Alternativlos war die Schließung des Handwerksbetriebs im März 2024. Der Grund: Personalmangel. Inhaber Sascha Kling hat aber nicht aufgegeben und sein Ladengeschäft in der Bahnhofstraße jetzt wiedereröffnet.
So schnell wie sich die Schließung des Betriebs im Ort herumgesprochen hatte, so rasch hatte sich auch im Flecken verbreitet, dass Kling sein Geschäft wieder öffnet, wenn auch in reduziertem Umfang und mit anderem Angebot. Über zu wenig Kundschaft konnte sich der Metzgermeister, der den Betrieb 2018 übernommen hatte, nie beschweren. Doch der Fachkräftemangel schlägt auch in Metzgereien voll durch, weiß Kling aus eigener Erfahrung. Er schloss schweren Herzens seinen Betreib, und da, wo früher die Ladentür war, wurde ein Verkaufsautomat eingebaut.
Verkaufsautomat zieht um
Der ist inzwischen wieder entfernt worden und befindet sich jetzt seitwärts bei den Kundenparkplätzen, weil die Metzgerei seit Kurzem wieder geöffnet hat – an zwei Tagen die Woche – an einem vormittags, am anderen nachmittags. Seit der Schließung vor fast einem Jahr war es für den Betriebsinhaber mehr als unbefriedigend, jeden Tag den leeren Verkaufsraum zu sehen. Also beschloss er, noch einmal Anlauf zu nehmen und startete die Mitarbeitersuche.
Keine Wochenendarbeit mehr
Um Verkaufstalente zu finden, warb Kling mit einem Stundenlohn, der dem von gelernten Fleischereifachverkäufern entspricht, Weihnachtsgeld und Sonderzuschlägen obendrauf und mit einem satten Personalrabatt. Wochenendarbeit wurde von vornherein ausgeschlossen. Der Plan ging auf, auch wenn ihm dabei die Schließung eines Metzgereibetriebs in der Nachbarkommune in die Hände spielte, wie Kling unumwunden zugibt. Drei Verkäuferinnen konnten eingestellt werden.
Großer Zulauf am ersten Tag
„Es wurde sehnsüchtig auf unsere Wiedereröffnung gewartet“, berichtet Kling im Gespräch mit unserer Redaktion. Der Zulauf am Wiedereröffnungstag sei „super“ gewesen. Man bediene die Kunden zu viert, es gebe so gut wie keine Wartezeit. Kling spricht vom „alten Rhythmus“ und einer neu angeschafften Schneidemaschine, die drei Sorten Wurst gleichzeitig in Scheibenform bringt.
Kleineres Sortiment
Das Sortiment habe man ausgedünnt, Käse und Feinkostsalate wie früher gebe es nicht mehr, „und statt 15 Sorten Salami jetzt eben nur noch fünf bis sechs“. Das erleichtere Einkauf und Lagerung bei zwei Öffnungstagen pro Woche. „Unsere Zukunft ist eine Mischung aus klassischem Bedienen im Laden und dem Verkauf unserer Produkte über den Automaten am Gebäude“, ist der Metzgermeister überzeugt.
„Sinnloser Bürokratiewahnsinn“
Der Althengstetter Handwerker brennt für seinen Beruf. Es darf in seinen Augen nicht sein, dass immer mehr Metzgereien schließen müssen. Endgültig aufzugeben, war für Kling keine Option. Der Erfolg ab dem Wiedereröffnungstag gibt ihm recht. Im Gespräch kommt Kling dann unweigerlich auf ein weiteres Thema zu sprechen, das Handwerkern das Leben schwer machen kann: „sinnloser Bürokratiewahnsinn“.
Umfangreiche Dokumentation
Dass gewisse Vorgaben und Hygienevorschriften in Betrieben wie seinem eingehalten werden müssen, stellt er nicht infrage, wohl aber deren Umfang, vor allem die damit verbundene schriftliche Dokumentation. „X-mal am Tag müssen Temperaturkontrollen in den Kühlräumen stattfinden und schriftlich festgehalten werden“, nennt der Metzgermeister ein Beispiel. Ein weiteres: Rückstellproben der hergestellten Fleischereiprodukte, die nach der Herstellung unter rechtlichen Vorschriften aufbewahrt werden müssen. „Dosenwurst muss nach einem Jahr aufgemacht werden“, so Kling, um zu sehen, ob sie noch in Ordnung sei. Mit weniger bürokratischem Aufwand „hätte ich mehr Zeit für meinen Laden“, moniert Kling.
Kritik an Behörden
„Mehr Einsicht und Feingefühl“ wünscht sich der Metzgermeister von den Behörden. Erst bei einer der jüngsten Kontrollen der Abteilung Verbraucherschutz und Veterinärdienst des Landratsamts seien seine Produktionsräume blitzblank und den Vorschriften entsprechend alle Maschinen gereinigt gewesen – trotzdem sei er das Gefühl nicht los geworden, dass Kleinigkeiten gesucht worden seien, die man dann auch beanstandet habe. „In Zeiten, in denen immer weniger Menschen für das Fleischerhandwerk begeistert werden können, wirkt das , außer der Bürokratie, abschreckend“, beklagt Kling.