Umweltfreundliche Gewinnung wird als Standortfaktor gesehen
Von Marion Selent-Witowski
Althengstett. Beabsichtigt eine Familie nach Althengstett zu ziehen, erkundigt sie sich meist zuerst nach den Bauplatzpreisen und im selben Atemzug nach Kinderbetreuungsangeboten. Ein weiterer wichtiger Standortfaktor in der Gäugemeinde soll künftig die umweltfreundliche Energieversorgung werden.
In der Gäugemeinde wurde damit begonnen, ein tragfähiges Konzept für die regenerative Energiegewinnung auszuarbeiten. Deshalb wurde ein Arbeitskreis gebildet, der jetzt gemeinsam mit Fachleuten auslotet, welche Möglichkeiten es dafür in der Kommune gibt. Im Gemeinderat berichteten am Mittwochabend Lothar Kante (SPD) und Andreas Braun (CDU), die beide in der Gruppe "Energiezukunft Althengstett" mitarbeiten, von den Ergebnissen des ersten Treffens.
Die Suche nach Energieeinsparpotenzial, der Ausbau der Nahwärme und die Unabhängigkeit von Energielieferanten waren laut Kante die Hauptthemen der ersten Diskussionsrunde. "Die Kommunen müssen sich verstärkt selbst um dieses Thema kümmern", betonte er. Deshalb müsse es auf Ebene des Gemeindeverwaltungsverbands in Angriff genommen werden. Die Umwelt durch weniger Kohlendioxid-Ausstoß zu schonen, sei die eine Seite, die andere stelle aber einen wichtigen Standortfaktor dar: "In der Energieversorgung autark zu sein, bringt den Althengstettern Preisvorteile. Damit können wir einen Beitrag zur Standortsicherheit leisten."
Wie aktiver Klimaschutz in einer Gemeinde aussehen kann, wollen sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe demnächst bei einem Besuch im Bioenergiedorf Nordrach im Ortenaukreis anschauen, kündigte Braun an. Dort wird ihnen noch ein weiterer Aspekt der umweltfreundlichen Energieselbstversorgung vor Augen geführt werden: Aktiver Umweltschutz hilft nämlich nicht nur dabei, die Lebensqualität zu sichern, sondern ist auch aktive Wirtschaftsförderung für Handwerk, Mittelstand, Architekten, Fachplaner und Ingenieure, die von Investitionen und Maßnahmen in Sachen Klimaschutz profitieren.
Der malerische Luftkurort im Schwarzwald mit knapp 2000 Einwohnern ist Mitglied im "Klimabündnis Südlicher Oberrhein", der "Energieregion Mittleren Schwarzwald", bei der Aktion "Solar Lokal" und beim "Aktionsbündnis Artenvielfalt" des BUND. "In Nordrach wurden viele kleine Maßnahmen umgesetzt, die Denkanstöße für Althengstett geben könnten", äußerte sich Braun. Die Kommune in der Ortenau betreibt seit Jahren eine Holzhackschnitzelheizung mit eigenem Fernwärmenetz.
Außerdem überzeugte Nordrach durch innovative Ideen beim Umgang mit Energie. So wurden unter anderem die Straßenbeleuchtungszeiten optimiert, die Halle sowie das Rathaus mit der neuesten Generation von Energiesparleuchten ausgestattet sowie alle Hausdächer mit einer Laserabtastung auf die Eignung von Solaranlagen getestet. Die Gemeinde ist einer der Gewinner in den sieben Kategorien des landesweiten Wettbewerbs "Energie-Musterkommune 2010". Die Gewinner erhielten ein Preisgeld in Höhe von 25 000 Euro für die Verwirklichung konkreter Projekte im Bereich Energie.
Bei Beratungen im kleinen Kreis soll es in Althengstett aber nicht bleiben, wie Braun und Kante betonten. Die Bevölkerung werde so schnell wie möglich mit ins Boot geholt, um gemeinsam umsetzbare Ideen für die Althengstetter Energiezukunft zu entwickeln.