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Althengstett Entnahme

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Jonas Widmayer hat sich Stammzellen entnehmen lassen. Mit seiner Spende gibt er einem ­65-jährigen Kanadier eine Überlebenschance. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

"Ich würde es jederzeit wieder machen", sagt Jonas Widmayer. Der 19-Jährige hat sich bei der DKMS gemeinnützige GmbH (früher Deutsche Knochenmarkspenderdatei) registrieren lassen und kann jetzt mit einer Stammzellenspende einem leukämiekranken Mann aus Kanada helfen.

Lebensspender kann werden, wer zwischen 18 und 55 Jahre sowie bei guter Gesundheit ist. Mit einem Bluttest (fünf Milliliter) oder der Entnahme einer Speichelprobe aus der Mundhöhle werden erste Gewebemerkmale bestimmt. Zeigen diese eine Übereinstimmung mit denen des Patienten, folgen weitere Tests. Die Stammzellen befinden sich in hoher Anzahl im Knochenmark (nicht Rückenmark) des Beckenkamms. Wurde ein genetischer Zwilling für den Patienten gefunden, gibt es zwei Verfahren für die Stammzellentnahme: in 80 Prozent der Fälle die periphere Entnahme, bei dem die Zellen aus dem Blut gesammelt werden, und bei den restlichen die Knochenmarkentnahme, bei der dem Spender unter Vollnarkose fünf Prozent seines Knochenmarks aus dem Beckenkamm entnommen werden; weitere Infos unter www.dkms.de.

Althengstett. Der Althengstetter, der diesen Sommer sein Abitur an der Hermann-Gundert-Schule auf dem Wimberg gemacht und ein duales Hochschulstudium begonnen hat, ließ sich dieses Jahr wie zahlreiche seiner Schulkameraden als potenzieller Stammzellenspender bei einer Typisierungsaktion in die Datei aufnehmen. "Vier solcher Aktionen gab es bei uns in den vergangenen Jahren", sagt Rolf Schaich, der an der Gundert-Schule unterrichtet, im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Er hat alle vier Termine maßgeblich organisiert.

Erste Aktion für erkrankte Mitschülerin

Alles begann, als 473 Schüler der Hermann-Gundert-Schule und der Johann-Georg-Doertenbach-Schule auf dem Wimberg sich im Februar 2008 als potenzielle Spender in die DKMS aufnehmen ließen. Anlass war unter anderem die Leukämieerkrankung der damals 17-jährigen Mitschülerin Marina aus Weil der Stadt. Für sie war, wie für viele andere Betroffene, die Übertragung von gesunden Stammzellen eines passenden Spenders die einzige Überlebenschance.

Vor rund neun Jahren war die Vorbereitung in der Bildungseinrichtung noch etwas aufwendiger als heute, weil damals jedem potenziellen Spender fünf Milliliter Blut abgenommen wurden. Die Typisierung kann aber auch, wie bei den jüngsten Aktionen, mittels Speichelprobe erfolgen, was schneller geht: Formular ausfüllen, mit zwei Wattestäbchen an der Mundschleimhaut entlangfahren, die Probe eintüten, fertig.

Die Mühen der Schüler, Lehrer, weiterer Helfer und der DKMS-Mitarbeiter haben sich gelohnt: Sage und schreibe 13 Stammzellenspender konnten durch die Aktion 2008 ermittelt werden. Bei der Typisierungsaktion 2010, bei der sich 361 Schüler und Lehrer registrieren ließen, gab es immerhin fünf Treffer beziehungsweise Spenden und bei der Aktion 2014 mit 458 Registrierten drei. Bei der diesjährigen Typisierung ließen sich 614 Personen in die Datei aufnehmen.

Für eine Stammzellentransplantation müssen die Gewebemerkmale zwischen Spender und Patient nahezu vollständig übereinstimmen. Spender und Empfänger sind quasi genetische Zwillinge. Als klar war, dass Gewebemerkmale des 19-jährigen Jonas zu denen eines Patienten passen, ging es so schnell wie möglich zum Hausarzt. Der nahm ihm Blut ab, das für weitere Untersuchungen an die DKMS geschickt wurde.

Nicht eine Sekunde gezögert

Als der junge Mann die Nachricht bekam, dass er ein geeigneter Spender ist, zögerte er keine Sekunde, und erklärte sich bereit, sich Stammzellen entnehmen zu lassen: "Wer sich registrieren lässt und zusagt zu helfen, muss das auch durchziehen".

Schließlich stand vor Kurzem der Spendetermin in der Tübinger Uniklinik fest. "Ich wurde zuerst rund vier Stunden lang von Kopf bis Fuß untersucht, mit EKG und Ultraschall." Vor der Spende hatte sich der junge Mann Wachstumshormone in den Bauch ­spritzen müssen, um das Stammzellenwachstum in seinem Körper anzuregen.

Die rund sechsstündige Blutentnahme war schmerzfrei. Nach der Spende bekam der 19-Jährige zu erwartende, grippeähnliche Symptome wie leichte Gliederschmerzen. Diese legten sich aber bald wieder. Körperliche Anstrengung, zum Beispiel durch das von Jonas heiß geliebte Fußballspiel, waren für einige Tage aber erst mal tabu.

Entnommene Stammzellen sind 72 Stunden haltbar. Sie mussten also auf dem schnellsten Weg nach Kanada gebracht werden. Wer genau der Empfänger ist, weiß der Althengstetter nicht. Erst in zwei Jahren besteht die Möglichkeit, diesen kennenzulernen: "Ich würde ihn gerne treffen", sagt Jonas. Bis dahin darf sich der Kontakt lediglich auf anonyme Briefe beschränken, die über die DKMS verschickt werden. "Ich habe ihm geschrieben, wie es dazu kam, dass ich Spender wurde und erkundige mich in dem Schreiben danach, wie es ihm geht", erzählt der Stammzellenspender.

Erst Mitte Januar wird Jonas von der DKMS erfahren, wie es dem Kanadier geht und ob dessen Körper die gespendeten Zellen gut angenommen hat. "Sollte eine weitere Entnahme notwendig werden, bin ich dazu jederzeit bereit", versichert er.

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