Hedwig Zipperer und Marian Tomczak Fotos: Archiv Foto: Schwarzwälder-Bote

Gedenkstein für Marian Tomczak und Hedwig Zipperer wird enthüllt / Landtagspräsident sowie Botschafter zu Gast

Von Marion Selent-Witowski

Althengstett. Es soll ein Festtag für alle Althengstetter werden, auch wenn übermorgen zwei Personen im Vordergrund stehen werden: Marian Tomczak und Hedwig Zipperer, die für ihre Liebe während der NS-Zeit einen hohen Preis bezahlten. Mit dem Gedenkstein für die beiden, der dann enthüllt wird, soll zur Menschlichkeit gemahnt werden.

Der polnische Zwangsarbeiter Marian Tomczak wurde am 3. August 1942 durch ein Kommando der Gestapo Stuttgart wegen seiner Liebe zu Hedwig Zipperer erhängt – vor den Augen seiner polnischen und französischen Mitkriegsgefangenen. Die junge Althengstetterin war von 1942 bis 1944 im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert. Bei der Aufarbeitung eines dunklen Kapitels der Ortsgeschichte geht es Gemeinderat, Verwaltung und dem Arbeitskreis "Althengstett – Geschichtliche Aufarbeitung 1933-1945" nicht darum, wer wann welche Verantwortung getragen hat und um Schuldzuweisungen. Das Verstehen und Bewahren der Geschehnisse steht im Mittelpunkt, damit Mitgefühl sowie Menschlichkeit gestärkt werden.

In der Einladung der Gemeinde zur Gedenksteinenthüllung heißt es: "Unter der nationalsozialistischen Herrschaft wurden Hass und Menschenverachtung befohlen. Zahlreiche Menschen aus Althengstett haben durch ihre Taten widersprochen und die Menschenwürde geachtet. Stellvertretend ehren wir zwei dieser Menschen, die durch Tod und KZ einen besonders hohen Preis bezahlt haben, durch einen Gedenkstein: Marian Tomczak, dessen 100. Geburtstag sich in diesem Monat jährt, und Hedwig Zipperer. Wir ehren damit auch alle anderen Bürger aus Althengstett, die sich gut und gerecht verhielten, insbesondere gegenüber den Menschen aus anderen Völkern. Sie haben durch ihre Menschlichkeit in schweren Zeiten die Grundlagen für unser heutiges Leben in Freiheit und Gerechtigkeit gelegt. Deshalb ist die Enthüllung des Gedenksteins ein Festtag für uns alle."

Aus diesem Grund ist ausdrücklich die gesamte Bevölkerung zur Enthüllung des Gedenkstein eingeladen. Dieser trägt die Inschrift "Zum Gedenken an Marian Tomczak, geboren am 2. September 1915 in Kajew/Polen, am 3. August 1942 erhängt an diesem Ort durch ein Kommando der Gestapo wegen seiner Liebe zu Hedwig Zipperer, geboren am 6. Dezember 1923 in Althengstett, gestorben am 21. März 2007 in Schömberg, inhaftiert 1942-1944 im Konzentrationslager Ravensbrück".

Am Samstag, 26. September, wird ab 10 Uhr ein Gottesdienst in der Markuskirche gefeiert. Die Enthüllung des Gedenksteins soll um 11 Uhr stattfinden. Treffpunkt ist zunächst das Gebäude des Bezirksimkervereins Calw in der Ferdinand-Porsche-Straße. In Althengstett zu Gast sind an diesem denkwürdigen Tag unter anderem Landtagspräsident Wilfried Klenk und der polnische Generalkonsul aus München, Andrzej Osiak.