Kurz vor Schluss kam die SG noch zum Siegtreffer. Foto: Kraushaar

Die SG Empfingen hat den Meisterschaftsfavoriten VfL Nagold mit 2:1 geschlagen – dank einer starken Torhüterleistung von Matthias Müller. Auch dessen Rote Karte und die Unterzahl überstanden die Empfinger schadlos und schlugen kurz vor Schluss selbst eiskalt zu.

SG Empfingen – VfL Nagold 2:1 (0:1). Es läuft die 2. Minute der Nachspielzeit auf dem Empfinger Kunstrasenplatz. Der VfL Nagold liegt mit 1:2 in Rückstand und drängt auf den Ausgleich. Johannes Fleischle zieht an der linken Strafraumseite ab, der Ball prallt vom Innenpfosten ab, rollt die Torlinie entlang, geht aber nicht ins Tor – dem Schlusspfiff in Empfingen folgt ein Jubelausbruch. Mit 2:1 haben die Gastgeber der SG Empfingen dem hohen Favoriten VfL Nagold die erste Saisonniederlage beigebracht. "Klar, das waren Emotionen pur. Das ist Fußball, zumal gegen einen Verein, bei dem ich so lange gespielt habe", brachte der ehemalige Nagolder Matthias Müller seine Gefühle auf den Punkt.

Die SG Empfingen war ersatzgeschwächt in die Partie gegangen und doch haben sie sich "als ein echtes Team gezeigt", wie SG-Trainer Philipp Wolf nach dem Spiel meinte. Dass die Empfinger am Ende feiern konnten, lag zum einen am Pfostentreffer von Fleischle, zum anderen aber auch an einem schlampigen Zuspiel der Nagolder in die Spitze kurz vor Schluss.

Andere Taktik in zweiter Spielhälfte

Da waren die "Roten" noch einmal energisch dazwischen gegangen und hatten den Ball auf die linke Seite zu Dominik Bentele gespielt. Dieser hatte die Nagolder bis dahin immer wieder vor Probleme gestellt, doch mit seinem Tor setzte er seiner Leistung die Krönung auf. Mit einem sehenswerten Alleingang drang er in den VfL-Strafraum ein und feuerte einen Flachschuss ins lange Eck zum 2:1 (88.). Den langen Gesichtern beim Favoriten, stand eine Jubelorgie in Rot gegenüber.

Das es soweit kommen konnte, lag größtenteils an den Nagoldern selbst. In der ersten Hälfte hatte der VfL das Spiel im Griff, scheiterte aber immer wieder an SG-Keeper Müller. Der bewies direkt in der 3. Minute seine Klasse gegen Walter Vegelin und Marsel Cicak. Auch alle weiteren VfL-Abschlüsse parierte Müller souverän. "Starke, aber auch dankbare Bälle für einen Torhüter", bewertete der Gechinger Günter Böttinger die Chancen.

Erst in der Nachspielzeit der ersten Hälfte war Lysander Skoda nach der insgesamt zehnten VfL-Ecke mit dem Kopf zur Stelle und bezwang Müller (45.+2).

In der zweiten Hälfte änderte die SG ihre Taktik ein wenig, traute sich mehr zu und spielte die sich bietenden Konter besser aus. Diagonalbälle auf die Außenposition verunsicherte die Nagolder Abwehr immer wieder, der Ausgleich schien durchaus möglich. Dass er dann aber dermaßen kurios zu Stande kommen sollte, konnte niemand voraussehen. Nach gut einer Stunde bekam Fabian Mücke die linke Abwehrseite des VfL nicht zu, der Ball kam nach innen. Der Abwehrversuch von Carlos Konz prallte von der Brust von VfL-Torhüter Mogler zurück in den Fünfmeterraum, wo Jonas Bucci am schnellsten reagierte (62.). Der Ausgleich war kurios, aber auch ein harter Schlag für die Nagolder. Ein dicker Patzer machte alle Anstrengungen zu Nichte. "Wir hätten längst 2:0 oder 3:0 führen müssen, dann wäre das alles nicht relevant gewesen", hatte VfL-Trainer Armin Redzepagic richtig erkannt.

Doch auch die restliche Spielzeit hatte für den VfL noch mehr Überraschungen parat. Die SG Empfingen kämpfte sich immer mehr ins Spiel. Die Partie wurde offener. Wenn der VfL gefährlich wurde, war Müller oder seine Abwehr zur Stelle – bis zur 75. Minute. Müller hatte bei einer Abwehraktion den Ball außerhalb des Strafraums mit der Hand gespielt und kassierte dafür folgerichtig die Rote Karte. Für den besten Empfinger kam der junge Jannik Schuhmacher. Doch auch die Überzahl konnte der VfL nicht mehr nutzen und kassierte kurz vor Schluss den entscheidenden Gegentreffer.

Tore: 0:1 (45.+2) Lysander Skoda, 1:1 (62.) Jonas Bucci, 1:2 (88.) Dominik Bentele.

Besonderes Vorkommnis: Rote Karte gegen Matthias Müller (75./SG Empfingen).

Trainerstimmen

Philipp Wolf (SG Empfingen): "Heute bekamen die Zuschauer richtig was geboten, auch wenn es natürlich ein sehr glücklicher Sieg war. Wir hatten uns darauf eingestellt, dass wir wenig Ballbesitz bekommen werden, sind aber gegen Nagold als ein echtes Team aufgetreten."

Armin Redzepagic (VfL Nagold): "Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen, sie hat das Spiel absolut dominiert. Was gefehlt hat, waren die Tore. Ich war mit dem Auftritt zufrieden, obwohl wir keine Punkte mitnehmen. Es hat heute einfach in den entscheidenden Situationen das Spielglück gefehlt und Matthias Müller hat sehr gut gehalten."

SG Empfingen: Matthias Müller (Tor), Daniel Schima, Florian Schweizer, Christian Gier, Fabian Singer (75. Jannik Schuhmacher/Tor), Uwe Heckele (46. Max Blocher), Dominik Bentele, Jonas Bucci (73. Panagiotis Karapidis), Timo Theurer (65. Nico Trick), Nico Rebmann, Pascal Seil.

VfL Nagold: Joel Mogler (Tor), Carlos Konz, Frederic Fleischle, Niklas Schäuffele, Marsel Cicak (60. Tobias Essig), Fabian Mücke (82. Merdan Akkilic), Lysander Skoda, Burak Tastan (65. Perparim Halimi) David Weinhardt (80. Luka Kravoscanec), Johannes Fleischle, Walter Vegelin.

Schiedsrichter: Oliver Jacquemoth; Benjamin Bilek, Max Pötzsch

Zuschauer: 280