Althengstetter Pfarrer Martin Schoch (links) und Pfarrer Klaus Wachlin (rechts) freuen sich über den Besuch von Gabriele Bartsch (Mitte) beim Gäudialog. Foto: Biermayer Foto: Schwarzwälder Bote

Debatte: Gabriele Bartsch spricht bei 11. Gäudialog / Parteivertreter wurden vom Kirchentag ausgeladen / Sorge um Fake-News

Wie viel Toleranz braucht die Demokratie? Unter diesem Motto luden die evangelischen Kirchengemeinden Althengstett und Neuhengstett-Ottenbronn am Donnerstagabend zum elften Gäudialog ein.

Althengstett. Der Gäudialog findet zweimal jährlich zu gesellschaftsrelevanten Themen statt. In der jüngsten Ausgabe ging es um Toleranz. Grund für das Thema war die Entscheidung des evangelischen Kirchentages in diesem Jahr, keine Repräsentanten der AfD einzuladen. Eine Entscheidung, die unter den Gläubigen heftig diskutiert wurde. Von besonderer Brisanz ist dieser Beschluss auch deshalb, weil sich der katholische Kirchentag anders entschieden hat.

Schwieriger Balanceakt, Interessen aller Gruppen zu berücksichtigen

Passend dazu sprach beim Gäudialog die Soziologin und Kulturwissenschaftlerin Gabriele Bartsch, die zum Präsidium des evangelischen Kirchentages gehört. Bartsch lotete zu Beginn die Toleranz ihrer Zuhörer aus. Sie sollten über ihre eigenen Standpunkte zu Themen wie Kopftuch, Burkaverbot oder den schwänzenden "Fridays for Future"-Schülern nachdenken. Bartsch kam zu dem Schluss, dass Toleranz immer kontextbezogen ist.

Anschließend erläuterte sie, dass Toleranz auf Werten und Engagement beruht, die auch aus einer christlichen Tradition kommen. Es sei ein schwieriger Balanceakt, die berechtigten Interessen einzelner Gruppen zu berücksichtigen und trotzdem einen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu entwickeln. Auch deshalb sei die Entscheidung richtig, AfD-Vertreter vom Kirchentag auszuschließen, da diese sich durch menschenfeindliche Aussagen disqualifiziert hätten und diesen Zusammenhalt gefährdeten.

Man müsse seine Feinde lieben, weil auch Gott es tue

Der frühere Ottenbronner und Neuhengstetter Pfarrer Klaus Wachlin ordnete die Toleranzdebatte anschließend theologisch ein. "Im alten Testament ist Toleranz schwer zu finden", erklärte er. Gott zeige sich in diesen Geschichten liebend, aber gerade deshalb auch eifernd. Im neuen Testament hingegen finde sich durch den Missionierungsgedanke ein klares Bekenntnis zur Toleranz. "Gott liebt alle Menschen, egal ob gut oder böse, egal ob Christ oder nicht", führte er aus. Deshalb müsse man seine Feinde lieben, weil auch Gott dies tue.

Durch die anschließende Diskussion mit dem Publikum führte der Althengstetter Pfarrer Martin Schoch. Es fanden sich einige Stimmen, die Verständnis für den Ausschluss der AfD vom Kirchentag zeigten, jedoch auch mit gewissen Einschränkungen. "Es kann nicht sein, dass man nur mit denen diskutiert, die man mag. Man muss Konflikte auch austragen", hieß es aus dem Publikum.

Es kam auch der Vorwurf auf, dass der evangelische Kirchentag sich in seiner links-liberalen Blase abschotte und die Sorgen mancher Menschen nicht ernst nehme.

Referentin plädiert für mehr Offenheit als Grundlage für Toleranz

Bartsch entgegnete daraufhin, dass nur die Repräsentanten, nicht aber die Mitglieder oder Befürworter der AfD, ausgeladen wurden. Auch die Sorge um Fake News und die damit fehlende Grundlage für eine gute Debatte trieb das Publikum um.

Auch wenn der Gäudialog die komplexe Fragestellung nicht beantworten konnte, brachte er die Anwesenden zum Nachdenken. Bartsch plädierte für mehr Offenheit als Grundlage für die Toleranz. Pfarrer Jörg Schaber formulierte es in seinem Schlusswort treffend: "Es konnte noch niemand den Hass besiegen, der ihn nicht zuerst bei sich selbst besiegt hat."