"Alles, was mit Bauen zu tun hat, ist meine Welt", sagt Hans Wurster. Er gibt demnächst die Leitung der Bauamts an seinen Nachfolger ab, bleibt aber Ortsbaumeister. Foto: Selent-Witowski Foto: Schwarzwälder Bote

Personalie: Hans Wurster gibt Leitung des Bauamts ab, bleibt aber Ortsbaumeister / Umfangreiches Wissen weiterhin gefragt

"Was man gerne macht, macht man auch gut" – das sagt ein echter Schaffer, der dem Alter nach im Ruhestand sein könnte, aber noch längst nicht ans Aufhören denkt. Zwar wird bereits ein Nachfolger für den Althengstetter Bauamtsleiter Hans Wurster gesucht, seinen Titel als Ortsbaumeister wird er aber behalten und weiter für die Gemeinde tätig sein.

Althengstett. Die Position des Bauamtsleiters von einem Tag auf den anderen mit einem neuen Mitarbeiter zu besetzen, kam für den Gemeinderat nicht infrage, und auch Bürgermeister Clemens Götz ist nun froh, dass weiter auf das umfangreiche Wissen und den großen Erfahrungsschatz Wursters zurückgegriffen werden kann. Dieser zeichnete seit 2008 für zahlreiche Projekt in der Gäukommune mit verantwortlich. Statt eines knallharten Schnitts einigte man sich mit Wurster auf eine Übergangszeit zum Wissenstransfer an den neuen Amtsleiter, auch wenn das zusätzliche Personalkosten bedeutet. Bis mindestens Ende 2022 wolle der jetzige Bauamtsleiter bleiben, so Götz. "Ich mache weiter, bis die Hesse-Bahn fährt", sagt der Amtsleiter selbst, und das soll ja bekanntlich 2023 der Fall sein.

Liste der Projekteist ganz schön lang

"Wenn der in ein Loch schaut, weiß er, was los ist", wird stets von den Gemeinderäten und Mitarbeitern im Rathaus auf Wurster verwiesen, wenn es rund um das Thema Bauen geht. Der 66-Jährige hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte in den drei Ortsteilen mitverantwortet und federführend die Planung dazu erarbeitet. Dazu zählen die Neue Ortsmitte in Althengstett – "mein erstes großes Projekt, für das ich einen Investor suchen sollte und für das ich zwei gefunden hatte"  –, die Neue Ortsmitte Ottenbronn, die Umgestaltung und Sanierung des Gerhard-Schanz-Sportzentrums, die Erweiterung der Althengstetter Kläranlage, die Gewässerentwicklung Brombach und den Neubau des Brücke Richtung Unterhaugstett, die neue Asylunterkunft Am Gleis, der Radweg Althengstett-Ostelsheim oder die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, bei dem insgesamt 1500 Leuchten getauscht wurden, mit denen nun viel Energie gespart werden kann. Die Liste ließe sich noch um einiges verlängern. Besonders stolz ist Wurster auf die Planung und die künftige Ausgestaltung des Baugebiets "Brunnenstraße" in Neuhengstett, für das eng mit der Ortsverwaltung zusammengearbeitet wurde.

Wurster war und ist Ansprechpartner für die Bürger, für Architekten sowie Ingenieure und unterstützt ehrenamtliche Aktivitäten wie die des Hengstetter Arbeitskreises Energie. Gemeindeentwicklung, Bauleitplanung, Bauherrenfunktion, der Grundstücksverkehr (Kauf, Verkauf, Negativzeugnisse), Bauherrenfunktion, Haushaltsplan und das Beantragen von Fördermitteln sind die Bereiche, mit denen sich Wurster befasst.

Circa 1000 Bauanträge hat der Amtsleiter und Ortsbaumeister seit 2008 bearbeitet sowie an rund 350 Sitzungen von Technischem Ausschuss, Gemeinderat, Ortschaftsräten und Nachbarschaftsschulverband teilgenommen. Personalverantwortung hat er für die Mitarbeiter des Bauamts, die Hausmeister, Reinigungskräfte, die Mitarbeiter im Bauhof sowie in der Kläranlage. Dankbar ist Wurster für die gute und konstruktive Zusammenarbeit mit Bürgermeister, Gemeinderat und Kollegen: "Die kann ich alle nur sehr loben!".

LösungsorientiertesArbeiten gefragt

Seit er denken kann, hat der gebürtige Simmersfelder mit dem Thema Bauen zu tun: "Mein Vater hatte ein Baugeschäft. Ich habe eine kaufmännische Ausbildung absolviert, später gemeinsam mit meinem Bruder die Firma übernommen und eine Wohnbau gegründet. Ich weiß, wie Bauen funktioniert. Alles, was mit Bauen zu tun hat, ist meine Welt". Wurster studierte zudem Immobilienökonomie. Außer viel Fachwissen – Bauanträge werden beispielsweise immer komplexer – war in all den Jahren lösungsorientiertes Arbeiten und Verhandlungsgeschick unter anderem mit Investoren gefragt. "Ich bin nicht auf Titel versessen, aber bei meiner weiteren Tätigkeit ist es besser, wenn ich weiter Ortsbaumeister bin", betont Wurster.

Der "Neue" werde selbstverständlich der Chef, den er gerne unterstützen und einarbeiten werde. "Gut wäre es, wenn der neue Amtsleiter schon über ein gewisses Maß an Erfahrung verfügt." Zahlreiche Aufgaben warten auf den jetzigen und neuen Amtsleiter, unter anderem die Gründung einer Wohnbaufirma gemeinsam mit der Stadt Bad Liebenzell, der Schulhausanbau in Althengstett für die Ganztagsbetreuung, der Bahnübergang in der Stuttgarter Straße, die Gewässerentwicklung Tälesbach und das künftige Medizinische Versorgungszentrum mit Tiefgarage. Die Grundsteinlegung für die neue Kindertagesstätte in der Hengstetter Poststraße sei für Mai geplant, so Wurster.

Bauplanungsrecht und Gemeindeentwicklung, Projektleitungen und Bauherrenvertretung, Grundstücksverkehr sowie das Projekt Hermann-Hesse-Bahn auf Hengstetter Gemarkung – darum wird sich Wurster künftig als Ortsbaumeister kümmern. Angedacht sei auch eine zeitliche Reduzierung in Althengstett. "Ich werde mich auch externen Aufgaben widmen und zeitweise Bauämter anderer Gemeinden unterstützen", sagt er. Und wenn dann noch Zeit bleibt, will sich der Vater von vier Kindern seinen beiden Hobbys, dem Motorrad- und dem Skifahren widmen. Außerdem ist Wurster Prädikant der Evangelischen Landeskirche.

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