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Althengstett Gemeinderat packt ein heißes Eisen an

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Foto: © mpix-foto – stock.adobe.com Foto: Schwarzwälder Bote

Landwirte stehen derzeit wegen des Bienensterbens und der Nitratbelastung des Grundwassers in einem schlechten Licht. Sie geraten unter Rechtfertigungsdruck, das Verständnis für die bäuerliche Arbeit nimmt ab. Wie es um das Verhältnis von Bevölkerung und Landwirten in Althengstett steht, war Inhalt einer lebhaften Diskussion im Gemeinderat.

Althengstett. Durchaus gut funktioniert das Zusammenleben, denn alle drei Ortsteile wurden einst stark durch die Landwirtschaft geprägt. Es gab und gibt eine große Verbundenheit mit den in der Land- und Forstwirtschaft Beschäftigten. Das Verständnis für die landwirtschaftliche Arbeitsweise hat jedoch auch in der Gäugemeinde spürbar nachgelassen. Das soll sich nach den Plänen und dem Beschluss des Althengstetter Gemeinderats ändern. Dem einstimmigen Votum für eine Unterstützung der Landwirte durch die Kommune ging eine angeregte Debatte voraus.

Eines war allen Ratsmitgliedern klar: Die landwirtschaftlichen Themenbereiche sind komplex, bieten viel Konfliktpotenzial und es gibt keine Patentlösungen dafür. Der Lärm beim Ernten frühmorgens oder spätabends, die Geruchsentwicklung beim Düngen mit Gülle oder aber Schäden durch Hundekot auf Feldern und Wiesen sind solche Dauerbrenner. Wie vielschichtig die Themen sind, zeige sich auch im Zielkonflikt zwischen Wohnraumbedarf, der Neuerschließung von Siedlungsgebieten, die doppelt durch Versiegelung sowie Bedarf an Ausgleichsflächen der Landwirtschaft Flächen rauben, der Innenverdichtung mit dem ungeliebten Höherwerden der Gebäude und dem Wunsch nach dem freistehenden Einfamilienhaus, heißt es dazu in der Beratungsvorlage.

Wie kann aber mehr Verständnis für die Arbeit der Landwirte geweckt werden? Welche Möglichkeiten gibt es in den drei Ortsteilen, die Direktvermarktungschancen der Höfe zu verbessern? Und kann sich die Gäugemeinde womöglich für ein Modellprojekt im Bereich Landwirtschaft bewerben? Diese und weitere Fragen kamen in der jüngsten Sitzung auf den Ratstisch.

Private Verbundenheit

"Der Gemeinderat hat hohe Wertschätzung für die Arbeit derer, die erwerbsmäßig oder als Privatleute in der Land- und Forstwirtschaft in der Gemeinde tätig sind. Ernährung, Landschaftspflege, Umweltschutz, Erholungswert in der Natur und vieles mehr gehören zu ihren Aufgaben. Ihre Arbeit kommt in hohem Maße der Allgemeinheit zu Gute. Verständnis und Vertrauen zwischen den in Land- und Forstwirtschaft Tätigen sowie der Gesamtbevölkerung sollen deshalb besonders gefördert werden. Der Gemeinderat beauftragt die Verwaltung, hierfür erforderliche Maßnahmen zu ergreifen und entsprechende Aktivitäten zu unterstützen. Dies soll im Rahmen der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel geschehen", lautete der Beschlussvorschlag an das Ratsgremium.

Die abwechslungsreiche und vielfältige Landschaft um Althengstett gehöre zu seinen großen Vorzügen, führte die Verwaltung weiter aus. "Wald, Wiesen, Äcker, Streuobstwiesen wechseln sich kleinteilig ab und sind von zahlreichen Wegen durchzogen. Die Schnittstelle zwischen dem Buntsandsteinboden des Schwarzwaldes und dem Kalkboden des Heckengäus schafft unterschiedliche Voraussetzungen für die Vegetation und ermöglicht so eine besondere Artenvielfalt", heißt es da weiter.

Diese Landschaft sei durch den Menschen stark geprägt: Land- und Forstwirtschaft sowie die private Verbundenheit mit dem eigenen "Stückle" hätten diese oft parkartige Landschaft geschaffen und würden sie erhalten. Der vom Aussterben bedrohte Beruf der Wanderschäfer pflege durch die Herden Flächen, "die typisch für unsere Landschaft und von hohem ökologischen Wert, aber kaum maschinell bearbeitbar sind".

Das Heimatbuch "Ein Dorf am Rande des Schwarzwaldes" gebe Zeugnis von der engen Verbundenheit der Menschen mit der Landwirtschaft, wobei deren wirtschaftliche Bedeutung in den drei Dörfern unterschiedlich gewesen sei. "Werden für das Jahr 1979 vom Statistischen Landesamt noch 104 landwirtschaftliche Betriebe (Haupt- und Nebenerwerb) für die Gesamtgemeinde angegeben, so sind es im Jahr 2007 noch 13. Dabei ist bei diesen Zahlen anzumerken, dass damit nichts über die wirtschaftliche Aktivität dieser Betriebe ausgesagt ist", so die Verwaltung.

In der Gegenwart liege das wirtschaftliche Schwergewicht Althengstetts außerhalb der Landwirtschaft. Damit sei es umso wichtiger, Verständnis für die Arbeit in der Landwirtschaft und ihre Bedeutung zu wecken. Die örtliche kleinteilige Landwirtschaft mit ihrer oft familiären Prägung sei gerade in den vergangenen Jahren zwischen alle Stühle geraten: Wirtschaftlich gesehen könnten Großbetriebe mit großen Flächen sowie Stallungen mit geringeren Kosten produzieren und zugleich den bürokratischen Aufwand leichter leisten.

Keine Frage

Moralisch werde die Landwirtschaft mit Insekten- und Bienensterben, Grundwasserbelastung und ethisch fragwürdigen Praktiken gerade bei der Tierhaltung in Verbindung gebracht. "Und im praktischen Leben entstehen Konflikte zwischen erholungssuchenden Spaziergängern und Sportlern auf der einen und die Felder bewirtschaftenden Landwirten auf der anderen Seite, wenn sie sich die Wege teilen müssen".

Es gehöre zu den großen Anliegen der örtlichen Landwirte, Ökologie, Ökonomie und Ästhetik zu vereinen. "Die örtlichen Landwirte wollen ihre Anstrengungen, aber auch die Zielkonflikte der örtlichen Bevölkerung vermitteln und bei ihr ein größeres Verständnis wecken", wurde vonseiten der Verwaltung betont. Und weiter: "Aus den vergangenen Monaten seien als Beispiele das Mahnfeuer unterhalb des Feuerwehrhauses, die mehrstündige Diskussion mit dem Staatssekretär des Ministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, Hans-Joachim Fuchtel, und die ›Grünen Kreuze‹ genannt. Auch der Felderspaziergang für Konsumenten am 5. Juni 2020 zählt hierzu".

Wie Bürgermeister Clemens Götz ausführte, stehe die Verwaltung stets in Kontakt mit den Landwirten und habe in den vergangenen Monaten die Aktivitäten der Landwirte tatkräftig unterstützt. Auf die Dauer bedürfe es jedoch für den Einsatz von Ressourcen der Verwaltung eines Auftrags des Gemeinderats. "Manchmal muss ein bereits vorhandener Konsens formuliert und bekräftigt werden", entgegnete Götz zu kritischen Äußerungen aus dem Ratsgremium. "Ich war erst etwas ratlos, als ich die Beratungsvorlage gelesen habe", gestand Gemeinderat Lothar Kante (SPD). Man brauche keinen Beschluss dieser Art, weil es keine Frage sei, dass die bäuerlichen Betriebe unterstützt gehörten.

"Warum sollen wir eine einzige Branche rauspicken, die wir unterstützen wollen?", fragte Ratskollegin Amei Fischer (Grüne). Und Philipp Jourdan (Grüne) betonte, Landwirte müssten nicht nur gefördert, sondern bei Herstellungsprozessen und Anbaumethoden auch gefordert werden, um das Verhältnis zu den Verbrauchern zu verbessern. Ergänzend zum Beschlussvorschlag wurde formuliert, dass ein offenes Gespräch über die Anforderungen und Erwartungen an die Landwirte in Gang gebracht wird, bei dem es insbesondere auch um Naturschutzmaßnahmen gehen soll.

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