Sorgen vielerorts für erhitzte Gemüter: ungeleerte Papiertonnen Foto: Michael Werndorff

Überfüllte Tonnen und ausgebliebene Leerungen sorgen derzeit bei vielen Bürgern im Landkreis Lörrach für Unmut.

Vor allem Papiertonnen, aber auch Restmülltonnen, bleiben dieser Tage in vielen Gemeinden im Landkreis Lörrach ungeleert stehen, wie der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt. Dieser weist darauf hin, dass die blauen Papiertonnen privatwirtschaftlich organisiert und kein Angebot der Abfallwirtschaft des Landkreises sind.

 

Dennoch erreichen den Eigenbetrieb zahlreiche Anfragen zur Abholung der blauen Tonnen. Vielen Bürgern sei die Zuständigkeit nicht bewusst, teilt Johannes Steffan von der Abfallwirtschaft mit. „Wichtig ist uns die klare Trennung zwischen den Leistungen, die die Firma Kühl im Auftrag des Landkreises erbringt, und den rein privatwirtschaftlichen Angeboten des Unternehmens.“ Vertragliche Beziehungen bestünden ausschließlich im Bereich der Restabfall- und Biotonnenabfuhr.

„Treten dort Probleme auf, steht unser Service Center zur Verfügung und sorgt dafür, dass reklamierte Behälter zeitnah geleert werden“, so Steffan. Bei den Papiertonnen sei dies nicht möglich, und Bürger müssen sich daher bei deren Nichtleerungen direkt an die Firmen Kühl oder Remondis wenden.

Personelle Engpässe

Die Entsorgungsunternehmen Remondis und Kühl haben dabei den Landkreis aufgeteilt: Während Remondis für Rheinfelden, Schopfheim und das Wiesental zuständig ist, bedient Kühl Lörrach, Weil am Rhein und Grenzach-Wyhlen mit Papiertonnen. Die aktuellen Schwierigkeiten bei der Abholung beruhen auf mehreren Faktoren, weiß Steffan. „Die ungünstige Feiertagskonstellation zum Jahreswechsel 2025/2026 führte dazu, dass aufgrund der Lage von Weihnachten und Neujahr ungewöhnlich viele Werktage entfielen. Die dadurch notwendigen Verschiebungen der Abholtermine verdichteten die Touren erheblich, sodass zusätzlich auch Samstage einbezogen werden mussten, die normalerweise für allgemeine Nachholfahrten reserviert sind.“

Gleichzeitig kämpfe das Unternehmen – wie viele Entsorger – mit personellen Engpässen. „Durch den demografischen Wandel fallen erfahrene Fahrer aus oder gehen in den Ruhestand, während neues Personal erst eingearbeitet werden muss“, erklärt der Sprecher. Diese Einarbeitung sei zeitaufwendig, da neben dem Fahren auch detaillierte Ortskenntnisse notwendig sind. „Neue Fahrer kennen kleinere Seitenstraßen oder versteckte Abzweige oft noch nicht, was dazu führt, dass einzelne Behälter übersehen und stehengelassen werden. Die dadurch entstehenden Reklamationen erforderten zusätzliche Nachfahrten und binden weitere Kapazitäten.“ Dabei ziehe die Firma Kühl zugunsten der Sicherstellung der kommunalen Abfallabfuhr teils Personal aus den privatwirtschaftlichen Sammlungen ab, betont Steffan.

Verlässliche Abfuhr

„Da die Abfallwirtschaft des Landkreises für die Organisation und Steuerung der Abholung der blauen Tonnen nicht zuständig ist, liegt unser Schwerpunkt auf der verlässlichen Abfuhr von Rest- und Bioabfällen, für die klare vertragliche Regelungen und Eingriffsmöglichkeiten bestehen“, wie er weiter darlegt. Einfluss auf privatwirtschaftliche Angebote könne der Eigenbetrieb nämlich nicht ausüben.

Um dennoch eine funktionierende Entsorgung sicherzustellen, bestehe für die Bürger weiterhin die Möglichkeit, Papier und Kartonage auf den Recyclingzentren und Recyclinghöfen abzugeben. Zusätzlich werde sortenreines Papier in vielen Gemeinden durch Vereine in Kooperation mit dem Landkreis gesammelt, wodurch gleichzeitig die Vereine unterstützt werden.

Und was sagen die privaten Entsorger? Kühl wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht äußern und verwies an den Landkreis Lörrach. Stefan Jansick, Niederlassungsleiter von Remondis, erklärte, dass alle Fahrzeuge und Mitarbeiter im Einsatz seien. „Wir sind voll auf Stand, andere Infos liegen mir nicht vor.“ Es gebe keine Beschwerden.

Weitere Infos zu Abfuhrterminen finden Interessierte unter www.abfallwirtschaft-loerrach-landkreis.de.