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Althengstett Erholungsfunktion des Waldes hat Priorität

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Revierförster Jürgen Martinek (links) und Karl-Heinz Stierle, Abteilungsleiter Forst im Landratsamt Calw, stellten im Althengstetter Gemeinderat den Forsteinrichtungsplan 2020 vor. Foto: Kunert Foto: Schwarzwälder Bote

Die Waldwirtschaft in den kommenden Jahren wird andere Prioritäten setzen müssen – so auch im Gemeindewald von Althengstett. Das wurde bei der Diskussion des künftig hier geltenden Forsteinrichtungsplans 2020 in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats deutlich.

Althengstett. War der Gemeindewald bisher vor allem eine sichere Bank, die regelmäßig solide bis sehr gute Einnahmeüberschüsse an den Gemeindehaushalt überweisen konnte (2012 zum Beispiel fast 70 000 Euro), ist diese Bedeutung in den vergangenen Jahren durch Sturm- und Dürreschäden sowie Insektenfraß immer weiter zurückgedrängt worden. Viel Schadholz bedeutet ein Überangebot an Holz auf dem Weltmarkt, was sich in einem zum Teil dramatischen Preisverfall niederschlägt.

Nicht nur deshalb gehen Karl-Heinz Stierle, Abteilungsleiter Forst im Landratsamt Calw, und Althengstetts Bürgermeister Clemens Götz bei der Vorlage des neuen Forsteinrichtungsplans für die kommenden zehn Jahre davon aus, "dass der Wald künftig fiskalisch deutlich weniger beitragen" (Zitat Götz) werde. Wortlaut der Sitzungsvorlage: "Im Zweifel hat die Waldpflege Vorrang vor der Erzielung positiver Haushaltsergebnisse." Da vor allem die Auswirkungen des Klimawandels (immer mehr Sturm-, Dürre- und Insektenfraß-Ereignisse) einen umfassenden Waldumbau erforderlich machten.

Weshalb künftig der Gemeindewald als Erholungsraum noch mehr als bisher "an erster Stelle" (Götz) auf der Agenda der Waldpflege für die Gemeinde stehen werde. Die vorhandenen Erholungseinrichtungen besonders im Unteren Wald seien "in einem guten Zustand zu erhalten" und möglichst noch aufzuwerten, so Stierle. Allerdings gebe es auch "ein gewisses Konfliktpotential" in der Erholungsfunktion des Waldes, wenn etwa Ruhesuchende auf Aktiv-Sportler in der freien Natur träfen. Hier gelte es, verstärkt die verschiedenen Interessensgruppen aneinander vorbei zu führen bei ihren Aktivitäten im Wald, um möglichst allen das Freizeiterlebnis zu ermöglichen, das sie im Wald suchten.

Dürreausfälle spielen eine große Rolle

Damit das dann aber auch immer absolut sicher sei, kämen zudem vermehrt Verkehrssicherungspflichten auf die Waldverantwortlichen zu. Dürreausfälle spielten zunehmend auch hier eine Rolle, vor allem im Laubholz des Erholungswaldes. Denn: Aus ökologischen Gründen würde sogenanntes Totholz in angemessenem Umfang im Wald zu erhalten sein, um so wiederum Lebensraum für gewünschte Insektenarten und Nistplätze zu schaffen – worunter aber natürlich die Arbeitssicherheit der Waldarbeiter und eben die Verkehrssicherungspflicht im Erholungswald nicht leiden dürften.

Apropos Waldarbeiter: Die Arbeiten im Gemeindewald werden bisher überwiegend durch drei eigene Forstwirte und durch freie Rückeunternehmer erledigt. Die eigenen Forstwirte werden zudem auch im Gemeindewald Os­telsheim, Simmozheim und Gechingen sowie zeitweise im Althengstetter Bauhof eingesetzt.

Erklärtes Ziel der künftigen Waldplanung sei auch, die eigene Forstwirt-Gruppe mit Blick auf das örtliche Beschäftigungsangebot unbedingt zu erhalten. Nach Möglichkeit sollte hier sogar künftig auch ein eigener Ausbildungsplatz zum Forstwirt angeboten werden. Allerdings, so die Prognose: Insgesamt sei der Gesamteinschlag sowie die notwendigen Pflegemaßnahmen durch die eigenen Forstwirte allein nicht mehr zu bewältigen. Daher müssten durch die Forsteinrichtung alle Bestände ausgewiesen werden, die alternativ auch vollmechanisiert bearbeitbar wären.

Ob es sich da nicht anbieten würde, den Hiebsatz im Gemeindewald zu reduzieren, wollte Gemeinderätin Amei Fischer (Grüne) wissen. Nein, so Forst-Experte Stierle. "Die Wälder müssen aktiv gepflegt werden", wozu "ein gewisser Einschlag als Mischungs-Regulierung" immer zwingend dazugehöre. Nur, wenn es in einem Jahr viel Schadholz etwa durch Sturmbruch gäbe, würde sich den Hiebsatz entsprechend reduzieren lassen. Gäb’s aber viel Schadholz wegen Dürre wie 2003 und 2018/19 oder wie aktuell durch Insekten, würde sich der Einschlag sogar erhöhen – wie im Zeitraum der vergangenen zehn Jahre, während der man eigentlich immer wieder die tatsächliche Einschlagsmenge auch in Althengstett gegenüber dem ursprünglichen Plan habe erhöhen müssen.

Zum sich beschleunigenden Waldumbau erläuterte Stierle, dass dort "ein Meinungswechsel" der Wissenschaft und Experten aktuell stattfinde – etwa in Bezug auf die Douglasie. Als Alternative zu Fichte und Tanne auf zunehmend trockenen Standorten, wie sie etwa rund um Althengstett auf den Muschelkalk-Böden existierten, wachse die Douglasie – wie man mittlerweile wisse - "hervorragend". Da vertrat die Wissenschaft bisher eine komplett andere Ansicht. Die Forschung sei hier im Fluss, vieles müsse man ausprobieren und die Ergebnisse dann bewerten – etwa, wenn man bisher seltene, als trockenresistent geltende (heimische) Laubholzarten wie Baumhasel, Elsbeere oder Kirsche dort einsetze, wo man bisher vor allem Nadelhölzer vorhielt. Insgesamt, so Stierle, werde der Wald dadurch auf absehbare Zeit deutlich jünger und lichter werden.

Der Althengstetter Gemeinderat stimmte der Forsteinrichtungsplanung in der vorgelegten Form für die kommenden zehn Jahre schließlich einstimmig zu.

Die Forsteinrichtung (früher auch Taxation beziehungsweise Forsttaxation oder Forstabschätzung genannt) dient in der Forstwirtschaft der Betriebsregelung und ist damit ein Führungs- sowie Planungsinstrument für den Forstbetrieb. Sie beinhaltet die Erfassung des Waldzustandes, die mittelfristige Planung und die damit verbundene Kontrolle der Nachhaltigkeit im Betrieb. Darüber hinaus wird im Sinne eines Controllings der Vollzug im abgelaufenen Planungszeitraum den zugrundeliegenden Zielvorgaben gegenübergestellt. Für den Gemeindewald Althengstett – wie insgesamt in Baden-Württemberg – ist die Forstdirektion am Regierungspräsidium Freiburg für die Forsteinrichtung zuständig, die diese Aufgabe vor Ort mit dem Landratsamt Calw als untere Forstbehörde (Leiter: Karl-Heinz Stierle) und dem zuständigen Revierförster (Jürgen Martinek) in Absprache mit der Gemeinde als Waldbesitzer wahrnimmt.

Althengstett verfügt über rund 480 Hektar eigenen Gemeindewald, was mit einem Waldflächenanteil von 37 Prozent im Vergleich zum Landkreis Calw (61 Prozent) zwar wenig ist, aber in etwa dem Landesdurchschnitt (38 Prozent) entspricht. Die Holz-Vorräte hier sind mit 277 Vorratsfestmeter (Vfm) pro Hektar (ha) aufgrund der sehr hohen Anteile an jüngeren Beständen (ein- bis 40jährig) auch für eine Gäugemeinde niedrig. Der durchschnittliche Vorrat im Kommunalwald in Baden-Württemberg liegt bei 342 Vfm/ha.

Die in Althengstett bisher hauptsächlich vorgehaltenen Baumarten sind Fichte (27 Prozent), Kiefer/Lärche und Buche (je 18 Prozent), Eiche (15 Prozent) und Tanne (zehn Prozent). Die verfügbaren Standortsverhältnisse zeichnet vor allem hoher Kalkgehalt, Trockenheit auf Muschelkalk sowie wechselfeuchte und staunasse Standorte im Übergangsbereich von Buntsandstein zu Muschelkalk aus.

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