Die Polizei rettete beim Hausacher Tunnel eine Eule mit verletztem Auge und übergab sie im Revier Rudi Allgaier vom Nabu Kinzigtal. Nachmittags konnte sie sich von den Strapazen in einer Voliere in Oberwolfach ausruhen. Foto: privat

Vermutlich durch einen Zusammenstoß mit einem Auto verletzte sich am Hausacher Tunnel ein ausgewachsener Uhu. Die herbeigerufene Polizei rettete das Tier und übergab es dem Nabu Kinzigtal. Die Eulen sind die größten Greifvögel in Europa.

Einen ungewöhnlichen Einsatz hatte die Polizei am Samstagmorgen kurz nach 7 Uhr beim Hausacher Tunnel: Die Beamten wurden zu einer verletzten Eule gerufen. Ein Uhu hatte sich, vermutlich durch die Kollision mit einem Auto, verletzt. Der Uhu ist mit einer Flügelspannweite von 1,80 Metern der größte Greifvogel Europas. Vermutlich war der Schreck beim Autofahrer so groß wie beim Tier. Da Falknerhandschuhe nicht zur Ausstattung von Polizisten gehören, nahmen sie das Tier vorsichtig mit einer Decke auf und übergaben es im Haslacher Revier dem „Vogelspezialisten“ des Nabu, Rudi Allgaier.

 

„Ein Uhu ist ein Halbsegler mit ruhigem Flug, der ist nicht ganz so wendig, wenn plötzlich ein Hindernis wie ein Auto auftaucht“, erklärt dieser. Das blutunterlaufene Auge war deutlich sichtbar, aber hat das Tier noch weitere Verletzungen? Eine Stunde habe er herumtelefoniert, bis er mit Jörg Schäffner in Haslach einen Tierarzt fand, der kurz vor seinem Urlaub bereit war, den ausgewachsenen Uhu zu röntgen. Tatsächlich wurden außer dem Auge keine Verletzungen festgestellt. „Ihn so wieder freizulassen, hätte seinen sicheren Tod bedeutet. Ein Greifvogel mit einem Auge ist nicht lebensfähig“, so Allgaier.

In Oberwolfach gebe es aber eine Fachfrau, die bereit war, sich um das Tier zu kümmern und die auch Kleintiere wie Mäuse oder Eintagsküken hat, um es zu füttern. Wenn das Auge abheilt, werde sie die Eule wieder in die Freiheit entlassen. Wenn nicht, habe sie jemanden, der sie weiterpflegt. Rudi Allgaier fing vorsorglich schon mal eine Ratte in einer Lebendfalle, die der Vogel dankbar annahm.

„Der Uhu ist gut versorgt. Er sitzt jetzt auf einem Holzklotz in einer Voliere und wird sich hoffentlich bald erholen. Er hat schon seinen Spitznamen bekommen: Ahab“, berichtete Allgaier am Samstagnachmittag. Er warnte übrigens davor, Wildtiere selbst zu retten. Gerade Greifvögel könnten sehr gefährlich werden. Und: Wer so ein Wildtier zum Tierarzt bringt, bekommt auch die Rechnung dafür (siehe Info). Der Nabu übernehme in diesem Fall die Kosten, sei aber nicht dazu verpflichtet. Der Tierschutzverein ebenfalls nicht, der sei nämlich gar nicht für Wildtiere zuständig. Es sei auch abzuwägen, ob die Rettung eines Wildtiers ökologisch vertretbar und ökonomisch sinnvoll sei: „Manchmal muss man die Natur auch machen lassen“, so Allgaier. Jetzt bei dem wunderschönen Spätsommer würden mehr Tiere in Not entdeckt. Im Frühjahr, als es praktisch nur geregnet hat, seien sehr viele Jungstörche verendet, das habe kaum jemand mitbekommen.

Wildtierschutz

Da der Staat sich bei der Behandlung von hilfsbe-dürftigen Wildtieren nicht in der Pflicht sieht, müssen entweder der Fin- der oder die Pflegestel- len und Auffangstationen die Behandlungskosten tragen. Für die meist eh- renamtlich arbeitenden Wildtierpfleger stelle die-ser Aspekt bei der ho- hen Zahl an Notfällen pro Jahr eine enorme finan-zielle Belastung dar. Entgegen der landläufigen Meinung müssen (und dürfen) Tierärzte Wildtiere nicht kostenlos behandeln, denn sie sind durch ihre Gebührenordnung an die Rechnungsstellung gebunden. Wer ein hilfs- bedürftiges Wildtier findet und zur Behandlung zu einem Tierarzt bringt, muss sich auf die Frage nach der Kostenübernahme einstellen. Laut Berufsordnung sind Tierärzte in Notfällen zur Ersten Hilfe bei Tieren verpflichtet. Eine nicht notfallmäßige Behandlung darf ein Tierarzt durchaus ablehnen. Weitere Infos gibt es im Internet unterwww.wildtierschutz-deutschland.de.