Die in den 1920er/30er Jahren erbaute Hechtbrutanstalt am Altrhein in Wyhlen liegt seit einigen Jahren im Dornröschenschlaf. Dank Vandalismus bietet sie einen traurigen Anblick.
Vielleicht würde die Einrichtung sogar völlig in Vergessenheit geraten, wenn nicht direkt oberhalb derzeit die Umgehungsstraße „B 34 neu“ gebaut würde.
Auf Nachfrage bekundet Klaus Schillinger, stellvertretender Vorsitzender des Berufsfischervereins Hochrhein-Oberrhein aus Bad Bellingen, dass er sich einen Weiterbetrieb der Hechtbrutanstalt durchaus vorstellen könnte, denn der Verein hatte die Wyhlener Einrichtung einst unter seiner Regie. Ob dieser Wunsch der Berufsfischer jedoch jemals umgesetzt werden kann, hängt von vielen Faktoren ab.
Gebäude kaum erreichbar
Fakt ist, dass das kleine Gebäude der Hechtbrutanstalt seit Beginn der Bauarbeiten für die Wyhlener Ortsumfahrung so gut wie gar nicht mehr erreicht werden kann. Umgestürzte Bäume und provisorische Wasserleitungen, die den Leuengraben entwässern, versperren den Weg zur Hechtbrutanstalt. Außerdem wurde bereits vor einigen Jahren in das Gebäude eingebrochen. Davon legen nach wie vor zerstörte Fensterscheiben, bemalte Fassaden und allerhand herumliegender Unrat ein beklemmendes Zeugnis ab.
Material ist noch drin
Wenn man jedoch durch die kaputten Fenster ins Innere der Hechtbrutanstalt blickt, dann scheint es gerade so, als dass noch vor wenigen Minuten darin gearbeitet wurde, denn die für die Hechtbrut notwendigen Utensilien scheinen nach wie vor an Ort und Stelle zu liegen. Schillinger zufolge gehörte die Hechtbrutanstalt einst dem Kraftwerk Wyhlen (heute Firma Naturenergie) und sei später dem Berufsfischerverein zur Hechtbrut überlassen worden. Man habe bis vor einigen Jahren auch noch einen Weidling benutzt, der jedoch bei einem Hochwasser zerstört wurde. Damit hätten Vereinsmitglieder aus dem Altrheingebiet Hechte gefangen, die dann „abgestreift“ wurden, um auf diese Weise weitere Junghechte zu züchten. Diese hätten eine deutlich bessere Überlebenschance im Rhein aufgewiesen, weil sie selbst aus dem angestammten Gewässer gewonnen worden seien, hält der Fachmann fest.
Fehlendes Interesse?
Dass schon seit Jahren keine Junghechte mehr gezüchtet werden, um diese an die Fischereivereine diesseits und jenseits des Rheins zu verkaufen, führt Schillinger zum Teil auch auf fehlendes Interesse der Vereine zurück. Außerdem mangele es an Leuten, die diese Aufgabe übernehmen wollten respektive könnten.
Bereits vor zwei Jahren war der schlechte Zustand der Hechtbrutanstalt Thema. Damals erstattete Volker Schley, der sich zuletzt um den Betrieb der Einrichtung gekümmert hatte, Anzeige gegen Unbekannt. Schley hatte die Einbruchsspuren entdeckt. Damit eines Tages überhaupt an den Weiterbetrieb der Hechtbrutanstalt gedacht werden könne, müsste der Kraftwerksbetreiber auch den Zugang zum Rhein wieder ermöglichen, hatte Schley damals im Gespräch mit der Redaktion gesagt. Umgefallene Bäume und zugewachsene Uferränder verhindern seit langem, dass der Berufsfischerverein Hochrhein-Oberrhein überhaupt Hechte aus dem Rhein für die Zucht von Junghechten fangen kann.
Frage nach der Zukunft
Bleibt die Frage offen, ob das einstmals recht schmucke Gebäude der Hechtbrutanstalt für immer seinem Schicksal überlassen bleibt oder vielleicht nach Fertigstellung der neuen B 34 wiederentdeckt, saniert und in Betrieb genommen werden kann.