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Althengstett Unbekannte hissen Reichskriegsflagge

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Die Polizei hält die Aktion für einen unbedachten Streich von Jugendlichen. Foto: Rousek

Althengstett-Neuhengstett - Wo sonst im Garten der Calwer Lebenshilfe in Neuhengstett eine Regenbogenflagge weht, hängt plötzlich die Kaiserliche Kriegsflagge. Wer sie aufgehängt hat, ist nicht klar. Für Christina Stein, Leiterin der Offenen Hilfen, steht jedoch fest: Wer auch immer es war – derjenige wollte ein Zeichen setzen.

Es ist der erste Arbeitstag nach dem Jahreswechsel für Christina Stein. Doch anstatt erst einmal in Ruhe anzukommen, trifft die Leiterin des Bereichs Offene Hilfen fast der Schlag. Am vereinseigenen Fahnenmast im Garten hängt nicht, wie sonst, die Flagge in Regenbogenfarben, sondern eine Reichskriegsflagge. Die eigentliche Flagge wurde gestohlen. Stein ist erschüttert. "Da hat jemand ein Zeichen gesetzt, das uns sehr betroffen macht", sagt sie.

Die Kaiserliche Kriegsflagge, die dort gehisst wurde, stellte bis Ende des 19. Jahrhunderts die offizielle Kriegsflagge der Kaiserlichen Marine dar. Später wurde sie unter der Bezeichnung Reichskriegsflagge zur Flagge der Streitkräfte des Deutschen Reiches bis 1921. Zwar ist dieses Motiv nicht verfassungswidrig, fällt also nicht unter das Verbot der Verwendung "von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen", wie die Polizei Althengstett erklärt. Allerdings wurde sie schon zu Zeiten der Weimarer Republik häufig von rechtsextremen Gruppen als Symbol genutzt.

Polizei hält die Aktion für einen unbedachten Streich von Jugendlichen

So eine Flagge dann ausgerechnet im Garten der Lebenshilfe aufzuhängen, wo Menschen mit Behinderungen betreut werden, ist für Stein schlicht "harter Tobak". "Es ist noch nicht allzu lange her, dass solche Menschen, die wir hier betreuen, getötet wurden", meint sie. "Wollen die Leute, die so was aufhängen, das wirklich wieder?" Erschwerend hinzu komme für sie, dass zahlreiche Flüchtlinge nicht weit entfernt leben. "Das Zeichen ist gesetzt und das ist nicht lustig", findet sie.

Zudem stelle sich ihr die Frage, warum niemand etwas gesagt hat, als die Reichskriegsflagge plötzlich hing. Von der Lebenshilfe war über die Feiertage niemand vor Ort, in den umliegenden Gebäuden hingegen, müsste das doch jemandem aufgefallen sein, ist sich Stein sicher. "Aber da möchte mal wieder keiner was damit zu tun haben."

Während sie davon überzeugt ist, dass es sich um eine politisch motivierte Tat handelt – "sonst hätte man auch jede andere Flagge hissen können" – glaubt die Althengstetter Polizei an einen Streich von Jugendlichen. "Die werden sich nicht viel dabei gedacht haben", meint ein Beamter. Zumal genau diese Flagge für wenig Geld im Internet zu haben ist. Die Polizei kann daher lediglich wegen Diebstahls, aufgrund der gestohlenen Lebenshilfe-Flagge, sowie wegen Belästigung der Allgemeinheit Anzeige erstatten. "Das ist ärgerlich, das verstehe ich", meint der Beamte. Er riet aber auch dazu, nicht zu viel hinein zu interpretieren.

"Genau das ist es immer", echauffiert sich Stein. "Es wird immer alles kleingeredet. Aber so löst man das Problem nicht." Für sie sei die Aktion ein eindeutiger Beleg für den Rechtsruck, der in der Gesellschaft stattfindet. "Und die Schwächsten kriegen den Hass ab." Die Leiterin der Offenen Hilfen überlegt sich nun sogar, den Landes- sowie den Bundesverband der Lebenshilfe zu kontaktieren. "Vielleicht haben die ja auch so was ähnliches schon erlebt."

Die ungeliebte Flagge nimmt der Polizeibeamte mit aufs Revier. Der Fahnenmast der Calwer Lebenshilfe wird wohl nun vorerst leer bleiben.

 

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077
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