Dieser Ring von Einbahnstraßen für LKW soll die Verkehrsbelastung in Altheim senken. Ob sich das so umsetzen lässt, ist aber wegen der Spitzkehren zweifelhaft. Foto: geoportal-bw/Fichtner

Wie können LKW aus Altheim verschwinden? Eine als seltsam empfundene Straßenplanung regt nicht nur die Talheimer auf: Die Lkw sollen durch enge Straßen von Talheim Richtung IKG Haiterbach fahren.

Die Talheimer sind sauer auf Altheim. Statt einer Orts-Umfahrung zur Entlastung von Altheim soll es einen Lkw-Einbahnverkehr geben. Doch welcher Sattelschlepper kommt durch die steilen und engen Spitzkehren von Talheim?

In einem Workshop hat der Ortschaftsrat Möglichkeiten gesucht, wie der Schwerlastverkehr aus der Ortsdurchfahrt in Altheim verschwindet. Insgesamt sechs Varianten wurden mit den Fachleuten von Fichtner Water & Transportation entwickelt. Und ganz Talheim fragt sich: Ist die Variante Nummer 3 wirklich euer Ernst?

Die Trasse

Die Trasse sieht einen Einbahnstraßenring vor. Die Lkw fahren vom geplanten Interkommunalen Gewerbegebiet (IKG) Waldachtal/Haiterbach Richtung Altheim. Von dort aus weiter zur Autobahn über die B 28. Aber nur in Einbahnstraßen-Richtung. Wer ins neue Gewerbegebiet will, muss die Einbahnstraße durch Talheim nehmen. Vom Ziegelhüttenkreisel durch die engen Straßen Richtung Obertalheim.

Die Spitzkehren

Hermann Walz, Talheimer Ortschaftsrat und ULH-Gemeinderat: „Mir schwillt der Kamm. Vor Jahren ist mal ein Sattelschlepper in der steilen Spitzkehre bei der Kirche stecken geblieben. Wie soll das gehen?“

Dieter Rominger-Seyrich (SPD): „Ich frage mich, ob die die Spitzkehren nicht kennen.“

BiM-Fraktionschefin Christina Nuss: „Ich sehe, dass hier eine Dissonanz zwischen Altheim und Talheim auftritt. Jeder Ort hat die Sorge, dass er mehr betroffen wird. Hätte man bei diesem Workshop nicht die Talheimer mit einbeziehen müssen?“

OB Rosenberger kritisiert: „Die Ringlösung mit einer Einbahnstraße über Altheim und Talheim werde ich persönlich nicht vorschlagen. Das bedeutet definitiv eine deutliche Mehrbelastung für alle anderen!“

Mehr LKW für Altheim

Doch warum kommen die Altheimer auf solch eine Idee? Björn Bindert erläutert, dass die Salzstetter Straße zwischen 5,70 und 6,20 Meter breit ist. Heißt: Wenn sich hier zwei Lkw begegnen, ist das zu eng. Sie müssen über den Gehweg fahren, um aneinander vorbeizufahren.

Das passiert jetzt schon und wird in Altheim noch schlimmer. Fichtner-Transportation hat eine LKW-Prognose für das Jahr 2035 gemacht: Auf der Böblinger Straße steigt der Schwerlastverkehr auf 740 Lkw pro Tag – ein Plus von 174 Prozent! Auf der Salzstetter Straße werden dann 720 Brummis fahren – ein Plus von 103 Prozent!

Und da sind mögliche Mehrbelastungen durch das Güterverkehrsterminal noch gar nicht drin.

Ortsnahe Umfahrung

Beste mögliche Lösung, die Altheim bisher nicht will: Die „ortsnahe Umfahrung“, die schon vor über zehn Jahren umsetzungsreif war. Rosenberger: „Das Argument: Wir wollen keine Umfahrung, die Lärm von der Haustür an die Hintertür verlagert.“

OB Peter Rosenberger: „Zum Schluss wird es drauf hinauslaufen, dass es eine Umlenkung über bestehende Trassen gibt. Oder die Umfahrung nahe Altheim. Das ist die einzige Trasse, die als lösbar dargestellt wird.“

Interimslösungen

Auf jeden Fall – so Rosenberger – sollen die Kurzfristmaßnahmen für Altheim jetzt entwickelt werden: „Wir können mit unseren Interims-Möglichkeiten jetzt dafür sorgen, dass eine gewisse Entlastung für Altheim vom Schwerlastverkehr stattfinden kann.“ Zu diesen Maßnahmen, die laut Rosenberger noch vor der Sommerpause präsentiert werden sollen, gehören unter anderem LKW-Sperrung der Bahnhofstraße, Tempo 30 oder 40 durch einen Lärmaktionsplan. Experte Bindert schlägt auch eine Ampel an der Kreuzung Salzstetter Straße/Böblinger Straße vor. Dazu Querungshilfen und Fußgängerampeln.