Endlich wieder Backhäuslefest: Zum ersten Mal seit 2019 hat der Schwäbische Albverein Oberdigisheim im Weiler Geyerbad gefeiert, 400 Brote unters hungrige Volk gebracht und eine wahre Legende gefeiert, die mit 92 Jahren manchen Jungen davonläuft.
„Lass Dich verwöhnen mit herrlichen Tönen“: Der Projektchor Oberdigisheim hat einer Legende der Ortsgruppe im Schwäbischen Albverein ein klingendes Geburtstagsgeschenk gemacht: Rösle Bodmer hat am Samstag ihren 92. Geburtstag gefeiert – just an dem Tag, da zum ersten Mal seit 2019 das Backhäuslefest steigt.
Mehr noch: Die Jubilarin, top-fit, hat den steilen Weg von Oberdigisheim auf’s Geyerbad zu Fuß gemeistert, während all die Jüngeren mit dem Auto gefahren sind: Die Bevölkerungszahl im Weiler dürfte sich am Samstag locker verzehnfacht haben. Ortsvorsteher Achim Mayer weiß es genau: „52 Einwohner hat Geyerbad aktuell“, sagt er, schmunzelt und fügt augenzwinkernd hinzu: „Die meisten von ihnen wahrscheinlich über 60.“
Kneten mit Tempo und hohem Kraftaufwand
Am Samstag fällt das nicht auf, denn es sind auch Jüngere im Einsatz, etwa Jonas Sauter, der im Backhäusle mit Tempo und Krafteinsatz knetet, allein unter Frauen: Sybille Mayer, Jutta Schäfer und Gudrun Sauter flankieren ihn am Holztisch, wiegen, mischen, kneten, formen, bestäuben Teig-Laibe in den Gärkörbchen mit Mehl, decken sie ab und mischen gleich weiter am nächsten Teig: Es geht Schlag auf Schlag. Die Brote finden reißenden Absatz bei den Besuchern: Kaum einer, der das Fest verlässt, hat keinen Laib unterm Arm.
Das gilt auch für Rösle Bodmer, die ihr Brot als Geburtstagsgeschenk bekommt, überreicht von Peter Sauter. Er ist Sprecher des dreiköpfigen Vorstandsteams mit Walter Schäfer und Jörg Eppler und weiß, was die Ortsgruppe an Rösle Bodmer hat. „Sie war gefühlte 30 Jahre lang Schriftführerin und hat ihre Berichte immer in Versform geschrieben“, berichtet Sauter lachend.
Ja, dichten kann sie: Die Jubilarin ist Meisterin des schwäbischen Zungenschlags, hat viele Mundart-Abende gestaltet, Gedichte geschrieben, die humorvoll das Leben und die Landwirtschaft in früheren Zeiten beleuchten, und sogar Liedtexte verfasst, zum Beispiel „Am Berg ’ne Hütte steht“, das der Projektchor zu ihrem Geburtstag für sie singt.
„Die Kinder müssen wir wieder an die Natur heranführen“
Auf die Bühne eilt in letzter Minute Helga Maier, die ansonsten die Zeit im Zelt verbringt und mit Kindern malt – nicht nur mit Stiften: „Man muss die Kinder wieder an die Natur heranführen“, lautet ihr Credo, und deshalb hat sie Sträuße verschiedenster blühender und grüner Zweige sowie bunter Blumen mitgebracht. Geschickt zerreibt sie die Blätter zwischen den Fingern, so dass die Feuchtigkeit herauskommt, und malt damit – eine Technik, die ihre Enkel Elian und Louis bestens beherrschen und damit tolle bunte Bilder malen.
Nicht nur für die Kinder, sondern auch für alle Erwachsenen, die sich nicht scheuen, sich zu blamieren, sind Fühl-Boxen aufgebaut mit Nadel- und Laub-Ästen darin. Wer schafft es, sie beim Ertasten richtig zuzuordnen? Es ist ganz schön schwer. Etwas leichter ist es, die verschiedenen Laub-Blätter, vorgedruckt auf Papier, auszumalen oder sich im Zapfen-Werfen zu messen.
Da tut es Bürgermeister Frank Schroft doppelt leid, dass seine Kinder, mit seiner Frau zuhause, Mittagsschlaf halten. Aber ein Brot bringt er – nach Gesprächen in fröhlicher Runde mit Achim Mayer, Pfarrer Philipp Haas, Rösle Bodmer und vielen anderen – mit nach Hause. Eines von 400, die am Samstag frisch gebacken worden sind, während der Musikverein Lyra, das Heubergmusikanten-Duo „Arnold und Peter“, der Feuerwehrchor der Raumschaft Balingen und der Projektchor Oberdigisheim gesungen und die Gäste sich ordentlich am kulinarischen Angebot gelabt haben – ein stattliches Geburtstagsfest für Rösle Bodmer.
Das Brot vom Backhäuslefest
Rund 400 Brot-Laibe
hat das Team im Backhäusle am Samstag gebacken – aus Dinkelmehl 1050, Salz, Hefe und Wasser – nichts Anderes kommt rein.
„Dinkelmehl
verhält sich nicht in jedem Jahr gleich – es kommt auch sehr auf das Wetter an“, weiß Walter Schäfer. Ihr Mel beziehen die Mitglieder des Albvereins für die Aktion aus der Stingel-Mühle in Dürrwangen, die auch selbst Backmischungen kreiert. Die bekannteste ist das „Fuffz’gerle“ zum Jubiläum „50 Jahre Zollernalbkreis“ aus Dinkelmehl, Dinkelvollkornmehl und Dinkelvollkornschrot.
Wichtig beim Brotbacken
sind das Kneten und das Ruhen des Hefeteigs. „Acht bis zehn Minuten lang kneten“, das müsse sein, betont Walter Schäfer. Der Teig müsse 30 Minuten lang gehen – und nach dem Portionieren im Garkörble weitere 30 Minuten lang. „Teigruhe ist das A und O“, sagt Jutta Schäfer, die noch einen weiteren Tipp hat: Genauigkeit. „Alle Zutaten müssen aufs Gramm genau abgewogen werden“, betont sie.