Von Mobilfunkmasten geht eine Strahlenbelastung aus. Foto: Reichel Foto: Schwarzwälder-Bote

Informationsveranstaltung im Rathaussaal von Althengstett / Baubiologe hält einen Fachvortrag

Von Bettina Bausch

Althengstett. Das Problem der Strahlenbelastung brennt vielen Althengstetter Bürgern auf den Nägeln. Sie haben eine vermeintlich ungewöhnlich hohe Krebsrate in ihrem unmittelbaren Umfeld festgestellt oder leiden selbst an der tückischen Krankheit.

Dafür machen sie vor allem die Strahlenbelastung durch drei Sendeanlagen verantwortlich, von denen zwei etwas außerhalb des Ortes und eine im Industriegebiet steht. Diese Situation hatte die Gemeinde veranlasst, Messwerte erheben zu lassen und jetzt für interessierte Bürger eine Informationsveranstaltung zur Strahlenproblematik anzubieten.

Der Rathaussaal war voll besetzt, als Bürgermeister Clemens Götz den Freien Architekten und Baubiologen Jörn Gutbier begrüßte, der auch schon die Strahlenbelastung für die Gemeinde Althengstett untersucht hatte. "Wir haben ihn als mobilfunkkritischen Menschen ausgewählt für diese Aufgabe", unterstrich der Schultes. Götz versicherte, dass alle gemessenen Werte in der Gemeinde weit unter den erlaubten Grenzwerten seien und verwies darauf, dass mit zunehmendem Alter beim Menschen auch die Krebsrate ansteige.

Gutbier ging in seinem Fachvortrag auf die Gefahren elektromagnetischer Wellen ein, welche die Menschen täglich in Form von Handys, schnurlosen Telefonen und elektrischen Einrichtungen im Haus ständig umgeben. Elek-tromagnetische Felder gebe es in jedem Raum. Hinzu komme die Strahlenbelastung durch Mobilfunksendeanlagen. Studien hätten nachgewiesen, dass diese neben Krebserkrankungen auch zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Leiden in Form von Kopfschmerzen, Schlafstörungen, hohem Blutdruck, Herzrhythmusstörungen und sogar zu Depressionen führe.

Die Grenzwerte seien in Deutschland nach Auffassung vieler Wissenschaftler zu hoch angesetzt, aber niedrigere Werte schadeten der Wirtschaft und seien deshalb tabu, so der Referent. Es sei eben, wie es früher schon gewesen sei. So sei es oft im Verlauf der Menschheitsgeschichte zu Irrtümern gekommen. Anfangs habe man zum Beispiel nicht geglaubt, dass Röntgenstrahlen schädlich seien, und auch die Gefahren des Rauchens seien erst sehr spät erkannt worden. So könne es auch mit dem Elektrosmog kommen.

Der Referent bemängelte, dass es zu viele Mobilfunkanbieter gebe, die alle ihre eigenen Funkeinrichtungen betreiben könnten und damit die Strahlung insgesamt erhöhten.

Der Neoliberalismus in der Wirtschaft mache dies möglich. Gutbier forderte die Zuhörer auf: "Fangen Sie zu Hause an, entfernen Sie alles Unnötige".

Bei seinen Messungen in Althengstett hat der Baubiologe herausgefunden, dass die Ortsteile Neuhengstett und Ottenbronn so gut wie keine Strahlenbelastung hätten. In Althengstett seien dagegen deutlich höhere Werte gemessen worden. "Wie zu erwarten, zeigen sich aufgrund des sehr hohen Sendeanlagenstandorts auf dem Heimberg die höchsten Strahlenwerte in circa 400 Metern Entfernung in den Straßenzügen zwischen Jägerbergweg und Stammheimer Wiesenweg", stellte Gutbier in seinem Gutachten fest.

Der Norden des Heimbergs liege jedoch im Strahlungsschatten und sei weniger betroffen. Auch im Kernbereich des Ortes um die Jahnstraße seien höhere Werte festgestellt worden. Die höchsten Messwerte seien jedoch in den Straßenzügen im direkten Umfeld der Sendeanlage in der Industriestraße 3 gemessen worden.

Der Baubiologe verwies darauf, dass die Messungen Momentaufnahmen seien. Je nach Ausrichtung der Sende- und Empfangsanlagen des Mobilfunks gebe es Schwankungen.