Elke Ruf (hinten, von links), Katharina Schütz und Pascal Linzner sowie ihre Kollegen Jennifer Lachenmann (vorne links) und Christin Clauer sind stolz auf die Fortschritte in Sachen Digitalunterricht an der Althengstetter Gemeinschaftsschule. Foto: Selent-Witowski Foto: Schwarzwälder Bote

Bildung: Althengstetter Gemeinschaftsschule macht bei Onlineunterricht riesigen Schritt nach vorne / Eltern ziehen mit

"Der Digitalunterricht eröffnet uns unheimlich viele neue Möglichkeiten, auch nach Corona", ist Elke Ruf, Leiterin der Althengstetter Gemeinschaftsschule (GMS), sicher. Dort hat man seit des ersten Lockdowns viel dazu gelernt und ist mittlerweile stolz auf einen dynamisch-kreativen Unterricht, für den alle Lehrerkollegen anpacken und der bei den Schülern gut ankommt.

Althengstett. Das hatte während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 freilich noch anders ausgesehen. Eine fehlende Tagesstruktur und die dauerhaft fehlende Verbindung zur Lehrkraft sowie technische Hürden hatten so manchen Schüler und auch die Eltern vor Probleme gestellt.

"Die ganze Welt hat durch Corona ein Problem. Wir haben es hier an der Schule gut", sagt Ruf. Der Medienentwicklungsplan sei freigegeben worden, sprich, es hätten ausreichend Endgeräte und weitere technische Ausstattung beschafft werden können. "Wir haben hier viele IT-Spezialisten unter den Kollegen und können uns dadurch gegenseitig unterstützen", beschreibt die Rektorin die digitale Entwicklung an der GMS.

Ein strukturierter Tagesablauf ist vor allem für die jüngeren Schüler wichtig, damit sich Lernerfolge einstellen. "Um 7.45 Uhr ist Unterrichtsauftakt mit einer Videokonferenz", berichtet Christin Clauer, die Erstklässler unterrichtet.

Die Jungen und Mädchen würden in kleinen Schritten an den Digitalunterricht herangeführt. "Sie lernen schnell und machen mit großer Begeisterung mit." Material auf der Lernplattform Moodle ergänze den Onlineunterricht. "Die Eltern müssen mitmachen und das digitale Lernen mittragen. Das funktioniert sehr gut", so die Pädagogin. Für die hochmotivierten Erstklässler sei man regelmäßig 15 Minuten online für individuelle Fragen, "und für die Eltern stehen wir jederzeit auch im Chat zur Verfügung", so Clauer.

"Meet and greet" ab 7.30 Uhr

"Auch bei den anderen Grundschulklassen klappt der Onlineunterricht gut", berichtet Kollegin Jennifer Lachenmann. Besonders beliebt sei das "Meet and greet" zwischen 7.30 und 7.45 Uhr. "Da ist Zeit für den allgemeinen Austausch." Dann gehe man gemeinsam online die Tagespläne durch "und es gibt immer einen gemeinsamen Abschluss, bei dem man sich nochmal sehen kann. Das ist den Schülern und auch uns wichtig", sagt Lachenmann. Genauso wie sämtliche ihrer Kollegen hat sie an maßgeschneiderten Lernvideos getüftelt, zum Beispiel für das Spiegelfigurenzeichnen mit dem Geodreieck. "Die Oberfläche ist intuitiv", so Lachenmann. Die Schüler kämen ohne lange Erklärungen sofort zurecht. "Von Mathe bis Sport haben wir alle Videos selbst gemacht", berichten die Schulleiterin und ihre Kollegen nicht ohne Stolz. "Die Eltern sehen, das viel Arbeit dahintersteckt. Für jede Rückmeldung von ihnen sind wir dankbar, die Elternsicht ist wichtig", betont Ruf.

Die Prüfungsklassen bereiten sich derzeit in der Schule vor: "Sie sind an drei Tagen die Woche hier", berichtet Matthias Behrend. An den anderen Tagen würden sie sich im Onlineunterricht ins Zeug legen: "Sie sind alle sehr diszipliniert", sagt der Pädagoge zu der intensiven Lernphase für die Zehner und Hauptschüler unter anderem in den Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Technik.

"Wir wollen während der Schulschließung alle mitnehmen", betont die Schulleiterin zur derzeitigen Situation. Wenn ein Schüler sich um 7.45 Uhr nicht digital einlogge, erfolge ein Anruf zu Hause vom Sekretariat aus.

Von der guten digitalen Ausstattung profitiert man auch in Fächern, in denen man das nicht unbedingt hätte erwarten können, wie Katharine Schütz aus ihrem Kunstunterricht berichtet: "Die Tablets sind super gut einzusetzen". Als Beispiel nennt sie einen digitalen Rundgang mit Erläuterungsfunktionen in den Staatlichen Museen zu Berlin. Außerdem stehen mehrere Apps zur Verfügung, "damit kann man zum Beispiel zeichnen wie auf Papier".

Mit einer Trickfilm-App seien ihre Schüler sehr kreativ geworden. Die Schülermedienmentorenausbildung habe zur Folge, dass Schüler Gelerntes an ihre Mitschüler weitergeben. "Die Teilnehmer sind stolz, wenn sie auch mal in die Rolle des Lehrers schlüpfen können."

Flächendeckendes WLANdemnächst gewährleistet

"Ab spätestens Mitte Februar haben wir flächendeckend WLAN an allen Standorten", berichtet ihr Kollege Pascal Linzner. "Außerdem sind jetzt in allen Klassenzimmern 75-Zoll-Fernseher installiert." Dazu habe man Apple TV für Fernseher und Beamer. Alle Lehrkräfte stehe ein iPad zur Verfügung. Circa 120 Desktop-PC gebe es in den fünf Computerräumen des GMS und der Grundschulen sowie 125 ortsgebundene iPads inklusive Tastatur und Stift für die Schülerschaft als Klassensätze. 34 Leih-Notebooks, zehn Leihdrucker und zehn Lego-Mindstorms-Roboter gehören außerdem zur Ausstattung der Hengstetter Gemeinschaftsschule. Die digitalen Möglichkeiten in der Bildungseinrichtung sind unter anderem Thema beim Tag der offenen Tür der GMS, der online für 27. Februar geplant ist (siehe "Info").

Die Althengstetter Gemeinschaftsschule (GMS) lädt am Samstag, 27. Februar, zu einem Tag der offenen Tür ein –­ wegen der Corona-Pandemie erstmals in digitalem Format. Von 11 bis 14 Uhr können sich Eltern und Schüler über das Angebot und die Arbeitsweise der GMS informieren. Es werden Lernvideos gezeigt und es gibt verschiedene Online-Präsentationen. Fragen werden in digitalen Konferenzen beantwortet. Informationen über den genauen Ablauf der Veranstaltung gibt es im Internet unter www.gms-althengstett.de.

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