In diesem Haus in der Oberndorfer Straße in Schramberg wohnten Rüfet Carboga und Cristina Holic. Foto: Wegner

Vor zehn Jahren Leiche einer jungen Rumänin in Rapsfeld bei Althengstett gefunden. Täter lebenslang hinter Gittern.

Althengstett/Schramberg - Der Schock sitzt tief, als sich in Althengstett wie ein Lauffeier herumspricht, dass in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 2009 in einem Rapsfeld nahe der Gemeinde die Leiche einer jungen Frau gefunden worden ist. Wie Puzzleteile fügen sich in den Folgemonaten bei den polizeilichen Ermittlungen viele Details zusammen. Das Motiv des sogenannten Rapsfeld-Mörders von Althengstett: Eifersucht.

Es war einmal die große Liebe zwischen dem damals 45-jährigen Rüfet Carboga und der 23-jährigen Cristina Holic. Die beiden sind anfangs glücklich, leben insgesamt circa fünf Jahre gemeinsam in Schramberg im Kreis Rottweil. Carboga betreibt dort einen Döner-Imbiss und später einen Ein-Euro-Shop. Auch im Immobilien- und Renovierungssektor soll er tätig gewesen sein.

Finanzielle Engpässe führen zum Streit

Der Türke macht immer wieder Pläne und hat große Träume, will mit seiner Lebensgefährtin irgendwann sein eigenes Café eröffnen. Doch es kommt anders. Schon kurz nach der Hochzeit lässt er seiner Frau keinen Freiraum mehr. Dann gibt es finanzielle Engpässe und es kommt zu Streitigkeiten. Die Rumänin will deshalb unbedingt Arbeit suchen, er lehnt dies jedoch strikt ab.

Carboga beginnt, seine Frau regelrecht zu überwachen. Diese trennt sich schließlich, zieht aus der gemeinsamen Wohnung aus und nimmt in der Althengstetter Gaststätte "Landsknecht" einen Job als Kellnerin an. Die neue Arbeitsstelle in der Gäugemeinde sieht die junge Frau als endgültigen Weggang und Flucht. So jedenfalls äußert sie sich gegenüber ihrer Schwester und ihrem Arbeitgeber. Carboga findet seine Ehefrau, stellt ihr nach, ruft sie ständig an. Er nötigt sie zu einem Spaziergang, bei dem er sie erwürgt und die Leiche in dem Rapsfeld nahe Althengstett ablegt. "Ich stand nur eine Sekunde neben mir, da ist es passiert", sagt Carboga später im Prozess aus.

Mann nach 78 Tagen festgenommen

Die kriminalpolizeilichen Ermittlungen ergeben den Verdacht, dass der Tatverdächtige unmittelbar nach der Tat mit dem Geschäftswagen seines Bruders über die Schweiz nach Italien geflüchtet ist. Die 15-köpfige Sonderkommission der Calwer Kriminalpolizei und die Staatsanwaltschaft Tübingen nehmen sofort Kontakt mit der italienischen Polizei und der Justiz auf. Die italienische Spezialeinheit "Squadra Mobile" nimmt im September in einem Kebab-Stand in der Turiner Innenstadt den per internationalen Haftbefehl gesuchten türkischen Staatsangehörigen nach 78 Tagen Flucht fest. Carboga wird in eine italienische Justizvollzugsanstalt eingeliefert und auf dem Rechtshilfeweg seine Auslieferung nach Deutschland erreicht.

Obwohl zahlreiche Zeugen zur Tat aussagen, kann nicht geklärt werden, ob der Mann die Tat bereits im Vorfeld plante oder ob er aufgrund eines Streits kurz die Nerven verloren hat, wie er selbst angibt.

Carboga wird im Juli 2010 vom Landgericht Tübingen wegen Mordes an seiner Lebensgefährtin verurteilt. Der Mann hatte zugegeben, seine Frau mit bloßen Händen erwürgt und die Leiche in einem Rapsfeld versteckt zu haben.

Er habe nicht ertragen können, dass sie zunehmend eigene Wege gegangen sei und sich seiner Kontrolle entzogen habe, befinden die Richter des Landgerichts damals. Der genaue Tatablauf lässt sich nur aus Indizien herleiten. Der Mann sei bei der Tat umsichtig und planvoll vorgegangen, befindet das Gericht. Nach fünf Tagen Hauptverhandlung muss das Schöffengericht urteilen, ob die Tat als Mord oder als Totschlag zu bewerten ist.

Die 23-Jährige sei gestorben, weil sie sich nicht dem Willen ihres Mannes beugen wollte. "Wer einen Menschen aus solcher Motivation heraus tötet, zeigt eine besonders verachtenswerte Gesinnung, denn es geht ihm nur um sich selber", sagt der Richter.

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verwirft später die Revision gegen die Entscheidung als unbegründet – der Rapsfeld-Mörder von Althengstett muss endgültig lebenslang ins Gefängnis.