Damit es im Zollernalbkreis in Zukunft nicht so aussieht wie auf diesem Foto, springt die Kreisverwaltung in Sachen Altkleidersammlung ein. (Symbolfoto) Foto: Sonja Schön-Basar

Der Markt für Altkleider ist eingebrochen, gemeinnützige Sammler ziehen sich zurück. Der Zollernalbkreis muss nun einspringen – und eigene Container kaufen.

Kaum etwas ist in den vergangenen Jahren derart zum Massenkonsum verkommen wie der Kauf neuer Klamotten. Immer billigere Preise zu immer schlechterer Qualität und die nahezu endlose Auswahl verleiten Menschen zu nie getragenen Spontankäufen. Dieser Wohlstandsüberfluss kannte bislang eine komfortable Lösung: Altkleidersäcke. Doch die Zeiten haben sich geändert.

 

Die Nachfrage nach getragener Kleidung ist drastisch eingebrochen. Das hat viele Gründe – allen voran die schiere Menge nicht mehr benötigter Klamotten. Durch „Fast Fashion“ existiert heutzutage erheblich mehr Kleidung als noch vor einigen Jahren. Dazu kommt die minderwertige Qualität der Billigware: Was früher verwertbar war, wandert heutzutage in die Tonne. Für Organisationen wie das Rote Kreuz, die Malteser oder den Arbeiter-Samariter-Bund rentieren sich die Sammlungen nicht mehr. Es finden sich kaum noch Abnehmer für die Altkleiderberge.

100.000 Euro Mehrkosten

Für den Zollernalbkreis bedeutet das: Eigenverantwortung. Daher berät der Ausschuss für Umwelt und Technik in seiner kommenden Sitzung darüber, wie verfahren wird. Die Idee: viele Altkleidercontainer kaufen und gemeinnützige Sammler beauftragen. Bislang hatte der Landkreis die Organisationen fürs Sammeln der Altkleidersäcke finanziell entlastet – aus Rechtsgründen schwenkt die Kreisverwaltung aber um. Fortan soll das Sammeln nur noch per Direktauftrag erfolgen.

Der Direktauftrag dient als Übergang. Für das anschließende Verwerten ist eine zunächst auf zwölf Monate befristete Ausschreibung vorgesehen. Hintergrund ist ein angedachtes EU-Gesetz, das die Textilhersteller künftig in die Verantwortung nehmen will: Wer massenhaft Kleidung produziert, soll sie auch verwerten müssen.

Die EU erhofft sich dadurch einen gewissen Steuerungseffekt. Wann das Gesetz kommt, steht noch in den Sternen. Daher organisiert der Zollernalbkreis die Sammlung künftig in eigener Verantwortung. Operativ beauftragt er dafür gemeinnützige Sammler und regionale Dienstleister.

Kommunen in der Pflicht

Für 2026 müssten bis zu 135.000 Euro zusätzlich genehmigt werden. Im Haushalt stehen bislang nur 25.000 Euro. Der Direktauftrag würde dabei bis zu 100.000 Euro kosten, weitere 25.000 Euro sind für die Leerung der Container vorgesehen. Zusätzlich plant der Kreis, bis zu 70 eigene Altkleidercontainer anzuschaffen. Stückpreis: zwischen 100 und 250 Euro. Aufgestellt werden sollen sie an den bisherigen Glascontainer-Standorten. Gesammelt werden die Alttextilien außerdem in den zehn Wertstoffzentren im Zollernalbkreis.

Hinzu kommt: Der Landkreis handelt nicht freiwillig. Seit 2025 sind Kommunen gesetzlich verpflichtet, Alttextilien getrennt zu sammeln. Sie dürfen nicht mehr im Restmüll entsorgt werden. Einzige Ausnahme: kaputte Kleidung. Das Einstellen der Sammlung ist daher keine Option. Fällt der Markt als wirtschaftlicher Träger weg, bleibt die Verantwortung beim öffentlichen Entsorgungsträger. Was Rotes Kreuz und Co. nicht mehr leisten können, stemmt fortan also der Landkreis.