Mit Regenschirm und Plakaten gegen den Regen – dem Warnstreik vor dem Ortenau Klinikum haben sich viele angeschlossen. Foto: Stahl

Knapp 100 Beschäftigte des Ortenau-Klinikums sind in den Warnstreik getreten. In Lahr machten sie ihrer Enttäuschung und Wut Luft und bekräftigten ihre Forderungen. Anschließend folgte ein Demozug zum Rathaus.

Auch der strömende Regen hält sie nicht auf: Rund 100 Arbeitnehmer stehen mit Warnwesten und Plakaten ausgestattet vor dem Ortenau-Klinikum Lahr und lassen ihrer Wut freien Lauf. Bei Wortbeiträgen klatschen sie laut und zeigen mit der Trillerpfeife ihre Zustimmung. Die mitgebrachten Plakate sind solidarisch („Zusammen geht mehr“) bis drastisch („Keine Pflege kann tödlich sein“).

 

„Mehr Geld, mehr Zeit – meine Wahl“ – so lautet das zentrale Motto der Gewerkschaft Verdi in der Tarifrunde des öffentlichen Dienstes. Nachdem die erste Runde der Verhandlungen ohne Ergebnisse vertagt wurde, hat die Gewerkschaft die Klinik-Beschäftigten zu Warnstreiks aufgerufen.

Klage über Arbeitsbedingungen

„Auf unsere Forderungen wurde überhaupt nicht eingegangen“, ruft Michael Herbstritt dem streikenden Personal zu. Der Gewerkschaftssekretär von Verdi Südbaden-Schwarzwald zeigt sich enttäuscht vom bisherigen Verlauf der Verhandlungen und betont: „Ein Klinikstreik ist das härteste Mittel, doch er ist notwendig.“ Die Arbeit des Pflegepersonals werde immer noch nicht wertgeschätzt, Schichtarbeit und Wochenendarbeit müssten deutlich besser bezahlt werden. Die Attraktivität des Berufs leide darunter, was zu Personalmangel führe. Das wirke sich wiederum durch Unterbesetzung auf den Patientenalltag aus.

Der Meinung von Herbstritt schließt sich eine Streikende aus der Menge an, die anonym bleiben möchte. Die Arbeitsbedingungen seien schrecklich auf ihrer Station, sie müsse viele Überstunden machen, die nicht bezahlt werden. Es sei eine Frechheit, dass alle Forderungen abgelehnt worden seien. Deswegen streike sie mit voller Kraft für Verbesserungen im Gesundheitssystem.

Auch der Öffentlichkeit die Haltung präsentieren

Eine Mitstreiterin schließt sich dieser Meinung an und hat auch eine Sorge:„Ich denke an meine Angehörigen und Patienten.“ Personalmangel führe zu Zeitmangel, sodass sie sich nicht bedarfsgerecht um jeden Patienten kümmern könne.

Diese Ansicht teilen die meisten Streikenden, die jede Wortmeldung bejubeln. Die Versammlung geht in einen Demozug über, dessen Ziel das Lahrer Rathaus ist. „Wir müssen nicht nur dem Klinikum unsere Haltung zeigen, sondern auch der Öffentlichkeit“, begründet Herbstritt den Marsch.