Warnschilder unterhalb der historischen Fischbauchbrücke am Calwer Adlereck weisen seit einiger Zeit auf möglichen Steinschlag hin, Parkplätze sind gesperrt. Wie groß ist die Gefahr?
Manch einen, der unter den drei Bahnbrücken am Adlereck in Calw hindurchfährt, beschleicht noch heute ab und an ein ungutes Gefühl. Und der Gedanke: Was hätte nicht alles passieren können?
Sechs Jahre ist es her, seit eine erschreckende Nachricht in Calw über Nacht überregional für Schlagzeilen sorgte. Im April 2019 war die B 296 völlig überraschend und buchstäblich über Nacht am Adlereck abgeriegelt worden.
Spannstäbe wiesen Risse auf
Der Grund: Eine der drei Bahnbrücken dort, die mittlere, war zuvor im Zuge einer turnusgemäßen Prüfung unter die Lupe genommen worden. Diese zog eine weitere, genauere Untersuchung nach sich – mit verheerendem Ergebnis.
Spannstäbe, die die Brücke sicherten, wiesen Risse auf. Und theoretisch hätte die Brücke jederzeit einstürzen können. Während das Bauwerk gesichert wurde, war die Stadt wochenlang in zwei Teile gespalten.
Mittlerweile ist Gras über die Sache gewachsen; bange Blicke nach oben sind am Adlereck wieder seltener geworden. Vergessen ist die potenzielle beinahe-Katastrophe jedoch nicht.
„Einzelne Steine haben sich gelöst“
Und so wecken die Absperrungen und Schilder, die seit einiger Zeit unter der historischen Fischbauchbrücke stehen und vor Steinschlag warnen, ungute Assoziationen. Der Hintergrund ist jedoch weit weniger ernst.
David Mogler, Persönlicher Referent des Oberbürgermeisters und Wirtschaftsbeauftragter der Stadt Calw, erklärt, was dahintersteckt.
„Sowohl am südlichen Widerlager der Fischbauchbrücke als auch – stärker – an der West-Flügelwand der benachbarten DB-Brücke gibt es fortgeschrittene Ausbrüche“, berichtet Mogler auf Anfrage unserer Redaktion. „Einzelne Steine haben sich gelöst und sind am 4. Mai herabgefallen.“ Seitdem sind die Parkplätze an dieser Stelle abgesperrt.
Eine Ortsbegehung durch Ingenieure habe am 7. Mai dann lose Stellen und weitere Abplatzungen bestätigt. Die Sperrung bleibe daher bis auf Weiteres bestehen, mindestens jedoch, bis alle losen Steine entfernt seien, eine Schutzmaßnahme (etwa ein Steinschlagschutznetz) installiert ist und eine erneute fachtechnische Kontrolle keine Gefährdung mehr feststelle.
Voraussichtlich dauere das noch einige Wochen; ein konkretes Datum könne erst nach Abschluss der Arbeiten genannt werden.
Anders als noch 2019 besteht aber zumindest für die Brücke „nach der Kurzbegutachtung aktuell kein akuter Handlungsbedarf, das Bauwerk wird aber engmaschig überwacht“, so Mogler.
Als Sofortmaßnahme seien sämtliche losen Steine abgeklopft und der betroffene Parkbereich abgesperrt worden.
Regelmäßige Sichtkontrollen geplant
Kurzfristig stehe die Entscheidung über ein Steinschlagschutznetz und dessen Montage an, mittelfristig seien regelmäßige Sichtkontrollen der Widerlager und Flügelwände geplant.
Die Abstimmung hierzu erfolge zwischen dem Zweckverband Hermann-Hesse-Bahn, der DB Netz, der Stadt Calw und dem Ingenieurbüro. Ein erstes Treffen habe bereits Anfang Mai im Calwer Rathaus stattgefunden.