Foto: Screenshot Facebook

Vorsicht, es sind nur noch wenige Tage bis zur Wahl. Um auch noch die letzten Wähler zu überzeugen, ist ab sofort alles erlaubt. Zumindest alles, was dem Wähler gefällt, dem nun am meisten umworbenen Wesen auf Gottes Erdball. Mitunter treibt das auch seltsame Blüten, kommentiert unser Autor Heiko Hofmann "am Rande".

Ein schönes Beispiel ist jener Post, den die Junge Union (JU) Mitte dieser Woche zur Unterstützung von Thomas Blenke auf Facebook abgesetzt hat. Smart lächelt der CDU-Abgeordnete in die Kamera und streckt dem Betrachter ganz keck eine Rose entgegen. Und fresh, wie die JU nunmal ist, hat sie dazu geschrieben: "Tom hat eine Rose für Dich. Nimmst Du sie an?"

 

Tom Blenke als Rosenkavalier – wer kann da schon Nein sagen. Das ganze erinnert natürlich nicht von ungefähr an die erfolgreiche RTL-Show "Der Bachelor". Die JU und Tom Blenke wissen eben ganz genau, worauf die jungen Leute stehen. Dabei hat die Jung-Wähler-Klientel im Netz irgendwie auch Glück gehabt, dass kein anderes hippes Format gewählt wurde. Tom als "Germanys next Top-Modell" zum Beispiel. Oder gar "Love Island".

So, nun, da wir alle Bilder von Tom Blenke im schicken Glitzer-Sakko und auf Plateau-Schuhen über den Modell-Laufsteg schreitend im Kopf haben, kehren wir lieber ganz schnell zurück zu dem geposteten Bild von unserem Rosen verschenkenden Bachelor. Also mir als Mitglied der Nicht-Bachelor-Generation ist beim Blick auf das Foto spontan ein ganz anderer Satz durch den Kopf geschossen: "Eine Rose für die Liebste?" Das ist jetzt aber kein Vorwurf, liebe Junge Union. Den klassischen Rosenverkäufer, der allabendlich von Kneipe zu Kneipe zieht – lang, lang ist’s her. Den kennt Ihr womöglich gar nicht. Das war noch vor dem Lockdown!

Ja, liebe JU-ler, lasst Euch sagen: Es gab eine Zeit vor Corona, als man noch in Kneipen zusammensaß und gemeinsam ein Bierchen schlürfte – nicht virtuell – ganz real, ohne Maske, ohne Abstand, ohne Hygienekonzept, und der ein oder andere sogar – ganz crazy – mit nicht desinfizierten Händen! Was, das glaubt Ihr nicht? Na dann fragt mal Euren Bachelor aus dem Nordschwarzwald. Bier statt Rosen – so hat man damals noch Wahlen gewonnen.