Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Althengstett Umstellung von der Kameralistik auf das Neue Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen (NKHR)

Von

Ingrid Schmidt ist die Erleichterung anzusehen. Der Großteil eines Mammutprojekts, die Umstellung vom Kameralhaushalt auf das Neues Kommunale Haushalts- und Rechnungswesen (NKHR), also die kommunale Doppik, ist geschafft. Doch auch künftig werden die Rathausmitarbeiter täglich bei der Anwendung des neuen Systems reichlich gefordert sein.

Durch die Umstellung auf das Neue Kommunale Haushalt- und Rechnungswesen (NKHR) und die Einführung der kommunalen Doppik werden folgende Ziele verfolgt:

 Umstellung der bislang zahlungsorientierten Darstellungsform auf eine ressourcenorientierte Darstellung der kommunalen Aktivitäten ( Ergebnisrechnung)

 Gesamtdarstellung des kommunalen Vermögens und der Schulden ( Vermögensrechnung/Bilanz)

 Darstellung der Liquiditätsentwicklung und der Investitionstätigkeit ( Finanzrechnung)

 Aufbau einer Kosten- und Leistungsrechnung

Dadurch sollen Gemeinderat und Verwaltung ihre Entscheidungen künftig auf einer detaillierteren Grundlage treffen können und die Kommune aufgrund der Vorgabe von Zielen und Kennzahlen für die kommunalen Dienstleistungen (Outputsteuerung) statt anhand der Bereitstellung von Haushaltsmitteln (Inputsteuerung) steuern. Durch die Haushaltsreform sind Produkte in das Zentrum der Steuerung gerückt worden.

Die Produkte sind die Leistungen der Verwaltung, und die Produktbereiche ergeben sich aus den Aufgaben der Verwaltungen. Der doppische Haushaltsplan soll demnach produktgegliedert sein.

Insgesamt soll die Wirtschaftlichkeit und Transparenz des Verwaltungshandelns erhöht werden. Dies kann mit dem Haushalts- und Rechnungswesen, der bisherigen Kameralistik, nicht erreicht werden, weil die erforderlichen Informationen hier nicht dargestellt werden. Nach der Umstellung auf das NKHR ergibt sich ein Gesamtbild der Vermögens-, Ertrags- und Finanzlage.

Dass es die Kameralistik und die Doppik, also zwei unterschiedliche Buchführungsstile, gibt, resultierte aus den unterschiedlichen Anforderungen, die zum einen die öffentliche Verwaltung und zum anderen die kaufmännischen Betriebe an ein Rechnungssystem gestellt haben.

Das Hauptziel der öffentlichen Verwaltung ist die Erfüllung öffentlicher Aufgaben. Die geplanten Einnahmen und Ausgaben, die durch politische Gremien beschlossen worden sind, können anhand der tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben, die die Kameralistik darstellt, kontrolliert werden. Über die Wirtschaftlichkeit und Wirksamkeit des Handelns, den Ressourcenverbrauch, das Vermögen oder die Schulden kann jedoch keine Aussage getroffen werden.

Kaufmännische Betriebe sind an der Gewinnmaximierung interessiert, an der Ermittlung des Erfolges (Gewinn oder Verlust). Außerdem werden in der Bilanz das Vermögen und die Schulden dargestellt.

Mit der Einführung der kommunalen Doppik in der öffentlichen Verwaltung ändert sich somit die haushaltsrechtliche Sichtweise einer Kommune. Von einem zahlungsorientierten Etat, der im Wesentlichen nur die Geldflüsse betrachtet, wechselt man nun zu einem ressourcenorientierten Haushalt. Hier ist der Ressourcenverbrauch (Aufwand und Ertrag) und der Geldfluss (Ein- und Auszahlungen) ersichtlich. Das NKHR wird abgekürzt als Doppik bezeichnet, da ein Sachverhalt grundsätzlich zwei Buchungen auslöst: eine Soll- und eine Habenbuchung. Das doppische Haushalts- und Rechnungswesen wird außerdem als Drei-Komponenten-System bezeichnet wegen der drei Bereiche Erfolgsrechnung, Finanzrechnung und Bilanz.

Althengstett/Gechingen/Os­telsheim/Simmozheim. Hinter der Althengstetter Kämmerin, den weiteren fünf Mitarbeitern im Amt und den Kollegen in den benachbarten Gäugemeinden liegt eine wahre Sisyphosarbeit. Gleichwohl gibt der neue Buchführungsstil Verwaltung und Gemeinderat die Chance, stärker auf das finanzielle Wohl der eigenen Kommune zu achten (siehe "Info"). Er zwingt regelrecht zum Umdenken. Bisher wurde der Etat in einen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt unterteilt und nun ist er produktorientiert gegliedert. Daher werden die Haushaltsstellen und Buchungszeichen neu vergeben. Teilweise ändern sich damit die Bezeichnungen.

Als Entscheidungsgrundlage darf nicht, wie bisher, lediglich der Geldverbrauch herangezogen werden, sondern die Entscheidungsträger müssen zusätzlich den Ressourcenverbrauch berücksichtigen. Ein Beispiel: die Nutzung eines Gebäudes, das vor Jahren errichtet oder gekauft wurde. Im aktuellen Haushaltsjahr fließt dafür zwar kein Geld ab, aber der Wert des Gebäudes sinkt durch die Nutzung.

Finanzielle und personelle Ressourcen zuerst abgefragt

Dieser Werteverlust wird in der Doppik künftig über die jährliche Abschreibung als Aufwand erfasst und ausgewiesen. "Jetzt muss stärker auf das finanzielle Wohl der nachfolgenden Generationen geachtet werden", erläutert die Althengstetter Kämmerin. Jede Generation solle die von ihr verbrauchten Ressourcen mittels Entgelten und Abgaben wieder ersetzen, um nicht künftige Generationen damit zu belasten.

In den Kämmereien der vier Kommunen des Gemeindeverwaltungsverbands (GVV), in Althengstett, Gechingen, Ostelsheim und Simmozheim, waren zeitaufwendige Vorarbeiten notwendig. "Das war bei uns seit mehreren Jahren Thema", berichtet Schmidt. "Wir mussten auf GVV-Ebene erst einmal festlegen, wer was macht und welche finanziellen und personellen Ressourcen wir für die Umstellung auf das NKHR brauchen." Bei einem wöchentlichen Jour fix habe sich die Kämmerei intensiv mit dem Thema befasst.

Der Kommunale Produktplan und verschiedene Leitfäden zum Thema Haushalt und Buchführung hätten dabei im Mittelpunkt gestanden. Die für Althengstett maßgebenden Produktbereiche, Produktgruppen und Produkte, also die Leistungen der Gemeinde, sowie die notwendigen Kostenstellen seien bereits mit allen Fachämtern im Rahmen des Umstellungsprojekts festgelegt worden. Es wurden ellenlange Zuordnungstabellen erstellt, in denen die kameralen Finanzposten zu neuen, sogenannten NKHR-Kontierungselementen, umgeschrieben werden mussten – "und das für die Gemeinde sowie die beiden Eigenbetriebe Gemeindeverwaltungs- und Nachbarschaftsschulverband", so Schmidt. Hinzu kämen die Eigenbetriebe Wasser und Abwasser.

Es sei eine Gebäudeliste erstellt worden, und sehr aufwendig sei die Vermögenserfassung und -bewertung gewesen, "wobei wir hier auf einen externen Dienstleister zurückgegriffen haben", erläutert die Finanzexpertin. Doch auch das sei für die Kämmerei mit Arbeit verbunden gewesen. Schließlich benötige das Fachbüro Daten, Unterlagen und bestimmte Informationen, um seinen Auftrag bearbeiten zu können.

2019 sei dann das Umstellungsjahr gewesen: "Wir hatten im März eine Kick-off-Veranstaltung zum NKHR-Umstellungsprojekt beim Rechenzentrum in Karlsruhe", berichtet Schmidt. Allein für die Software-Umstellung von SAP-kameral auf SAP-NKHR seien für die Kämmerei mit ihren insgesamt sechs Mitarbeitern 24 Schulungstage in Karlsruhe angesetzt gewesen. "In diesen Workshops wurden wir auf das neue System vorbereitet." Wichtigste Themen hierbei seien die Kassenprozesse, also Zahlstellen, Tagesabschlüsse und Mahnungen gewesen, außerdem die Übertragung der Personenstammdaten der Debitoren und Kreditoren sowie der konsumtiven und investiven Stammdaten für Planung und Haushaltsaufbau. Auch Bewirtschaftungsprozesse – Einnahmen und Ausgaben –­waren eines der Themenfelder.

Es habe zudem mehrere Videoschulungen gegeben, die die Datenübernahme nach NKHR und den Umgang mit den Zentralen Steuerungstabellen erleichtern sollen. "Außerdem haben die Kämmereimitarbeiter Seminare zur kommunal-doppischen Haushaltsführung besucht", sagt Schmidt. "Auch die Bürgermeister und Amtsleiter der vier Verbandsgemeinden hätten ein Grundlagenseminar besucht. Das alles habe neben dem Tagesgeschäft bewältigt werden müssen.

Die bislang gängigen Begriffe Verwaltungs- und Vermögenshaushalt gehören freilich auch für die Gemeinderäte der Vergangenheit an. Sie müssen in ihrer Königsdisziplin komplett umdenken. Bereits in der Oktober-Sitzung 2015 war die Umstellung auf das NKHR ein Thema. Im Februar 2018 wurde der Grundsatzbeschluss für die Umstellung gefasst und festgelegt, dass die Vermögenserfassung und -bewertung an einen Dienstleister vergeben wird. Ende November 2019 hatte es eine Informationsveranstaltung für sämtliche Gemeinderäte aus den vier GVV-Kommunen gegeben. "Als Referenten konnten wir Professor Hafner von der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl gewinnen", berichtet Schmidt. Nun folge im Februar eine hausinterne Infoveranstaltung für Mitarbeiter und alle, die sich mit dem NKHR näher befassen möchten.

Mit der Umstellung des Finanzwesens ist es aber nicht getan. Im Arbeitsalltag werden sich die Rathausmitarbeiter erst noch an den neuen Buchführungsstil gewöhnen müssen. Jahrelang, teilweise jahrzehntelang, hatten sie sich an die im Haushaltsplan gleichen Haushaltsstellen und dieselben Buchungszeichen gewöhnt. Die Mitarbeiter wussten in den meisten Fällen schon auswendig, auf welches Konto eine bestimmte Betätigung gebucht werden muss. Das ist vorbei, denn der Haushaltsplan hat eine gänzlich neue Struktur.

Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 20077

Flirts & Singles

 
 
0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.