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Althengstetter Waldkindergarten Überqueren der Straße wird zum "Nervenkitzel"

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Am Abzweig von der Kreisstraße 4309 zum Wanderparkpplatz nahe des Althengstetter Waldkindergartens steigt der Puls von Erzieherinnen und Eltern. Foto: Parage

Mitten in der Natur, im "Gerechtigkeitswald" zwischen Neuhengstett und Ottenbronn, liegt der Waldkindergarten. So idyllisch haben es nur wenige Kindergartenkinder. Mit der Idylle ist es allerdings jäh vorbei, sobald sie sich der viel befahrenen Kreisstraße 4309 nähern. Eltern, Erzieherinnen und Gemeinde wünschen sich ein dauerhaftes Tempolimit. Mehr dazu lesen Sie in unserem (SB+)-Artikel.

Althengstett - "Für uns ist es echt ein Nervenkitzel, wenn wir mit den Kindern da rüber wollen", sagt Carmen Hollein, die Leiterin des Waldkindergartens, über die Kreisstraße zwischen Neuhengstett und Ottenbronn. Dort geht’s, vom Abzweig nach Möttlingen her kommend, rechts ab in den Wald zu einem Wanderparkplatz und dem nahen Kindergarten. Schon mit dem Auto dort abzubiegen, wenn die Kleinen morgens gebracht und mittags abgeholt werden, sei schwierig. Zu viele Autos sind in dem Bereich zu schnell unterwegs, berichtet die Erzieherin. Besonders gefährlich wird es für Eltern, die ihre Kinder mit Fahrrad und Anhänger bringen oder eben, wenn die Erzieherinnen mit den 20 Kindern einmal den Wald verlassen und die Straße überqueren möchten.

"Die fahren halt echt irre", meint Hollein. Manche Autofahrer würden zwar langsam tun oder gar anhalten, wenn sie die Kinder sähen. "Aber andere sind da völlig schmerzfrei." Das bestätigt Julia Robaczewski, Vorsitzende des Waldkindergarten-Trägervereins – obwohl in dem Bereich derzeit Tempo 60 statt der üblichen 100 Stundenkilometer gilt.

Außerdem sagt Robaczewski, dass die Eltern inzwischen besonders früh blinken, wenn sie auf den Parkplatz abbiegen wollen. Dabei erleben sie, dass sie von anderen Verkehrsteilnehmern angehupt und überholt werden. "Man hat einfach ein ungutes Gefühl."

Bürgermeister plädiert für Begrenzung auch wegen Einmündungen

Seit Langem ist der Verkehr am Abzweig zum Waldkindergarten Thema in Althengstett. Der Trägerverein des Kindergartens hatte sich bereits 2019 an die Landkreisverwaltung, zuständig für die Kreisstraße, gewandt und um ein Tempolimit gebeten. Denn hier darf normalerweise 100 gefahren werden. "Aber da wurde unser Anliegen abgelehnt", erzählt die Vorsitzende. Anfang 2020 versuchte es der Verein noch einmal. Daraufhin stellte die Behörde zumindest ein "Vorsicht Fußgänger"-Schild auf.

Im Oktober folgte dann ein weiteres Schreiben: Aufgrund der Umleitungen wegen diverser Baustellen in Calw wurde in Hirsau eine 30er-Zone eingerichtet, sagt Julia Robaczewski. Das machte den Eltern Hoffnung, dass es mit dem Tempolimit an der Kreisstraße doch noch klappen könnte. Dazu kam, dass auch die Gemeinde Althengstett in der Sache in Kontakt mit dem Landkreis ist – für den Verein ist das Hilfe und Motivation zugleich. Die Bemühungen zeigten Erfolg: Nun gilt in dem Bereich Tempo 60 – allerdings nur übergangsweise.

Tatsächlich plädiert auch die Althengstetter Verwaltung für eine dauerhafte Reduzierung der Geschwindigkeit. Allerdings mag der Rathaus-Chef das Wort "Rasen" nicht, denn das schüre Emotionen. Clemens Götz erklärt: "Die Strecke ist für 100 Stundenkilometer erlaubt – und wenn ein Auto mit 100 oder 110 Stundenkilometern in wenigen Metern Entfernung an einer Person vorbeifährt, wird das als sehr schnell und als unangenehm empfunden." Dasselbe gilt für Situationen, in denen Autos auf die K  4309 einbiegen – etwa von der Deponie, von Möttlingen oder Neuhengstett her – und sich dann schnell andere Fahrzeuge nähern.

"Deshalb geht es mir nicht ums ›Rasen‹ (und damit die moralische Vorverurteilung der ›bösen Autofahrer‹ sowie die berechtigte Gegenwehr der Autofahrer gegen Vorverurteilungen)", erläutert der Bürgermeister, "sondern darum, dass die aktuell erlaubte Höchstgeschwindigkeit der Verkehrssituation mit vielen Einmündungen und auch Querungen nicht angemessen ist. Es geht um die ganze Strecke von der Deponieausfahrt bis zur Einmündung Neuhengstett." Die Gemeinde argumentiert, dass angesichts der vielen Einmündungen in dem Abschnitt generell 80 gelten sollte. So, meint Götz, wäre ein Tempolimit Autofahrern vermittelbar. "Und dann könnte man – nachvollziehbar für Autofahrer – am Waldkindergarten auch auf die 60 Stundenkilometer reduzieren."

So weit aber ist es noch nicht. Das Landratsamt bekräftigt auf Nachfrage, dass das derzeitige Tempo 60 rund um den Abzweig zum Waldkindergarten lediglich "für den Zeitraum der sich aus der Sperrung in Calw ergebenden Umleitung des Bundesstraßenverkehrs Richtung Stuttgart" gilt.

Bisher keine Gründe für Reduzierung über Baustellenzeit hinaus

Um dauerhaft die Geschwindigkeit zu begrenzen, muss eine "straßenverkehrsbehördlich festgestellte Gefahrenlage" vorliegen, "die auf besondere örtliche Verhältnisse zurückzuführen ist und das allgemeine Risiko einer Beeinträchtigung insbesondere von Leben und Gesundheit von Verkehrsteilnehmern erheblich übersteigt", erklärt die Sprecherin des Landkreises Calw, Anja Reinhardt. Obwohl in dem Bereich bereits mehrfach Geschwindigkeitskontrollen stattgefunden hätten, seien bislang noch keine Auffälligkeiten festgestellt worden, die ein dauerhaftes Tempolimit begründen würden.

Derzeit wird laut Reinhardt allerdings geprüft, wie sich die Beschilderung "Achtung Fußgänger auf 250 Meter" auf die Verkehrssituation vor Ort auswirkt "und ob Fußgänger oder Radfahrer im Längs- oder Querverkehr in besonderer Weise gefährdet sind und dieser Gefährdung durch eine Beschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit entgegengewirkt werden muss".

Das dürfte den Eltern des Waldkindergartens Hoffnung machen. Schon dauerhaft Tempo 80 wäre ein Fortschritt, meint Julia Robaczewski. "60 oder 70 wäre toll."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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