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Althengstett 27-Jähriger verkauft ersten eigenen Whisky

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Leonard Wilhelm bringt bald seinen ersten Whisky auf den Markt. Foto: Anne Frost

Gechingen - "Mir geht es um das Individuelle, um Regionalität", sagt der Jungunternehmer Leonard Wilhelm, der in Gechingen Whisky sowie Gin selbst brennt und vertreibt. Der studierte Betriebswirtschaftler kam kurz nach dem Abitur bei einer Rundreise durch Irland und Schottland im wörtlichen sowie übertragenen Sinne auf den Geschmack.

Zuerst das Whiskyherstellen nur ein Hobby sein, wobei Wilhelm aus kaufmännischem Blickwinkel betrachtet schnell erkennen musste, dass er das Brennen professionell betrieben oder es lassen muss. Nachdem er seine Marktchancen ausgelotet und Kosten sowie möglichen Ertrag gegenübergestellt hatte, wagte er sich an den beruflichen Neuanfang. Im Oktober 2017 fand die offizielle Eröffnung der Heckengäu-Brennerei statt, die samt Eventcenter in einer ehemaligen Lagerhalle eingerichtet wurde und 60 Personen Platz bietet.

Mit regelmäßigen Besichtigungsangeboten, Tastings, Seminaren und dem "Schnapswandern" will Wilhelm Touristen und Bewohner des Heckengäus gleichermaßen anlocken. Wegen der Corona-Pandemie herrscht in diesem Bereich momentan aber eher Flaute. Kulinarischer Genuss soll mit touristischem Erleben verbunden werden und über die Einführung neuer Produkte neue Verbindungen zwischen der einzigartigen Kulturlandschaft Heckengäu sowie den Menschen entstehen, die hier genießen – mit hochwertigen, selbst produzierten Spirituosen aus erlesenen Zutaten.

Erst seit diesem Jahr kann der 27-Jährige seinen ersten selbst gebrannten Whisky verkaufen, denn dieser muss mindestens drei Jahre lang lagern, bevor er die entsprechende Qualität aufweist. Die Nachfrage nach seinen Produkten hat laut Wilhelm seit dem Ausbruch von Corona nachgelassen: "Die Leute verschenken momentan weniger, das macht sich bei mir im Unternehmen bemerkbar".

Wacholderbranntwein, also Gin, ergänzt seit dem Start des Unternehmens das Angebot. Sechs Wochen lang feilte der Unternehmer an der Rezeptur mit feiner Ingwer-Note. Erst dadurch wurde es eine seltene Sorte, weiß Wilhelm. Dieser Zusatz wird nämlich oft nicht verwendet, weil Ingwer nicht gut auf den Bitterstoff Chinin im Tonic Water reagiere. Acht Kräuter runden das Gin-Rezept ab – die Zusammensetzung bleibt ein Geheimnis ihres Schöpfers. Nach 60 verschiedenen Brände-Versuchen entstand ein Gin, den der Jungunternehmer "44Vier" taufte. Der Name verweist auf den Alkoholgehalt der Spirituose.

Die ersten beiden Fässer füllen 1000 Flaschen

Gin ist derzeit Wilhelms Hauptprodukt. Da es aber viele konkurrierende Hersteller gibt, sei es schwierig, sich am Markt durchzusetzen, erklärt der Jungunternehmer. Künftig will er sich vor allem mit Whisky einen Namen machen. In den ersten beiden Fässern, deren Inhalt rund 1000 Flaschen füllt, reifte der erste Jahrgang heran, der Ende Oktober mit einem Fest offiziell vorgestellt werden soll. "Die ersten 200 Flaschen kann man sich bereits über Geschenkgutscheine in Form einer Holzplakette sichern", sagt Wilhelm. Langfristiges Ziel sei es, monatlich 500 bis 1000 Flaschen zu verkaufen.

Auch wenn die Geschäfte wegen Corona derzeit eher mäßig gehen, bleibt Wilhelm, der sich zu den risiko- und experimentierfreudigen Menschen zählt, optimistisch und bescheiden: "Irgendwann wird es wieder mehr, bis dahin werde ich die Ruhe bewahren. Und eigentlich bin ich doch ganz zufrieden, wie sich alles bisher entwickelt".

Während der Corona-Pandemie hat der 27-Jährige Alkohol zur Desinfektion für Apotheken und den Landkreis Calw produziert, etwa 1000 Liter. In 30-Milliliter-Flaschen ging der Alkohol auch in den Einzelhandel.

In der Heckengäu-Brennerei wird klimaneutral gearbeitet, denn "jeder von uns hat als Mensch die Auswirkungen unseres persönlichen Handelns gegenüber Umwelt und Natur zu verantworten", sagt Wilhelm. Sein Betrieb stelle sich dieser Verantwortung und unterstütze ein Klimaschutzprojekt, und zwar nicht wie oft üblich im südamerikanischen Regenwald. Nach langer Recherche wurde der Jungunternehmer fündig und unterstützt heute ein Humusaufbauprojekt. Die Heckengäu-Brennerei kooperiert über die CarboCert GmbH mit einem Landwirt in Hildrizhausen, der auf seinen Feldern Humusaufbau betreibt. "Wir unterstützen dieses Projekt und erhalten dafür Zertifikate über die dabei gebundenen CO2-Massen. Die CarboCert GmbH wirkt als Mittelsmann und überprüft die Humusaufbaumaßnahmen und den zugehörigen Zuwachs. Ebenso werden wissenschaftlich die gebundenen Mengen an CO2 ermittelt", erklärt der Whisky- und Gin-Experte.

Die Heckengäu-Brennerei wurde vom europäischen Förderprogramm Leader im Handlungsfeld "Leben und Arbeiten auf dem Land im Einklang von Familie und Beruf" gefördert. Dahinter verbergen sich unter anderem Vermarktungsstrategien für regionale Produkte und Existenzgründerförderungen.

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