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Althengstett Coronavirus: Heimbewohner berichtet aus der Isolation

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Berührungen wie Umarmungen oder das Halten der Hand vermissen isolierte Heimbewohner derzeit sehr. Foto: dpa/Berg

Althengstett - Wolfgang Baumann macht gerade eine harte Zeit durch. Wie viele andere Heimbewohner ist der 71-Jährige zum Schutz vor dem Coronavirus komplett von der Außenwelt isoliert. Unterkriegen lässt er sich deswegen aber nicht. In unserem (SB+)-Artikel berichtet Baumann vom Umgang mit der Situation. 

Der Himmel ist seit Tagen strahlend blau,Vögel zwitschern, Bäume und Sträucher blühen. Die Natur ist mit aller Macht zurück. Doch an Spaziergänge oder Ausflüge ist derzeit für Senioren, vor allem die, die im Heim leben, nicht zu denken. Schlimmer noch ist der fehlende Kontakt zu Familie, Freunden und Bekannten. Für Wochen keine Begegnung mit Enkeln, mit keinem einzigen Besucher. Das macht etwas mit einem.

Kontakt zur Außenwelt durch Alexa und Handy

Auch Baumann leidet unter der Isolation, hat aber einen Weg gefunden, um besser damit umgehen zu können. Dem Althengstetter hilft es sehr, dass er längst im digitalen Zeitalter angekommen ist. So kann er den Kontakt zur Außenwelt halten. Er nutzt die Sprachbox Alexa, wenn er wissen will, wie am nächsten Tag das Wetter wird, oder lässt den virtuellen Assistenten seine Lieblingssongs aufrufen. Das Handy liegt immer griffbereit.

Der Senior nutzt das Homebanking, schreibt gern Kurznachrichten per WhatsApp oder surft im Internet. "Ich kann älteren Menschen nur empfehlen, sich des Themas digitale Medien anzunehmen. Diese zu nutzen, kann sogar eine beruhigende Wirkung haben", sagt Baumann im Telefongespräch mit dem Schwarzwälder Boten.

Isoliert zu sein, und nicht mehr fast täglich Besuch von Ehefrau Hildegard zu bekommen, belastet den 71-Jährigen durchaus. "Ich motiviere mich jeden Tag damit, dass die Beschränkungen wegen der Corona-Krise ja wieder irgendwann aufgehoben werden müssen. Es geht irgendwann wieder weiter." Obwohl er kein religiöser Menschen sei, bete er zurzeit jeden Abend vor dem zu Bett gehen: "Das hilft mir sehr".

Baumann ist ein von Grund auf optimistischer, vorausschauender Mensch. Diese Eigenschaft hat ihm geholfen, als er vor rund zwei Jahren plötzlich wegen großer gesundheitlicher Probleme auf den Rollstuhl angewiesen war. Er haderte damals nicht mit der Situation, sondern nahm die neuen Lebensumstände an. Außerdem tut er als Bewohner des Zentrums Am Hirschgarten weiter das, was er Jahre zuvor schon im Althengstetter Seniorenrat getan hat: Der 71-Jährige engagiert sich im Heimbeirat und gibt damit älteren Menschen eine Stimme.

Oft braucht es wenig für Veränderungen

"Viele Dinge können oft mit leichtesten Mitteln verändert werden", ist Baumann überzeugt. "Ich kann Ungerechtigkeiten gegenüber alten Menschen nicht leiden und werde in einer solchen Situation dann auch unwirsch", sagt der ansonsten sehr besonnen agierende Senior. "Wir sind alle, egal, ob jung oder alt, gleich und haben alle die selbe Wertschätzung verdient", betont der 71-Jährige. Wenn er ein Problem im Umgang mit Senioren sehe, könne er nicht schweigen.

"Im Großen und Ganzen bin ich gesund und ich fühle mich wohl hier", berichtet der Neuhengstetter. Viel schwerer sei die Situation für Bewohner mit dementiellen Erkrankungen zu ertragen, weil sie die Lage und die damit verbundenen Einschränkungen nicht gänzlich erfassen könnten. "Sie sind einfach nur traurig, weil kein Besuch mehr kommt."

Sämtlichen Bewohnern würden körperliche Berührungen wie eine Umarmung oder das Halten der Hand sehr fehlen. In der jetzigen Situation sei jede freundliche Geste der Pfleger und sonstigen Mitarbeiter des Seniorenzentrums mehr wert als Worte: "Alle, die sich um uns kümmern, haben immer ein Lächeln auf den Lippen und sorgen hier tagtäglich für viel Frohsinn. Sie geben uns sehr viel Halt".

"Ich kann allen nur sagen: Kopf hoch!", ermuntert Baumann alle Heimbewohner und auch die restliche Bevölkerung, optimistisch zu sein. Es werde sich alles wieder zum Besseren wenden, "­auch wenn nach der Krise einiges anderes sein wird als vorher". Dankbar müsste die Bevölkerung für das Engagement von Menschen in medizischen oder in Pflegeberufen, von Polizeibeamten und Feuerwehrleuten sein: "Sie alle sind täglich für uns auf den Füßen in einer schwierigen Lebensphase".

Die kleinen Gesten würden jetzt mehr als jemals zuvor zählen. Eine solche sei der Auftritt des Posaunenchors draußen vor dem Seniorenzentrum an Ostern gewesen: "Das hat die Seele frei gemacht".

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