Beim Besuch der SPD-Bundestagsabgeordneten Saskia Esken in Althengstett wurden viele kritische Fragen zum Thema "Integration von Flüchtlingen" gestellt. Foto: Bausch Foto: Schwarzwälder-Bote

Flüchtlinge: Helfer reden sich in Althengstett Frust von der Seele

Althengstett-Ottenbronn. Erwartungsvolle Gesichter bei Rathausbediensteten, Gemeinderäten, Ehrenamtlichen des Althengstetter Arbeitskreises Asyl sowie zahlreichen Flüchtlingen: Das gab es beim Besuch der Bundestagsabgeordneten Saskia Esken (SPD) nur kurz zu sehen. Überraschend schnell wehte der Abgeordneten ein rauer Wind entgegen, dem sie sich jedoch mit Einfühlungsvermögen und Geduld stellte.

Gleich mehrere Helfer des Arbeitskreises Asyl brachten ihren Frust darüber zum Aus- druck, was sie täglich bei der Begleitung von Flüchtlingen erleben. Vor allem wurde heftige Kritik an Behörden und der Arbeit des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geübt. Flüchtlingshelferin Anne Rägle schilderte, wie es zwei syrischen Brüdern ergangen ist. "Einer der Brüder bekam eine Aufenthaltsgenehmigung von drei Jahren, während seinem Bruder bei völlig gleichen Fluchtgründen lediglich ein Aufenthalt für ein Jahr bewilligt wurde", so Rägle.

Bei Anrufen im BAMF gerate man ständig in eine Telefonschleife

Dies stellt in den Augen der Althengstetter Flüchtlingshelfer ein nicht zu unterschätzendes Integrationshindernis dar. Esken erklärte dazu, dass die Entscheider beim BAMF Spielraum bei ihren Entscheidungen hätten.

Die Liste der kritischen Anmerkungen der engagierten Flüchtlingshelfer war lang. So seien etwa gemeldete Adressenänderungen beim Umzug von Flüchtlingen von Bad Wildbad nach Ottenbronn nicht beim BAMF in den Zentralcomputer eingegeben worden. Dadurch habe ein Asylsuchender zu seinem Nachteil einen wichtigen Termin nicht einhalten können.

Bei Anrufen im BAMF gerate man ständig in eine Telefonschleife. Wenn schließlich eine Verbindung zustande käme, gebe es nur Verweise auf andere Ämter. Weiter wurde bemängelt, dass in einigen Fällen die Papiere von Asylbewerbern bei Erstbefragungen einbehalten wurden, ohne den Flüchtlingen Kopien auszuhändigen. Dies sei rechtswidrig, kritisiert der AK Asyl. Zudem gebe es unnötige Doppelbearbeitungen mit verschiedenen Aktenzeichen für ein und denselben Flüchtling.

"Zurück bleiben Hilflosigkeit und eine Verärgerung über die fehlerhafte Bearbeitung der Anträge, endlose Wartezeiten und die ungewisse Zukunft", resümierte Flüchtlingsbegleiterin Rägle.

Mucksmäuschenstill wurde es, als die ehrenamtliche Helferin davon erzählte, dass erwachsene Männer in ihrer Anwesenheit immer wieder weinen, weil sie sich hier nicht willkommen fühlen, nicht arbeiten dürfen und ihr Leben nicht selbstständig in die Hand nehmen können.

Esken riet dazu, bei gravierenden Missständen Einspruch gegen falsche Entscheidungen einzulegen und den Klageweg zu beschreiten. Viele der aktuellen Probleme resultierten daraus, dass nicht gleich Anfang des Jahres 2015 mehr Personal beim BAMF eingestellt worden sei. "Es gibt noch viel zu verbessern. Wir brauchen auf jeden Fall dringend ein Einwanderungsgesetz", hob die SPD-Bundestagsabgeordnete hervor. Dies sei jedoch von den Konservativen bisher stets verhindert worden.

Gemeinderat Lothar Kante, der Vorsitzende des Althengstetter Trägervereins Jugendtreff, verwies darauf, dass jugendliche Flüchtlinge im Althengstetter Jugendhaus jederzeit willkommen seien.