Sandra Naundorf und Daniel Adler eröffnen am 19. Juli das „Marktstübli“. Foto: Köhler

Ein halbes Jahr lang haben sie den „Sod-Karle“ in Seelbach in ihr „Marktstübli“ verwandelt. Am 19. Juli legen Sandra Naundorf und Daniel Adler endlich los.

„Es herrscht noch ein bisschen Chaos“, sagt Sandra Naundorf beim Besuch unserer Redaktion lachend. Boden und Tische im neuen „Marktstübli“ sind noch vollgestellt mit Kartons, einige Überbleibsel der monatelangen Baustelle noch zu erkennen. So huscht beim Besuch unserer Redaktion auch Fliesenleger Marcel Kreischer durch die Räumlichkeiten, dichtet noch schnell die Fensterbänke ab. Dann sagt er den Satz, den das Wirte-Paar in den vergangenen Monaten häufig zu hören bekam: „Ich freue mich schon darauf, wenn es losgeht.“

 

Oft, erzählen Naundorf und Adler, haben sie ihre Freunde und Stammgäste, die sie noch vom „Sternen“ auf dem Hasenberg kennen, auf einen unbestimmten Termin vertrösten müssen. „Wir waren ja selbst ungeduldig“, zeigt Adler Verständnis für die ständigen Nachfragen. Nun können sie ihnen endlich mitteilen: Am 19. Juli geht’s los.

Viele neugierige Blicke in die Räumlichkeiten

Die Wirte haben die Einrichtung des „Sod-Karle“ komplett entfernt und ersetzt. In den vergangenen Monaten, wenn Adler und Naundorf gerade am Werkeln waren, hätten viele Seelbacher beim Vorbeilaufen neugierig hineingeschaut, berichten sie.

Unserer Redaktion zeigen sie stolz das Ergebnis: Die Räumlichkeiten wirken dank der Tische und der Theke aus Eichenholz sehr hell und einladend, die Stühle in „Couch-Optik“ sehr gemütlich. Zwischen 30 und 40 Plätze gibt es im Innenbereich, hinzu kommen in den warmen Monaten die Tische außen. Ein Hingucker ist eine Ecke, in der die Steinmauer des Gebäudes freigelegt wurde. „Es soll ein unbefangener, leichter Charakter sein. Wie wenn man bei Freunden zu Hause ist“, beschreibt Adler das Ziel der Renovierung.

Das Paar hat dabei mit vielen Handwerkern aus Seelbach zusammengearbeitet, die sie selbst schon lange kennen, erzählen sie. Fliesenleger Kreischer ist da die Ausnahme – er kommt aus Oberweier – „aber er hat bei uns im ,Sternen’ seine Hochzeit gefeiert“, erzählt Adler. Durch die enge Zusammenarbeit mit Freunden hätten die beiden Wirte ihre Vorstellungen sehr gut umsetzen und das Feedback der Handwerker einfließen lassen können.

Handwerkereröffnung ist schon am 18. Juli

Danken wollen sie ihnen bei der Handwerkereröffnung am 18. Juli, zu der sich auch Bürgermeister Michael Moser angekündigt hat. Der Ablauf des Abends ist offenbar schon vorgezeichnet, denn: „Viele der Handwerker haben sich ihren Lieblingsplatz schon ausgesucht“, berichtet Naundorf.

Der neue Standort bietet für die beiden Gastronomen einige Vorteile. Nicht nur gibt es mehr Laufkundschaft, was die neugierigen Blicke der Passanten schon bewiesen haben, auch für das Personal ist das Marktstübli im Vergleich zum Höhengasthaus „Sternen“ viel besser zu erreichen. Zudem brauchen sie aufgrund der geringeren Anzahl an Plätzen auch weniger Mitarbeiter. „Vom Personal her sind wir toll aufgestellt. Viele sind geblieben“, freut sich Naundorf.

Wirte wollen ihre eigene Geschichte schreiben

Geöffnet hat das „Marktstübli“ – „unser Wohnzimmer in der Marktstraße“ – künftig freitags bis dienstags. Warme Küche gibt es durchgehend von 11 bis 20.30 Uhr – dienstags bis 15 Uhr –, um flexibel zu sein, wenn etwa Feriengäste vom Ausflug zurückkommen und ihnen der Magen knurrt. Wie im „Sternen“ setzen Naundorf und Adler wieder auf gut bürgerliche Küche und kündigen außerhalb der klassischen Gerichte auch „Specials“ an. Dabei wollen sie nicht die Geschichte des Hauses in der Marktstraße 1 vergessen. Naundorf kündigt an, für die Gäste auch nach Original-Rezepten von ihrem Vorgänger, Hubert Weber, zu kochen. Geplant ist auch noch eine Hinweistafel, die die Historie des „Sod-Karle“ darstellen soll.

Für den Namenswechsel haben sich die beiden bewusst entschieden. „Der ,Sod-Karle‘ – das sind nicht wir“, stellt Naundorf klar. Sie wollen mit dem „Marktstübli“ ihre eigene Geschichte schreiben. Für langjährige Freunde der Wirte gibt es auch ein kleines „Easter Egg“: Die Holzscheiben hinter den Kleiderhaken stammen von Bäumen vom Hasenberg.

„Wir haben viele Arbeiten selbst erledigt und es hat auch Spaß gemacht“, erklärt Adler. Dennoch ist dem Paar beim Besuch unserer Redaktion die Freude auf die Neueröffnung anzumerken. Sie wollen Spachtel, Pinsel und Bohrmaschine endlich wieder gegen den Kochlöffel eintauschen und ihren Gästen zeigen: Das Warten hat sich gelohnt.

Die Geschichte

Der „Sod-Karle“ in der Marktstraße 1 wurde bis Januar von Hubert Weber und Sanda Weber-Glazer betrieben, die altersbedingt aufhörten. Am gleichen Tag hatten Sandra Naundorf und Daniel Adler im Höhengasthaus „Sternen“, das sie schweren Herzens aus Gründen des Personalmangels aufgeben mussten, ihren letzten Tag. Da sie der Gastronomie treu bleiben wollten, übernahmen die beiden den „Sod-Karle“ und widmeten ihn zum „Marktstübli“ um. Das Höhengasthaus wird inzwischen von der Familie Göppert als Eventlocation betrieben.