Die DLRG-Ortsgruppe Neuhengstett will so bald wie möglich Schwimmkurse für Kinder anbieten, um den Ausbildungsstau durch Corona abzubauen.Foto: DLRG Foto: Schwarzwälder Bote

DLRG: Neuhengstetter Ortsgruppe sucht Helfer für mehr Kinderkurse / Zwei verlorene Jahrgänge in der Ausbildung

Genauso stark eingeschränkt, wenn nicht gar unmöglich, waren seit Monaten das Schulschwimmen und Angebote der Vereine wie der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG). Schon vor der Pandemie war die Nachfrage nach Schwimmkursen weitaus höher als das Angebot. Die Neuhengstetter DLRG-Ortsgruppe sucht nun Helfer, um bald mehr Kinderschwimmkurse anbieten zu können.

Althengstett-Neuhengstett (msw). Der Kampf gegen den Ertrinkungstod beginnt für die Rettungsschwimmer schon mit der Prävention. Bereits vor der Pandemie waren laut DLRG weit mehr als die Hälfte aller zehnjährigen Kinder keine sicheren Schwimmer.

Pandemie hat Problem verschärft

Corona habe die Situation noch verschärft. Zum Vergleich: Während 2019 durch die DLRG in ganz Deutschland noch 92 913 Prüfungen bei den Schwimmabzeichen in Bronze, Silber und Gold abgenommen worden seien, habe es 2020 mit 23 458 nur noch ein Viertel der Prüfungen gegeben, geht aus dem Jahresbericht der DLRG hervor. "Viele Kinder, auch hier im Kreis Calw, mussten ihren Schwimmkurs abbrechen oder konnten ihn gar nicht erst beginnen", äußert sich Luisa Okrent, die das Referat Kinderschwimmen innerhalb der DLRG Neuheng­stett leitet. So habe es auch bei der Vergabe des Frühschwimmerabzeichens, besser bekannt als "Seepferdchen", mit bundesweit nur 14 566 im vergangenen Jahr einen starken Rückgang von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gegeben. Das Schwimmabzeichen ist eine Bescheinigung dafür, dass sich ein Kind auf einer Strecke von 25 Metern über Wasser halten kann, gilt aber nicht als Teil der Jugendschwimmabzeichen, die mit Bronze beginnen.

Mitte Mai hatte der DLRG-Präsident Achim Haag während einer Pressekonferenz Bilanz gezogen: "Hier sprechen wir mittlerweile von mindestens einem, wenn nicht sogar schon zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung". Das führe zu einem Rückstau an Nichtschwimmern, der nicht mehr aufholbar zu sein scheine und letztendlich in einer Generation von Nichtschwimmern münde. Von dieser ist auch in der hiesigen Landes- und Regionalpolitik die Rede. "Das wollen wir so nicht hinnehmen", erklärt der Vorsitzende der DLRG Neuhengstett, Maik Heisterkamp. "Deshalb werden wir etwas dagegen tun." Mit der neuen Corona-Verordnung und den aktuell sinkenden Zahlen werde die Möglichkeit gegeben, Schwimm- und Freibäder zu öffnen sowie Kinderschwimmkurse wieder anzubieten. Mit einer eigens dafür geschaffenen Stelle im Bundesfreiwilligendienst seien Konzepte zur Schwimmausbildung in Kleingruppen erarbeitet worden.

"Unser Ziel ist es, Kindern im Alter von fünf bis neun Jahren im gesamten Landkreis Calw das Schwimmen beizubringen", ergänzt der Bundesfreiwillige Cedric Teufel selbst. Von mobilen Schwimmkursteams, über Crash-Kursen bis hin zu Abzeichentagen sei sehr viel in der Planung. Neben fehlenden Wasserflächen braucht die Neuhengstetter Ortsgruppe weitere Helfer, wie Ausbildungsleiter Erik Körner berichtet: "Mit unseren aktuellen Ausbildern allein ist das nicht mehr zu bewältigen". Allerdings suche die DLRG Neuhengstett auch keine voll ausgebildeten Ausbilder, sondern Menschen, die Lust haben, einen Kinderschwimmkurs zu unterstützen. "Prinzipiell sind wir für jeden offen", bemerkt Lisa Zeleny, die als Ansprechpartnerin für das Projekt fungiert. Sie selbst hat langjährige Erfahrung damit, Jungen und Mädchen das Schwimmen beizubringen. Neben Spaß an der Arbeit mit Kindern und der Zeit, sich zu engagieren, sei es vor allem wichtig, dass die Personen volljährig sind und selbst sicher schwimmen können.

Für weitere Einzelheiten wird es einen digitalen Informationsabend am 8. Juni geben (siehe "Info"). "Im Gespräch mit uns können die Freiwilligen mehr erfahren und sich untereinander austauschen", so Zeleny, die anfügt: "Wir hoffen wirklich, dass sich möglichst viele dafür entscheiden, mit uns gemeinsam gegen den Ertrinkungstod bei Kindern zu kämpfen".

Die DLRG-Ortsgruppe Neuhengstett hat von mobilen Schwimmkursteams, Crash-Kursen und Tagen, an denen nur Abzeichen abgenommen werden, viel in der Planung. Dafür sucht sie volljährige Helfer, die Spaß an der Arbeit mit Kindern haben, sich sicher im Wasser fühlen und gegebenenfalls schon Kurse begleitet haben. Anmeldungen zum Infoabend am 8. Juni: www.neuhengstett.dlrg.de; Fragen per Mail: lisa.zeleny@neuhengstett.dlrg.de.

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