Strandkorb statt Playa de Palma: Urlaub ist in Corona-Zeiten gefragter denn je. Foto: Calado – stock.adobe.com

Umsatz durch Pandemie komplett eingebrochen. Zwei Kündigungen. Trotzdem schöpft Betreiber Hoffnung.

Althengstett - Harte Zeiten machen seit Anfang März Mike Jones, Inhaber des gleichnamigen Althengstetter Reisebüros, und sein Team durch. Der Umsatz ist durch die Corona-Pandemie komplett eingebrochen, zwei Mitarbeiterinnen mussten entlassen werden. Trotz allem schöpft der Geschäftsmann Hoffnung: "Unsere Kunden zeigen Interesse, wieder verreisen zu wollen".

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Der gebürtige Brite ist seit fast 50 Jahren im Beruf und hat schon so manchen Tiefpunkt überwunden. Selbst während der Wirtschaftskrise 2008/09 oder nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 ist seiner Erfahrung nach die Verunsicherung bei Reisenden aber nicht so groß wie jetzt wegen der Corona-Pandemie gewesen. Diesmal ist alles anders, weil über Monate hinweg in der Reisebranche alles zum Erliegen kam.

Seit Wochen waren sämtliche Mitarbeiter des Büros nur noch mit einem beschäftigt: "Größtenteils wurde alles storniert und alles vollständig zurückerstattet bis auf einzelne Bearbeitungsgebühren von Reiseveranstaltern. Viele Kunden haben auf 2021 umgebucht, was uns und den Reiseveranstaltern natürlich gut tut. Diese Kunden wurden dann größtenteils mit verschiedene Bonuszahlungen - je nach Reisepreishöhe - vom Reiseveranstalter belohnt", äußert sich Jones gegenüber dem Schwarzwälder Boten.

Alle Reisen mussten kostenlos storniert werden

Die entstandenen finanziellen Verluste wird der Althengstetter Betrieb dieses Jahr freilich nicht mehr kompensieren können. "Dadurch, dass wir seit März keine Umsätze mehr haben und fast alle seit Herbst gebuchten Reisen mit Abreise bis Mitte Juni kostenfrei stornieren mussten - ohne Provisionsverdienst -, ist der finanzielle Ausfall enorm hoch. Auch unsere Wanderreise nach Mallorca, die Radreise Mallorca und Sonderreisen nach Rhodos, in den Pyrenäen sowie eine Rheinkreuzfahrt durch Deutschland und Holland haben wir leider alle stornieren müssen", so der Geschäftsinhaber.

Damit sein Betrieb überleben kann, hat sich Jones schweren Herzens dazu entschlossen, zwei Mitarbeiterinnen zu entlassen. "Außerdem können wir unsere Auszubildende im Juli nicht übernehmen. Die übrigen vier Mitarbeiterinnen sind auf unbestimmte Zeit auf Kurzarbeit."

Unsicherheit der Kunden ist noch groß

Momentan werde bei ihm so gut wie nichts gebucht: "Es gibt natürlich viel Infobedarf -  entstanden durch die Unsicherheit. Die Kunden brauchen Bedenkzeit. Allerdings zeigen sie Interesse, wieder verreisen zu wollen." Dadurch, dass viele den Urlaub am Anfang der Krise hätten nehmen müssen und auch auf Kurzarbeit seien, sei es für viele schwer, einen Urlaub für dieses Jahr zu planen. "Der Trend geht eher zu 2021", hat Jones festgestellt.

Bei der Planung für den nächsten Urlaub werde derzeit meist nach Reisezielen wie den Kanaren, den Balearen und Griechenland gefragt, "also vorwiegend Inseln, die zu Beginn der Krise sowieso im Winterschlaf lagen und keine beziehungsweise kaum Besucher aus dem Ausland hatten".

Jones setzt jetzt wie viele seiner Berufskollegen auf das Geschäft mit deutschen Reisezielen. "Allerdings ist Deutschland durch die Krise sehr gefragt und dementsprechend gut gebucht. Daher ist die Auswahl in den Sommermonaten inzwischen nicht mehr sehr groß wie im Normalfall." Jones macht sich auf der einen Seite Sorgen, wie es mit der Reisebranche weitergeht. Auf der anderen Seite zeigt er sich kämpferisch-optimistisch und hofft wie viele seiner Berufskollegen auf bessere Zeiten.

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