten, unberührten Bergwaldregionen anzutreffen – unter anderem im Schwarzwald. Der Rohrhardsberg sei ein wichtiger Anflugpunkt, ein Brückenkopf und Teil des Trittsteinkonzepts zwischen dem Nord- und dem Südschwarzwald.

Beim Fliegen sind Auerhühner besonders beim Start schwerfällig und polternd, weshalb sie dichte Wälder meiden. Im Flug werden immer wieder Gleitflug-Phasen eingelegt. Generell sei das Auerhuhn kein gewandter Flieger, betonte Johannes von Stemm. Das Tier bevorzuge daher die Fortbewegung am Boden. Wenn es aufgescheucht wird, strebt es meist zu Fuß die nächste Deckung an.

An ihren Lebensraum stellen die Auerhühner hohe Ansprüche: Notwendig sei eine innige Mischung aus Nahrungsangebot und Deckung mit Übersicht. Diese Qualitätskriterien erfüllen normalerweise am besten lichte Althölzer aus Fichte und Kiefer mit reichlich Bodenvegetation an nicht zu steilen, trockenen Hängen.

Beeren und Blätter schmecken ihnen

Als Bodenvegetation wünscht sich das Auerhuhn möglichst viele Beerensträucher, seine Lieblingsnahrung. Denn im Sommer ernähren sich die Tiere fast ausschließlich von Heidelbeerblättern und Beeren.

Bevor es losgehen kann: Organisatorin Christine Peter vom Naturparkteam (Vierte von rechts) und Johannes von Stemm vom Staatsforst (links daneben) weisen die Freiwilligen ein. Foto: Hans-Jürgen Kommert

In den ersten Lebenswochen sind Küken auf tierische Proteine in Form von Insekten angewiesen, wobei das Angebot an erreichbarer Nahrung sehr stark vom Wetter abhängt. Im Winter besteht die Nahrung hauptsächlich aus Nadeln und Knospen von Kiefer, Fichte, Tanne und Buche. Zum Aufschließen und Zermahlen ihrer Nahrung nehmen die Auerhühner Magensteinchen auf.

Start- und Landebahnen

Doch nicht nur das Nahrungsangebot ist entscheidend. Wichtig sind auch ausreichende Sicht und Flugmöglichkeit. Um dies zu gewährleisten, durften die Freiwilligen bereits vorhandene Start- und Landebahnen freiräumen. Dazu wurden vor allem junge, nachgewachsene Bäumchen und Sträucher – vor allem Eberesche und Fichten – herausgeschnitten. Meist kamen dabei starke Astscheren zum Einsatz, manchmal auch Handsägen.

Erstaunlich differenziert war das Alter der Teilnehmenden – von 21 bis 81 Jahre. Und alle waren mit Feuereifer dabei. Die meisten werden wohl im kommenden Herbst wieder da sein.

Angebot für Naturbegeisterte

Sie arbeiten für „Ehrensache Natur“, ein bundesweites Freiwilligenprogramm der Nationalen Naturlandschaften und des Verbands Deutscher Naturparke. Es bietet naturbegeisterten Menschen die Chance, sich direkt vor Ort für den Erhalt und die Pflege von Natur- und Kulturlandschaften einzusetzen. Ob im Biosphärengebiet wie dem Rohrhardsberg, im Naturpark oder Nationalpark – es gebe vielfältige Einsatzmöglichkeiten, erklärte Christine Peter abschließend.