Kommunales: Konstruktive Diskussion um geplantes Baugebiet / Neuer Wohnraum auf fast fünf Hektar Fläche mitten im Dorf

Althengstett-Ottenbronn. Das erlebe man nicht alle Tage, freute sich Bürgermeister Clemens Götz: Verwaltung und Gemeinderat planten die Entwicklung eines neuen Baugebiets von circa 4,6 Hektar und die Bevölkerung ziehe mit. Während in anderen Kommunen vergleichbare Vorhaben häufig eine Abwehrhaltung in der Bevölkerung auslösten, sei die Mehrzahl der Ottenbronner Bürger aufgeschlossen für die Möglichkeiten, die die bauliche Entwicklung des Gebiets Wasenäcker biete, erklärte der Schultes nach einer Informationsveranstaltung der Gemeinde.

Diese konnte pandemiebedingt nur als Videokonferenz stattfinden. Ortsvorsteher Richard Dipper war überrascht und hoch erfreut über die Beteiligung an dieser virtuellen Bürgerversammlung, heißt es in einer Pressemitteilung. Mehr als 60 Computer interessierter Bürger seien zeitweise an dem Austausch zum neuen Baugebiet zugeschaltet gewesen.

Wesenskern herausgestellt

Zu der grundsätzlich offenen, von Sachlichkeit geprägten Atmosphäre trug laut Mitteilung die zu Beginn gezeigte Präsentation von Angelika Holzäpfel (Gemeinderätin) und Manfred Rose (Ortschaftsrat) bei, erklärte der Schultes nach der Veranstaltung. Die beiden versuchten dem oft zitierten "dörflichen Charakter" auf die Spur zu kommen und anhand eines kurzen Streifzugs durch die Geschichte Ottenbronns, seinen Wesenskern herauszuarbeiten. Sie stellten dabei vor allem das Miteinander und die Begegnungen als wichtige Bestandteile dessen heraus, was das Leben in einem Dorf wie Ottenbronn so lebenswert macht.

Harriet Marina-Reitz und Michael Schöffler vom Planungsbüro Schöffler erläuterten anhand des städtebaulichen Entwurfs, wie das neue Baugebiet diese wesentlichen Aspekte des dörflichen Charakters stärken und unterstützen kann. Eine Besonderheit sei, dass das Gebiet Wasen­äcker mitten im Ort liege und somit eine einmalige Entwicklungschance für Ottenbronn darstellte, erläuterte Schöffler.

Im Herzen des neuen Baugebiets sind vier mehrstöckige Gebäude vorgesehen, die beispielsweise auch Platz für neue Wohnformen bis hin zu Betreutem Wohnen bieten könnten. Weiter ist ein Quartiersplatz geplant, der Begegnungsmöglichkeiten für Jung und Alt schafft. Bei der Höhe der neuen Bebauung werde man sich an den vorhandenen Gebäuden im Ort orientieren, betonte Marina-Reitz. Entlang der bestehenden Bebauung sind vor allem kleinere Einfamilienhäuser geplant, um auf die Interessen der dortigen Bewohner einzugehen.

Ökologisch sinnvoll

Zur allgemeinen Zustimmung dürfte auch der ökologisch sinnvolle Ansatz der innerörtlichen Nachverdichtung beitragen, der einer weiteren Zersiedelung der Landschaft vorbeugt. Neben einer Art "Nesthilfe für junge Familien" wünscht sich der ortsansässige Architekt Gustav Dingler einen effizienten Umgang mit der wertvollen Ressource Boden und ein naturnahes Wohnen im neuen Baugebiet. Seine Anregungen und Vorschläge werden in den weiteren Prozess einfließen, sicherten Götz und Dipper zu.

Eine Diskussion entspann sich über die Verkehrsführung, insbesondere am Quartiersplatz. Ob sich die gewünschte fußläufige Anbindung an den Dorfplatz herstellen lässt, hängt von noch laufenden Gesprächen und der Bereitschaft der betreffenden Grundstückeigentümer ab.

Breite Zustimmung fand der Gedanke eines kleinen Mehrgenerationenparks. Bereits im Vorfeld war sich der Ortschaftsrat einig, dass, wenn das neue Baugebiet kommt, hier nicht einfach ein weiterer Kinderspielplatz entstehen soll, sondern ein Platz für alle.

Fast zwei Stunden lang beantworteten Bauamtsleiter Hans Wurster, Ortsvorsteher Dipper und Bürgermeister Götz die Fragen der Einwohner. Alle Anregungen wurden aufgezeichnet und werden in den entsprechenden Gremien weiter beraten. Die ersten Bagger werden jedoch kaum vor 2024 anrücken. Die Aufsiedelung des Gebiets soll nach Möglichkeit zeitlich gestreckt werden, um die Infrastruktur des Ortes mit seinen circa 1400 Einwohnern nicht zu überfordern. Letztlich werde dies aber der nächste Gemeinderat entscheiden, so der Bürgermeister.

Ausstellung geöffnet

Die Präsentation von Angelika Holzäpfel und Manfred Rose kann im Bürgersaal in der Ortsverwaltung angeschaut und von der Homepage der Gemeinde heruntergeladen werden. Die Ausstellung im Bürgersaal kann mindestens noch bis zum 7. Mai, bei Bedarf auch darüber hinaus, besichtigt werden.

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