Eine gutgelaunte Truppe hat sich am Fairteiler am Rand des Parklatzes St. Franzikus eingefunden. Heute gibt’s Obst und Salat. Foto: Szymanski

Auf einen Besuch an der Fairteiler-Hütte in Balingen bei gutgelaunten Menschen mit kleinem Geldbeutel. Ilona Schuster, zweite Vorsitzende vom Verein Fairteiler Zollernalb, erzählt, wie Fairteiler funktioniert und was wünschenswert wäre.

Ein feuerroter Kleinwagen hält am Rand des Parkplatzes St. Franziskus in Balingen. Eine junge Frau steigt aus und hält eine prall gefüllte Plastiktüte hoch. Diethelm nimmt sie in Empfang, und ein breites Lächeln huscht über sein Gesicht mit dem Bart: Schokolade und Pralinen hält er hoch, und er achtet darauf, dass jeder etwas abbekommt. Der Mann ohne festen Wohnsitz gehört zu einer vielköpfigen Gruppe von Frauen, Männern und Kindern nebst Hunden, die die Zeiten kennen, wann Lebensmittel in die Fairtrade-Hütte geliefert werden.

Bis dahin unterhalten sie sich und warten – oft stundenlang – , bis sogenannte Foodsaver wie Susi Bärle oder Manuel Kissling die randvollen Kisten mit Obst und Gemüse und anderen Lebensmitteln aus Supermärkten Metzgereien, Bäckereien, Tankstellen oder Marktständen in der kleinen Hütte einsortieren.

Oberstes Ziel ist es, Lebensmittel vor den Mülltonnen zu retten

„Unser oberstes Ziel ist es, aussortierte Lebensmittel vor den Mülltonnen zu retten“, betont Ilona Schuster, zweiter Vorsitzende vom Verein Fairteiler Zollernalb. Und weiter sagt sie auch, dass das Konzept keine Konkurrenz zu den Tafeln sei. „In unseren Fairteiler-Stellen hier sowie in Hechingen-Weilheim und Rosenfeld-Bickelsberg kann absolut jeder kostenlos Lebensmittel abholen.“

Aber leider seien schon Szenen zu beobachten gewesen, wie jemand mit einem dicken Auto vorfuhr und einlud, was er erwischte. Aber da gibt’s ja Diethelm – er ist so eine Art Chef – sowie beherzte Kundinnen der Lebensmittel-Hütte. Sie sorgen dafür, dass Regeln eingehalten werden: nur für den eigenen Bedarf, nicht raffen. Es gehört auch zum guten Ton, dass die Hütte sauber gemacht wird. Das freut Schuster und die Ehrenamtlichen: „Sie erziehen sich gegenseitig.“

Die gepflegte Hütte hat die katholische Kirchengemeinde Heilig Geist spendiert, und deren Hausmeister Markus Götz hat sie gebaut und wetterfest gemacht. Die Stadt Balingen hat Strom angeschlossen und spendiert die Energiekosten, und zwar für den Kühlschrank – auch eine Spende.

Über ihre Situation, und warum sie zur Hütte kommen, wollen die Fairtailer-Kunden nicht gern reden. Das Geld sei knapp, alles sei schrecklich teuer. Schuster und die Foodsaver haben indes beobachtet, dass die Hütten immer stärker frequentiert werden.

Schon im April wird in Frommern eine Hütte aufgestellt

Und zwar „wie noch nie zuvor in den zwei Jahren, seit es diese Lebensmittel-Hütten gibt, deren gerettete Produkte auch an soziale Einrichtungen, Flüchtlingsheime oder in Not geratene Familien gehen“, so Schuster. Sie kennt die Zahlen der verschwendeten Lebensmittel: 12 Millionen Tonnen landen pro Jahr in Deutschland im Müll, das sind 75 Kilogramm pro Kopf. Eine traurige Bilanz.

Ganz und gar nicht traurig: Die ehrenamtlichen Helfer des Vereins sind 2021 vom Nachhaltigkeits-Netzwerk Baden-Württemberg als „Helden der Tat“ ausgezeichnet worden. Und sie haben Pläne aber auch Träume und Wünsche. Konkret ist, dass im April in Frommern eine Hütte aufgestellt wird. Zum Traum gehört, dass es einmal ein Café gibt, in dem mit den geretteten Lebensmittel gekocht wird. Zu den Wünschen gehören mehr Molkereiprodukte und noch mehr Betriebe, die Lebensmittel nicht wegwerfen. Denn nicht jeden Tag fährt ein Kleinwagen mit Überraschungen vor.

Wer Lebensmittel abgeben will, kann sich unter info@fairteiler-zollernalb.de melden.