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Althengstett Oft fehlt eine klare Perspektive

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Mustafa Rahimizaela (von links), Abdulrahman Alyhya, Alexander Watson, Svenja Maurer und Loreto Aravena wissen um die Probleme von Geflüchteten bei der Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Foto: Selent-Witowski Foto: Schwarzwälder Bote

Asyl- und Schutzsuchenden, die vor Krieg, Verfolgung und Not aus ihrer Heimat geflüchtet sind, in den deutschen Arbeitsmarkt zu integrieren, ist eine immense Herausforderung. Gute Beispiele, wie das gelingen kann, gibt es in Althengstett und Calw. Das haben zwei Studenten der Hochschule Pforzheim jetzt vor Ort untersucht.

Althengstett/Calw/Pforzheim. "Hürden und Lösungsvorschläge bei der Arbeitsintegration von Geflüchteten in der Baubranche" – so lautet das Thema der Bachelor-Arbeit von Svenja Maurer und Alexander Watson. Die beiden Studenten beleuchten mit ihren Nachforschungen, was –­ vor allem aus Sicht von Unternehmen – getan werden muss, damit Flüchtlinge bessere Ausbildungschancen und eine klare Perspektive haben. Denn es gibt keine systematischen Regelungen, wonach Flüchtlinge von Anfang an in das Ausbildungs- und Arbeitssystem einbezogen werden. Nach wie vor geht es vor allem auch darum, den Fachkräftemängel in Handwerksberufen zu überwinden.

Die Geflüchteten können sich im Vorfeld nicht auf das Leben in Deutschland vorbereiten. Vor allem fehlende Sprachkenntnisse sind die größte Hürde, die sie mit im Gepäck haben. Noch mangelnde Fachkenntnisse spielen außerdem eine große Rolle sowie das nicht vorhandene Wissen über den deutschen Arbeitsmarkt – darüber, welche Jobs zu haben sind und wie man sich dafür qualifizieren kann.

Behördendschungel mit viel Papierkram

Ein großes Problem sowohl für Geflüchtete als auch Unternehmen ist nach den Erkenntnissen von Maurer und Watson der Behördendschungel mit viel Papierkram und langwierigen Verfahren. "Es gibt zahllose Anlaufstellen von der Agentur für Arbeit, über Caritas bis hin zu Welcome-Centern, Gemeindeverwaltungen und Ehrenamtliche, die sich in Asyl-Arbeitskreisen engagieren", sagt Watson. Wer wo welche Hilfe für die Firmen und die potenziellen Auszubildenden sowie Mitarbeiter biete, sei für beide Seiten aber schwer herauszufinden, da nicht ausreichend vernetzt gearbeitet werde.

Die von ihnen befragten Unternehmen und Betriebe wüssten oft auf Anhieb keine Anlaufstelle bei Fragen zu rechtlichen Rahmenbedingungen, zur Sprachförderung, Aufenthaltsstatus, dem Qualifikationsbedarf sowie zu Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten, so Maurer und Watson, die im Studiengang "International Business" im siebten Semester sind. Die Verteilung der Zuständigkeiten sei sehr kompliziert, und die komplexe Gesetzeslage erzeuge einen hohen Verwaltungsaufwand. Dieser wiederum führe zu Unsicherheit bei Betrieben und Flüchtlingen, weil es eine Vielzahl an Aufenthaltstiteln und oft keine klare Bleibeperspektive gebe. Die Folge: Viele Asylbewerber im erwerbsfähigen Alter bringen zwar Qualifikationen mit, ihre Energie, Motivation und vor allem ihre Fähigkeiten liegen aber oft lange Zeit brach. Ihr Wissen verfällt, und es bleibt ihnen oft nur eine Beschäftigung unterhalb ihrer Möglichkeiten. Viele von ihnen sind arbeitslos – und dadurch werden Asylbewerber in der Öffentlichkeit oft nur als Belastung wahrgenommen.

Maurer und Watson ist es gelungen, nicht nur die Arbeitgeberseite in den Mittelpunkt zu rücken, sondern sie sprechen vor Ort mit Geflüchteten. So zum Beispiel mit Abdulrahman Alyhya aus Syrien (23) und dem 25-jährigen Afghanen Mustafa Rahimizaela. Beide leben seit vier Jahren in Deutschland und sprechen inzwischen sehr gut Deutsch. Der 23-Jährige macht zurzeit eine zweijährige Ausbildung zum Fachlageristen im Bauzentrum Kömpf in Calw, und Rahimizaela absolviert eine Ausbildung zum Fahrzeuglackierer bei der Althengstetter Firma Michaletz. Beide leben in der Gäugemeinde.

Im Mai beziehungsweise Oktober stehen ihre Abschlussprüfungen an. Beide haben den Einstieg in die Lehre über Praktika geschafft. Die größte Hürde dabei? "Die deutsche Sprache", sagen die jungen Männer übereinstimmend. "Aller Anfang ist schwer, aber ich habe mir selbst versprochen, auf keinen Fall aufzugeben", sagt Alyhya.

Der Kontakt zwischen den Studenten sowie den beiden jungen Männern aus Syrien und Afghanistan kam über die Integrationsmanagerin der Gemeinde Althengstett, Loreto Aravena, zustande. Wie es der Zufall will, ist die studierte Betriebswirtin aus Chile seit rund zehn Jahren freiberufliche Lehrbeauftragte an der Hochschule Pforzheim im Studiengang "International Business". Sie hält Vorlesungen im Bereich "Cross Culture Communication" und war sofort sehr angetan, als die beiden Studenten mit ihrer Anfrage wegen der Erhebungen für ihre Bachelor-Arbeit auf die Gemeinde zukamen.

"Es gibt auch Erfolgsgeschichten", sagt Aravena zum Fall der beiden Althengstetter Auszubildenden. Ihre Aufgabe als Integrationsmanagerin sei es, bei der Bearbeitung von Dokumenten, beim Thema Wohnung, den Sprachförderungsmöglichkeiten und den sozialen Kompetenzen der Flüchtlinge weiterzuhelfen. Ihnen unter anderem zu verdeutlichen, dass in den Betrieben viel Wert auf Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Motivation und Eigeninitiative gelegt wird.

"Das duale Ausbildungssystem in Deutschland ist den Geflüchteten überhaupt nicht bekannt", so Aravena. Sie mache den Betroffenen immer wieder klar, dass nur eine Ausbildung den Weg auf den Arbeitsmarkt ebne: "Ausbildung ist Zukunft sage ich immer. Integration ist aber nicht nur Aufgabe des Arbeitgebers, sondern der ganzen Gesellschaft", betont sie. "Es gibt nicht das eine, also kein Patentrezept, was gemacht werden muss, um die Situation für Geflüchtete und Unternehmen zu erleichtern", äußern sich Watson und Maurer. Eine dringende Empfehlung haben sie allerdings nach den Gesprächen mit Betroffenen: "Um die Wohnsituation der Auszubildenden zu verbessern, sollten Unternehmen sich um eine Bleibe für sie kümmern". Denn in den beengten Flüchtlingsunterkünften sei das Lernen für die Berufsschule meist nur unter äußerst erschwerten Bedingungen möglich.

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

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