Foto: bagotaj – stock.adobe.com

Während sich derzeit Staatsoberhäupter bei der Klimakonferenz in Glasgow den Kopf über Maßnahmen gegen die Erderwärmung zerbrechen, geht es in Althengstett im Kleinen in Sachen Klimaschutz weiter. Diesmal im Fokus: das Baugebiet "Wasenäcker" in Ottenbronn.

Althengstett - Die Fläche zwischen Garten- und Wasenstraße in Ottenbronn ist seit Jahrzehnten Bauerwartungsland. Läuft alles nach Plan, sollen dort ab 2024 die ersten neuen Wohngebäude entstehen – nicht nur Einfamilienhäuser, sondern Wohnformen für Alt und Jung bis hin zu Betreutem Wohnen (wir berichteten). Das rund fünf Hektar große Areal, das bebaut werden soll, liegt mitten im Dorf und bietet eine einmalige Entwicklungschance für Ottenbronn. So sehen es nicht nur Verwaltung und Gemeinderat, sondern auch die Bevölkerung, die dem Vorhaben offen gegenüber steht. Auch deshalb, weil damit die wertvolle Ressource Boden geschont und auf sinnvolle Nachverdichtung gesetzt wird. Und das ermöglicht den Zuzug von weiteren 200 neuen Bewohnern zu den bislang rund 1400 Ottenbronnern.

Folgerichtig ist dabei nach Ansicht von Verwaltung und Gemeinderat, überprüfen zu lassen, ob das künftige Baugebiet klimaneutral versorgt werden kann. Jedenfalls sprachen sich die Hengstetter Gemeinderäte in ihrer jüngsten Sitzung dafür aus, eine Machbarkeitsstudie für rund 200 000 Euro ins Auge zu fassen. Endgültig beschlossen und beauftragt werden soll diese aber erst in einer der nächsten Sitzungen, damit sich jedes Ratsmitglied dazu nochmals Gedanken machen und sich intensiver mit der Materie beschäftigen kann.

"Die Klimakrise ist hier und jetzt"

Das Büro Schäffler aus Freiburg war mit einer Potenzialstudie beauftragt worden. Dieses hatte verschiedene Möglichkeiten der Quartierversorgung untersucht und sieht eine klimaneutrale Versorgung des Baugebiets "Wasenäcker" als möglich und finanzierbar an, wie in der jüngsten Ratssitzung deutlich wurde. Überprüft wurde auch, welche Fördermöglichkeiten es für das Vorhaben gibt. Auch für die Machbarkeitsstudie ist laut Gemeindeverwaltung voraussichtlich eine finanzielle Förderung möglich.

"Die Klimakrise ist hier und jetzt, nicht auf den Malediven oder auf Madagaskar", leitete Harald Schäffler, Geschäftsführer des mit der Potenzialstudie beauftragten Freiburger Ingenieurs- und Innovationsbüros "schäffler sinnogy", seinen Vortrag ein. Das Büro bearbeitet die Schwerpunkte klimaneutrale Energieversorgung und Geschäftsmodellinnovationen. Schäffler ist seit mehr als 15 Jahren im Innovationsbereich der Energiewirtschaft tätig.

Er studierte an der Universität Stuttgart Maschinenbau und promovierte an den Universitäten Stuttgart sowie Frankfurt zum Thema Nachhaltige Energieversorgung. 2011 gründete er "schäffler sinnogy". Um die Erderwärmung in den Griff zu bekommen, müsse CO2 weltweit schnell und stark reduziert werden, "und deshalb müssen Neubaugebiete klimaneutral versorgt werden".

Schäffler ging gemeinsam mit Leo Munzinger (Projektingenieur Quartierskonzepte) unter anderem darauf ein, welche Möglichkeiten es gibt, ein Wohnquartier klimaneutral zu versorgen (Erd- und Sonnenwärme, Strom aus Photovoltaik, im Straßenkörper verbaute Erdwärmesonden), wie es derzeit um Fördermittel für die einzelnen Maßnahmen steht und wer die Quartierversorgung betreiben könnte. Denkbar wäre beispielsweise eine Bürgerbeteiligung durch eine Genossenschaft, ebenso ein Kommunal- oder ein Versorgermodell. Entwickelt werden soll für das Baugebiet "Wasen­äcker" also ein Energiekonzept, mit dem die künftigen Gebäude klimaneutral mit Strom, Wärme und Mobilität versorgt werden können.

"Wir müssen es wollen und machen", sagte Gemeinderat Lothar Kante (SPD) zu der von der Verwaltung vorgeschlagenen Machbarkeitsstudie. Er hätte dieser am liebsten gleich zugestimmt. Das Thema solle bei jedem aber noch etwas sacken können bis zur endgültigen Entscheidung pro oder contra Machbarkeitsstudie, entgegnete Bürgermeister Clemens Götz. Mehrheitlich wurde beschlossen, in einer der nächsten Sitzungen, womöglich schon diesen Monat, darüber abzustimmen.