Elvira und Heinz Dold haben 28 Jahre lang die Metzgerei geleitet. Foto: Stahl

Das traditionsreiche Kuhbacher Geschäft von Heinz und Elvira Dold schließt zum 20. Dezember. Das Ehepaar stand 28 Jahre hinter der Theke.

Das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür, für die Metzgerei Dold wird es das letzte sein: Heinz und Elvira Dold schließen ihr Geschäft in der Kuhbacher Hauptstraße zum 20. Dezember. Darüber informierten die Inhaber in einem Flyer (siehe Info). „Jeder Kunde spricht uns darauf an und bedauert, dass wir schließen“, erzählt das Ehepaar Dold im Gespräch mit unserer Redaktion.

 

Die Entscheidung sei jedoch unumgänglich und habe mehrere Gründe, vor allem gesundheitliche: „Ich habe eine Operation im Januar und werde dann einige Zeit außer Gefecht sein“, erzählt Heinz Dold. Schulter, Hüfte und Gelenke seien lädiert durch jahrzehntelange körperliche Arbeit, so der 64-Jährige. Ein weiteres Problem: Personalnot. „Aktuell haben wir sieben Mitarbeiter, früher waren es noch bis zu 14“, verrät der Metzger. Einige seien in Ruhestand gegangen, andere haben gekündigt.

Die Suche nach geeignetem Personal gestalte sich sehr schwierig „und zu zweit können wir nicht an einem Freitag oder auch Samstag 20 Kunden gleichzeitig bedienen“, bringt es Elvira Dold (63) auf den Punkt. Man habe auch Nachfolger gesucht, die den Betrieb weiterführen möchten. Weder betriebs- noch familienintern sei man aber fündig geworden. Dass weder einer der drei Söhne noch die Tochter die Metzgerei übernehmen, kann Elvira Dold nachvollziehen: „Sie haben jahrelang mitbekommen, wie stressig die Arbeit ist.“ Zudem wisse sie auch nicht, wie die Kunden einen Nachfolger annehmen würden, da sie an die bisherigen Inhaber gewöhnt seien.

Die Kinder möchten das Geschäft nicht übernehmen

Was bedeutet die Schließung für Kuhbach? „Für das Dorf ist es sehr schlecht, außer zwei Bäckereien gibt es nichts zum Einkaufen“, stellt Elvira Dold fest. Die nächsten Metzgereien sind in Seelbach und in Lahr. Zum Vergleich: „Als ich 1978 die Lehre bei der Metzgerei Zill begonnen habe, gab es noch 14 Metzgereien in Lahr“, erinnert sich Heinz Dold. Das Metzgen sei ein Handwerk, das immer mehr zurückgehe. Für ihn ist klar: „Der Beruf geht nur mit Herzblut.“

Heinz Dold identifizierte sich früh mit dem Handwerk , er stieg in jungen Jahren bei der 1954 gegründeten Familienmetzgerei ein. Zusammen mit Elvira Dold – gelernte Industriekauffrau – übernahm er die Metzgerei Dold 1997 und führte sie in der dritten Generation. „Der Partyservice war von Anfang an ein großes Standbein“, blickt der 64-Jährige zurück.

Kinder sind mit der Metzgerei erwachsen geworden

Weitere erfolgreiche Formate waren der Mittagstisch – „bei Senioren sehr beliebt“ – und der Verkaufsautomat, der rund um die Ohr geöffnet hat. Auch Schüler des Geroldsecker Bildungszentrums in Seelbach durften die Metzgerei regelmäßig bei einem Praktikum kennenlernen. „Dabei haben die Praktikanten gemerkt, dass die Arbeit abwechslungsreicher ist, als sie gedacht haben“, verrät Heinz Dold.

Über die Jahrzehnte habe sich eine treue Kundenschaft gebildet. Bei einigen kenne man die Vorlieben und Interessen so gut, „dass wir vorher schon wissen, was sie kaufen werden“ ,schmunzelt die 63-Jährige. Einige Kinder aus dem Dorf seien mit dem Laden großgeworden und gehen nun als Erwachsene immer noch zur Metzgerei.

Die Metzgerei Dold in Kuhbach Foto: Stahl

„Wir haben derzeit ein Bombengeschäft“, beschreibt Heinz Dold die aktuelle Verkaufslage. Viele Menschen wollen sich noch mal eindecken, bevor der Laden schließt, lautet die Vermutung von Elvira Dold. „Rein betriebswirtschaftlich dürfen wir eigentlich nicht schließen“, betont der 64-Jährige. Es gebe aber keine andere Lösung. „Es ist emotional schwer, loszulassen“, gibt die 63-Jährige Einblick in ihre Gefühlswelt. Auch für Heinz Dold sei es ein großer Einschnitt, denn „ich habe immer geschafft“.

Am letzten Tag gibt es einen Umtrunk für die Kunden

Für die Zeit nach der Metzgerei „haben wir uns vorgenommen, zu verreisen“, erzählt die 63-Jährige. Außerdem habe man dann Zeit, sich um das Haus und den Garten zu kümmern. Wie es mit dem Metzgereigebäude weitergehe, wollen die beiden noch nicht verraten. Außerdem lassen sie eine Hintertür offen: „Wir müssen schauen, was die Operation bringt. Aber wir können uns eventuell vorstellen, den Partyservice oder den Verkaufsautomat weiterzubetreiben.“ Die Gesundheit habe aber Vorrang, bekräftigen die Inhaber. Die Kunden bedauern die Schließung, im direkten Austausch haben sie aber Verständnis dafür: „Es ist letztendlich ein harter Beruf , der auch an die Substanz geht“, so Heinz Dold.

Die Inhaber planen am letzten Betriebstag der Metzgerei Dold – also am 20. Dezember – einen kleinen Umtrunk mit Imbiss im Hof. „Damit möchten wir uns bei allen Kunden für ihre Treue bedanken und uns verabschieden“, unterstreicht Elvira Dold.

Flyer für die Kunden

 Der Flyer erklärt die Schließung „nach 28 Jahren voller schöner Momente und vertrauensvoller Zusammenarbeit“. Neben einer kurzen Begründung bedanken sich Heinz und Elvira Dold „für die langjährige Treue, Vertrauen und die vielen wertvollen Begegnungen“. Außerdem informieren sie, dass Weihnachtsbestellungen bis zum 20. Dezember abgeholt werden können und Gutscheine bis dahin eingelöst werden müssen.